Auf dem ehemaligen Nürk-Gelände in der Pliensauvorstadt soll ein neues Viertel mit einem Discounter, Läden, Dienstleistern und Wohnungen entstehen. Die beiden Hauptgebäude sollen nun leichter und luftiger als geplant ausfallen.
Da hat der Amtsschimmel nicht gewiehert, sondern kräftig gebrüllt. Gemeinderat Andreas Koch (SPD) hatte in den Sitzungsunterlagen für den Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Esslinger Gemeinderats eine sprachliche Kuriosität ausgemacht. Da sei von einem Auftrag an die Verwaltung „auf Grundlage des vorhabenbezogenen Bebauungsplan-Vorentwurfes, des Vorentwurfes des Vorhaben- und Erschließungsplanes und der örtlichen Bauvorschriften“ die Rede. Das Wortungetüm habe sein müssen, verteidigte sich Franz Schneider vom Stadtplanungsamt in der Sitzung des Gremiums am Mittwochabend. Bei der von einem privaten Investor getragenen Bebauung des Nürk-Areals zwischen Zollberg-, Brücken- und Berkheimer Straße in der Pliensauvorstadt müsse alles hieb- und stichfest sein. Es sei eines der städtebaulichen Mammutprojekte.
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Das war dem Ausschuss bewusst. Einstimmig billigte er Veränderungen an der ursprünglichen Planung, die für mehr Leichtigkeit der beiden Gebäudekomplexe sorgen sollen. Mit dem Beschluss wird der vorhabenbezogene Bebauungsplan auf den Weg gebracht, der die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Umsetzung der Maßnahme festzurrt.
Die Plienausvorstadt soll ein neues Stadtviertel erhalten. Auf dem Nürk-Areal und den umliegenden Straßen ist auf einem Gebiet mit einer Größe von etwa 2,9 Hektar ein Mix aus Wohnraum für bis zu 500 Menschen, Dienstleistungen und Einzelhandel mit einem großen Discounter geplant. Herzstücke sind zwei Gebäudekomplexe, die sich um einen neuen Platz an der Brückenstraße gruppieren. An der ursprünglichen Planung wurden laut dem Stadtplaner Schneider Änderungen vorgenommen, um Sorgen von Anwohnern und Bürgern wegen einer zu massiven Bebauungswucht zu zerstreuen. So wurde die Zahl der Wohnungen gegenüber dem Konzept vom Juli 2021 um fünf auf nun 160 Apartments verringert.
Ein Geschoss weniger
Kern des Quartiers ist ein Gebäude östlich des zentralen Platzes. Es soll im Erdgeschoss einen Lebensmittelmarkt mit etwa 1600 Quadratmetern Verkaufsfläche, ein weiteres Ladenlokal, ein Parkgeschoss und darüber fünf einzelne Baukörper mit Wohnungen beherbergen. Die beiden Wohnriegel in Richtung Norden und Nordosten werden nach den neuen Planungen um ein Geschoss reduziert. Durch die Verringerung der Stockwerke solle ein „weniger erschlagender Gesamteindruck des Gebäudes“ erreicht werden, so Schneider. Der zweite Gebäudekomplex des neuen Stadtviertels soll südwestlich des Platzes liegen. In dem achtgeschossigen Baukörper werden Gastronomie und eine Bäckerei im Erdgeschoss, Arztpraxen im ersten Obergeschoss und in den Etagen darüber Wohnungen untergebracht. Im veränderten Plan sind nun Zurückstaffelungen im obersten Geschoss in Richtung Süden, auf der West- und Nordseite vorgesehen. „Die Materialität der Fassade wird dort anders behandelt, was zusätzlich zur differenzierten Wirkung des Ensembles beiträgt“, heißt es in der Sitzungsvorlage für den Technikausschuss.
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Die Zurückstaffelungen sollen nicht nur für mehr Luftigkeit des Gebäudekörpers sorgen. Sie hätten auch einen anderen positiven Effekt, so Schneider. Es entstünden Freiräume für die angrenzenden Wohngeschosse, mehr nutzbare Flächen für die Bewohner und somit mehr Aufenthaltsqualität.
Baum für das Mikro-Klima
Ökologische Bedenken mehrerer Ausschussmitglieder war Schneider zu zerstreuen bemüht. Wie besprochen werde auf dem zentralen Platz an der Brückenstraße ein Baum gepflanzt. Er soll an heißen Sommertagen wohltuenden Schatten spenden, das Ambiente des neuen Quartiers aufwerten und das lokale Mikroklima verbessern. Ergänzend betonte der Stadtplaner, dass für die Wohnungen weiterhin an einem Schlüssel von einem Stellplatz pro Wohneinheit festgehalten werde. Seit 2017 beschäftigt sich der Gemeinderat mit dem Bauvorhaben. Geduld ist weiterhin nötig. Mit einer Verwirklichung ist laut Baubürgermeister Hans-Georg Sigel erst 2025 zu rechnen.
Die Neugestaltung des Nürk-Areals
Die Vorgeschichte
Die Planungen für die Neugestaltung des Nürk-Areals laufen seit Juni 2017. Ein Jahr später erwarb ein Discounter das Grundstück, für das er eine städtebauliche Neuordnung anstrebt. In Abstimmung mit der Stadt Esslingen wurde ein Architekturwettbewerb mit acht Teilnehmenden durchgeführt.
Die Zahlen
Das neue Stadtquartier in der Pliensauvorstadt soll einen Discounter mit einer Verkaufsfläche von 1600 Quadratmetern beherbergen. Weitere Läden mit einer Fläche von insgesamt 1272 Quadratmetern sind vorgesehen. Büros und Praxen entstehen auf 230 Quadratmetern. 160 Wohneinheiten sind angedacht.
Die Parkplätze
Auf dem Gelände soll es 72 Gewerbe- und Kundenstellplätze, 112 Parkplätze in der Parkgarage und elf oberirdische Stellplätze geben. Durch die neuen Planungen reduziert sich die gesamte Brutto-Grundfläche oberirdisch auf etwa 14 500 Quadratmeter.