Zwei von insgesamt sieben Gebäudezeilen in Steinhaldenfeld, die abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden sollen. Foto: Uli Nagel

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben will im Cannstatter Stadtteil Steinhaldenfeld sieben Reihenhäuser abreißen lassen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik stimmt der Auslobung eines Wettbewerbs zu. Kritik gibt es am Stellplatzschlüssel.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ist das zentrale Immobilienunternehmen des Bundes. Zu ihren Hauptaufgaben zählen neben dem Management sowie der Verwaltung und dem Verkauf von Immobilien auch das Schaffen von neuem Wohnraum. Diese werden, wie bei der BImA üblich, zunächst als bezahlbarer Wohnraum an Bundesbedienstete angeboten, darunter Mitarbeiter von Zoll, Bundespolizei und Bundeswehr. Wohnungen, die nicht in diesem Kontext vergeben werden, stehen anschließend zur Vermietung auf dem freien Markt zur Verfügung.

 

Stuttgart würde vom Wohnungsbauprojekt profitieren

Ein Fakt, von dem in absehbarer Zeit auch die Landeshauptstadt profitieren könnte. Denn die sieben Gebäudezeilen entlang der Steinhalden- und Zuckerbergstraße im Cannstatter Stadtteil Steinhaldenfeld, die über insgesamt rund 250 Wohnungen verfügen und der BImA gehören, sollen abgerissen und durch Neubauten für dann 300 preisgünstige Wohneinheiten ersetzt werden. Diese Mietwohnungen, laut BImA wird eine Kaltmiete von zehn Euro pro Quadratmeter angestrebt, werden mit einer Frist von vier Wochen Bundesangestellten angeboten. Nicht vergebene Mietwohnungen können dann vier Wochen lang von der Stadt mit Haushalten aus der städtischen Vormerkdatei belegt werden.

„Untersuchungen der Gebäude aus den 50er Jahren haben gezeigt, dass eine energetische Sanierung, Aufstockung oder Ergänzung unwirtschaftlich ist“, sagt Corinna Althanns, beim Stadtplanungsamt für den Bereich Neckar verantwortlich. Eine zeitgemäße und familiengerechte Entwicklung des kleinen Quartiers sei damit nicht möglich, da der Bestand nur aus 1- bis 3-Zimmer-Wohnungen bestehe. „Mit der Neubebauung wird die Wohnfläche von 14 600 Quadratmeter Bruttogeschossfläche auf 36 000 vergrößert“, so die Stadtplanerin. Denn es sollen auch größere, familiengerechte 4- bis 5-Zimmer-Wohnungen auf dem gut 2,3 Hektar großen Gelände realisiert werden.

Wettbewerb mit zehn Teilnehmern

Die BImA will jetzt in Kooperation mit der Stadt Stuttgart im Frühjahr einen städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerb mit insgesamt zehn Teilnehmern ausloben. Was der Stadt dabei wichtig ist: „Ein besonderes Merkmal des Areals ist die intensive Durchgrünung mit großen Bäumen“, so Corinna Althanns. Deren Schutz und Erhalt sowie die hohe Freiraumqualität sind, trotz der angestrebten baulichen Dichte, zentrale Bestandteile des Wettbewerbs. Nachdem im September der Sieger gekürt wurde, soll anschließend das Verfahren für einen neuen Bebauungsplan eingeleitet werden.

Das neue Quartier soll überwiegend dem Wohnen dienen. Zur Deckung des Bedarfs an sozialer Infrastruktur wird eine Kindertagesstätte für vier Gruppen untergebracht. Zudem soll auf rund 200 Quadratmetern Platz für ein kleines Café oder eine Bäckerei sein.

Jeder Stellplatz kostet rund 70 000 Euro

Im Quartier selbst sind keine oberirdischen Parkplätze geplant. Der vorgeschlagene Stellplatzschlüssel in den Tiefgaragen von 0,4 ist laut Corinna Althanns auf Wunsch der BImA extrem niedrig gehalten worden, da sich sonst die angestrebte Kaltmiete von zehn Euro pro Quadratmeter nicht realisieren lasse. Laut dem Investor muss ein Stellplatz mit Baukosten in Höhe von etwa 70 000 Euro veranschlagt werden.

Dennoch lehnte der Bezirksbeirat Bad Cannstatt mehrheitlich das Bauvorhaben ab. CDU, AfD, FDP und Freie Wähler bewerten den Stellplatzschlüssel als viel zu niedrig und fordern mindestens 0,8 wenn nicht sogar 1,0. SÖS und Die Linke könnten zwar mit weniger Parkplätzen leben, allerdings plädieren sie vehement für den Erhalt der Wohngebäude anstatt sie abzureißen.

Stadt plant Verkehrsuntersuchung

Eine Diskussion, die sich auch im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik im Gemeinderat fortsetzte. Allerdings mit anderem Ergebnis: Mehrheitlich wurde der Antrag der CDU nach einem höheren Parkplatzschlüssel abgelehnt. Aufgrund der Bedenken will die Stadt nun aber parallel zum Wettbewerb eine Verkehrsuntersuchung durchführen. Grundsätzlich gelte aber, wie bei jedem Vorhaben, die von der Stadt vorgegebene Parkplatzsatzung, betonte Baubürgermeister Peter Pätzold (Bündnis 90/Grüne). Diese schreibt je nach Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr die Zahl der Stellplätze vor. Im Fall des Bauvorhabens in Steinhaldenfeld eben 0,4.