Bauamtsleiter Andor Varszegi (li.) und Bauherr Johannes Haag vor dem sanierten Gebäude Hauptstraße 6 in Heimsheim. Foto: Simon Granville

Besonders die Statik ist bei der Sanierung des mehr als 200 Jahre alten, denkmalgeschützten Gebäudes eine Herausforderung für den Bauherrn.

„Man braucht Mut, um solche Projekte anzunehmen“, sagt Johannes Haag mit Blick auf das alte Bauernhaus an der Hauptstraße in Heimsheim. Die Zahl 1798 prangt auf einem Stein über dem Eingang des mächtigen Gebäudes. Wie alt es tatsächlich ist, lässt sich schwer sagen. Häuser wurden auch früher schon immer mal wieder umgebaut, den sich verändernden Bedürfnissen angepasst. Verschiedene Überreste wie etwa eine alte Türe könnten auf das 18. Jahrhundert hinweisen, meint der Planer und Bauunternehmer aus Leonberg, der sich seit langem auf Altbau- und Denkmalsanierung spezialisiert hat.

 

Als die Stadt Heimsheim das Gebäude, das schräg gegenüber dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gasthaus zum Waldhorn liegt, 2013 im Zuge der Stadtkernsanierung erwarb, sei es in einem ziemlich schlechten Zustand gewesen, berichtet der Leiter des städtischen Bauamts, Andor Varszegi. Mit dem Denkmalamt sei über einen möglichen Abbruch diskutiert worden und über die Frage, ob überhaupt eine Denkmaleigenschaft bestehe. Die Behörde bejahte dies.

Die Standsicherheit steht lange infrage

So wurden in den folgenden Jahren diverse Gutachten erstellt, etwa zur Tragwerkssicherheit und was zu tun ist, um das Gebäude zu erhalten. Das Wichtigste sei dabei gewesen zu klären, wie die Standsicherheit gewährleistet werden kann. 2023 schließlich kaufte der erfahrene Sanierer Haag, der beispielsweise in der Leonberger Altstadt schon das Haus mit der Gaststätte Bären und in Eltingen das Gebäude Carl-Schmincke-Straße/Leonberger Straße saniert hat, das Gebäude. „Er hatte unter allen Interessenten die besten Ideen zur Sanierung und legte ein klares Konzept vor“, sagt Andor Varszegi.

Das Wohnhaus samt angebauter Scheune mit großer Einfahrt steht mit der Front zur Hauptstraße, die auch die Durchgangsstraße durch den Ort ist. Dieses Projekt stellte selbst den erfahrenen Sanierungsspezialisten „vor sehr große Herausforderungen“, wie er sagt. Die hintere Fassade des Wohnhauses war nach außen gebrochen, was man noch heute erkennen kann, an einer Türe etwa, die sich schräg neigt, ebenso wie der Boden im Schlafzimmer. „Da muss man halt was unter das Bett legen, damit es gerade steht“, sagt Johannes Haag schmunzelnd. Die Beschädigung der Hauswand sei wohl durch ein Rübenmahlwerk, das über längere Zeit von einem rüttelnden Dieselmotor angetrieben wurde, entstanden, nimmt er an. Auch sei hinter und unter später eingebauten Verkleidungen so manche Überraschung zutage getreten.

Im August sollen die ersten einziehen

Im Februar 2024 begannen die Handwerker der vielen verschiedenen Gewerke, unter ihnen einige Betriebe aus Leonberg, mit der Arbeit. Fünf Monate mussten sie dann pausieren, bis ein weiterer Statiker das Gebäude auf Herz und Nieren geprüft hatte. „Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass das Haus, wie es jetzt nach der Kernsanierung dasteht, uns alle überdauern wird“, so der Sanierungsfachmann. Mächtige Stahlträger etwa in der Toreinfahrt oder viele Tonnen Beton im Innenbereich sollen dafür sorgen. Dabei war die Anlieferung des vielen Materials eine logistische Herausforderung, denn das Gebäude grenzt direkt an den Gehweg.

Doch jetzt im August sollen die ersten Mieter in eine der beiden zweistöckigen, großen Wohnungen einziehen. Sie werden zwar in einem alten Haus wohnen, doch an Komfort wird es ihnen nicht fehlen. Die neuen Sanitärbereiche sind supermodern, das energieeffiziente Gebäude ist gedämmt und wird durch Wärmepumpen versorgt. Hinten im Hof steht eine Wallbox für E-Autos. Mit einer Sache jedoch hadert der Eigentümer der denkmalgeschützten Immobilie: Die vom Denkmalamt vorgegebene Farbe für die Fassade, ein gelblich-beiger Ton, hätte er selbst nicht gewählt.

Das Gebäude könnte von 1798 sein- oder noch älter. Foto: Simon Granville

700 000 Euro für Rundumsanierung

Rund 700 000 Euro steckt der Bauherr für diese Rund-um-Sanierung in sein Heimsheimer Projekt. Zuschüsse dafür gebe es in kleinerem Umfang. Trotz dieser großen Investition will Johannes Haag weitermachen, schützenswerte Gebäude zu erhalten und sie möglichst zu Wohnzwecken nutzen zu können. „Ich habe schon viele Häuser gerettet, aber ich mache es immer noch mit Leidenschaft“, betont er.

Für einige Projekte ist er mit Ehrungen und Denkmalpreisen ausgezeichnet worden, etwa für die Sanierung des ehemaligen Diakonissenheims in Bad Liebenzell mit heute zehn Wohnungen.