Das Foto: Kuhn

Der Abriss des einstigen Gebäudes „Zum Hasenwirt“ hat begonnen. Das Gebäude aus dem Jahr 1877 macht einem Acht-Familienhaus Platz. Allerdings: Ein Stück Uhlbacher Ortsgeschichte verschwindet.

Uhlbach - Alteingesessenen Uhlbachern blutet beim Anblick der Ruine an der Ecke Innsbrucker-/Kufsteiner Straße das Herz: Ein Abrissbagger beißt sich in das Gemäuer des ehemaligen Restaurantgebäudes. Nur noch das Schild „Zum Hasenwirt“ auf dem Parkplatz und einige Fenster sowie Türen, die vor der Abrissbirne gerettet wurden und zur Abholung bereit stehen, erinnern noch an die Jahrzehnte alte Gastwirt-Tradition: Erbaut – davon zeugt auch noch eine Inschrift auf der Frontseite – wurde das Eck-Gebäude im Jahr 1877 von Wilhelm Merkle. In der Nähe der Andreaskirche und des Pfarrhauses stehend, gehört das typische Wengerterhaus samt Keller zum alten Ortskern. Vor genau hundert Jahren eröffneten Merkles Nachfahren, das Ehepaar Münzmay, dort die Weinstube Hasen. Nach dem Zweiten Weltkrieg machten zunächst Siegfried und Edeltraud Münzmay den „Hasen in Uhlbach“ weit über den Stadtbezirk hinaus zu einer Institution.

Gäste wie Wim Thoelke und Udo Jürgens

Das Ehepaar führte den Gastronomiebetrieb mehr als 25 Jahre und übergab ihn dann in die Hände von Waltraud und Josef Stritzelberger. Sie übernahmen den „Hasen“ zum 1. August 1987, nannten ihn auf Anraten des damaligen Stuttgarter Verkehrsdirektors in „Zum Hasenwirt“ um und mehrten das Renommée des Restaurants noch weiter. Viele Prominente kehrten bei den Stritzelbergers ein. Udo Jürgens, die Scorpions-Rockmusiker, Bundestrainer Jürgen Klinsmann, Ballett- und Opernstars, Wirtschaftsbosse sowie Schauspiel- und TV-Größen wie Wim Thoelke, genossen Stritzelbergers Spezialitäten – von den Maultaschen und anderen schwäbischen Gerichten bis zu den Wild- und Spargelleckerbissen – sowie die gemütliche Atmosphäre in den holzgetäfelten Gasträumen oder in der schattigen Gartenlaube. Altersbedingt gingen Waltraud und Josef Stritzelberger vor drei Jahren allerdings in den Ruhestand.

Zwölf Monate Bauzeit

Eine Nachfolgelösung ergab sich nicht, das Gebäude wurde verkauft. Die Bemmerer Wohnbau & Immobilien-Gesellschaft will auf dem Eckgrundstück ein Mehrfamilienhaus als energiesparendes KfW-Effizienzhaus 55 errichten. „Wir haben vor wenigen Tagen mit dem Abriss des Altbaus begonnen“, sagt Geschäftsführer Rolf Bemmerer. Die „ausgezeichnete Wohnlage“ von Uhlbach hat der Architekt beim Bau eines anderen Objekts schätzen gelernt. Auf einem freien Grundstück in der Markgräfler Straße baute das Wohnbauunternehmen ein Mehrfamilienhaus. An der Ecke Innsbrucker/ Kufsteiner Straße will es ein Acht-Familienhaus errichten. „Wir gehen von einer Bauzeit von zwölf Monaten aus, sodass die Wohnungen spätestens im Frühsommer 2020 bezogen werden können“, sagt Bemmerer. Die Nachfrage sei groß. Die meisten Eigentumswohnungen seien bereits verkauft. „Unter den Käufern befinden sich viele, die heute bereits in Uhlbach wohnen“, verrät Bemmerer.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: