Auf dem 2,1 Hektar großen Areal in Nachbarschaft zur Reiterkasernen sollen bis 2027 gut 340 neue Wohnungen entstehen. Foto: Uli Nagel

Das größte Neubauprojekt der städtischen Tochter in Bad Cannstatt wird auf einem 2,1 Hektar großen Areal in Nachbarschaft zur Reiterkaserne bis 2027 realisiert. Dennoch gibt es Kritik.

Vor fast zwei Jahrzehnten startete die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH (SWSG), die auf dem Hallschlag rund 1800 Wohnungen besitzt, ein gigantisches Sanierungs- und Neubauprogramm. Fast 200 Millionen Euro sind seitdem in den einst verrufenen Cannstatter Stadtteil geflossen. Der bisher größte Abschnitt war dabei das Gebiet Lübecker/Dessauer Straße mit insgesamt 161 neuen Mietwohnungen.

 

Neubauareal 2,1 Hektar groß

Dieses Projekt wird jedoch noch einmal getoppt vom letzten großen Bauvorhaben der SWSG, der Neubebauung des Gebiets Düsseldorfer/Bottroper Straße. Die 114 Wohnungen auf dem 2,1 Hektar großen Areal in Nachbarschaft zur Reiterkaserne entsprachen nach Meinung der städtischen Tochter nicht mehr den zeitgemäßen Standards, egal ob bei Statik, Heizungstechnik sowie Wärme- und Schallschutz. Auf dem Gelände soll ab 2025 neben 340 neue Wohnungen auch eine Tiefgarage, ein Café, eine Kita, Arztpraxen, Gewerbe sowie Pflegewohnungen entstehen.

Am 17. Dezember soll der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan auf den Weg bringen. Zuvor gab es jedoch noch einmal Diskussionen; sowohl im Ausschuss bei der Einbringung, als auch im Bezirksbeirat Bad Cannstatt. Der Grund: Wie so oft in Stuttgart scheiden sich bei der Zahl der benötigten Parkplätze in einem Neubaugebiet die Geister.

Tiefgarage mit 240 Kfz-Stellplätzen

Laut Corinna Althanns und Andreas Hemmerich vom Stadtplanungsamt sollen in der neuen Tiefgarage – neben knapp 640 Radabstellplätzen – rund 240 Kfz-Stellplätze entstehen. 55 mehr, als nach dem auf dem Planungsgebiet angewandten Kfz-Schlüssel erforderlich gewesen wären. Doch der Überhang hat laut Stadtplanungsamt gute Gründe. Zum einen fallen in der Straße Am Römerkastell, die zusammen mit der Düsseldorfer Straße und der Bottroper Straße im Zuge der Neubebauung im großen Stil umgebaut und dadurch attraktiver und sicherer werden soll, fast 50 Stellplätze weg. Zudem will die SWSG in den kommenden Jahren den Hallschlag durch einzelne Gebäude nachverdichten.

Parkdruck nimmt zu

Dennoch befürchten CDU, Freien Wähler, FDP, AfD sowie die SPD-Fraktion des Bezirksbeirats trotz des „Überhangs“ von 55 Parkplätzen in der neuen Tiefgarage eine Zunahme des heute schon im Hallschlag existierenden Parkdrucks und fordern die Verwaltung auf, nach Alternativen im Straßenraum für mehr Parkplätze zu suchen. Von einem vorgeschlagenen Längsparken rät Verkehrsplaner Hemmerich jedoch ab, da die Straße Am Römerkastell zur Stärkung des Radverkehrs entsprechend umgestaltet werden soll. Dabei seien längsparkende Autos eine viel zu große Gefahrenquelle.

SÖS/Die Linke, denen die Abriss- und Neubaupolitik der Stadt oftmals zu weit geht, können dem Bauvorhaben der SWSG – wie den meisten Bauvorhaben der städtischen Tochter auf dem Hallschlag – nichts abgewinnen. Der Grund: Den neuen, sehr viel höheren Mietpreis können sich die meisten Bewohner nicht mehr leisten, obwohl laut Stadt fast 80 Prozent der 340 Wohneinheiten sozial gefördert sind.

Baubeginn wohl im Mai 2025

Bei all der Kritik fand der Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans im Bezirksbeirat dennoch eine Mehrheit. Abschließend soll jetzt der Städtebauausschuss am 17. Dezember noch seinen Segen geben. Mit einem Satzungsbeschluss rechnet die Verwaltung im Mai 2025. Baubeginn soll dann im Juli sein. Mit der Fertigstellung des Projekts rechnen die SWSG-Verantwortlichen im April 2027.