Blick auf das Baustellengelände von oben. An der Universität Stuttgart (Campus Vaihingen) wurde im Juli der Grundstein für das neue Studentenwohnheim Allmandring IV gelegt. Die Wohnanlage für Studierende mit rund 380 Plätzen soll 2019 fertig sein. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Den größten Ansturm erwarten Universitäten und Hochschulen traditionell zum Wintersemester. Auf dem Wohnungsmarkt wird es dann besonders eng. Haus und Grund appelliert an seine Mitglieder, leer stehende Räume zu vermieten.

Stuttgart - „Studentin sucht Zimmer, Nähe Uni Vaihingen bis 370 Euro warm.“ Solche Anzeigen finden sich um so häufiger, je näher der Semesterstart der Hochschulen rückt. Die Studenten konkurrieren mit Festangestellten, Beamten, Selbstständigen, mit Paaren, die sich die Miete teilen können, mit Gutsituierten, die hohe Preise zu zahlen bereit sind.

Im Wintersemester 2017/18 haben 2770 Studentinnen und Studenten allein an der Universität Hohenheim ein Studium aufgenommen. „Wenn die Neueinschreibungen in etwa dem Vorjahr entsprächen, kämen im Herbst rund 4000 Erstsemester plus knapp 2000 Master und Uni-Wechsler“, sagt Susanne Schupp von der Hochschulkommunikation der Universität Stuttgart. Fast 9000 Zuzügler auf einen Streich – es wird also wieder eng – und jedes Jahr teurer.

Das Studierendenwerk Stuttgart beklagt eine „Preissteigerung in den letzten zwei Jahren um durchschnittlich sechs Prozent“, doch unter 300 Euro sei nichts zu bekommen. „Bafög-Empfänger erhalten maximal 250 Euro Wohnungszulage, das entspricht nicht der Lebenswelt“, kritisiert Geschäftsführer Tobias M. Burchard.

7200 Wohnheimplätze für 62 000 Studenten

Viele Studierende suchen daher Zuflucht in Studentenwohnheimen, wo die Zimmer zwischen 225 und 450 Euro kosten. 7200 Plätze der Universitäten und Hochschulen in Stuttgart, Ludwigsburg, Esslingen und Göppingen stehen für 62 000 Eingeschriebene zur Verfügung. Damit der Anteil der Wohnheimzimmer steigt, baut das Studierendenwerk Stuttgart in den nächsten vier Jahren gut 1400 zusätzliche Wohnplätze. Das Land zahlt pro Wohnplatz 8000 Euro Förderung und überlässt dem Bauträger campusnahe Grundstücke in Erbbaupacht.

3100 Bewerber warten auf ein Zimmer, zu Beginn des Wintersemesters werden es nach Einschätzung des Studierendenwerks Stuttgart rund 4000 sein, „aber nur 2005 Zimmer werden frei, rund 300 weniger als im Vorjahr“, so Pressesprecherin Anita Bauer. „Das könnte daran liegen, dass unsere Mieter(innen) die Höchstmietdauer von 36 Monaten eher ausnutzen“, sagt sie.

„Die Stuttgarter Vermieter sind offen gegenüber Studierenden“, ist der Eindruck von Ulrich Wecker, dem Geschäftsführer des Vereins Haus und Grund. „Man weiß, dass die Wohnung in absehbarer Zeit wieder frei wird.“ Das Bild des „Gammelstudenten“ herrsche nicht mehr vor, da die Studiengänge verschulter als früher seien, „heute geht es viel zivilisierter zu“, so Wecker. Außerdem seien „Eltern dahinterher“, oftmals böten sie sich als Bürgen an.

Im sechsten Jahr in Folge werben Haus und Grund gemeinsam mit dem Studierendenwerk darum, Studenten bezahlbaren Wohnraum anzubieten. Auf Bussen und Bahnen sowie in Print- und Onlinemedien wird dazu aufgerufen, „brachliegenden Wohnraum zu aktivieren, zum Beispiel die in Stuttgart häufigen Gartengeschosse“, so Wecker. In der Vergangenheit habe man mittels der Kampagne „600 Privatunterkünfte an Studierende vermittelt“, sagt Tobias M. Burchard. Hilfreich sei die Online-Plattform www.platz-fuer-studierende.de für kostenlose Wohnungsinserate.

In den vergangenen Jahren erprobte die städtische Abteilung Leben im Alter ein weiteres Modell: Ein Student zieht für ermäßigte Miete in den Haushalt eines älteren Menschen und geht gelegentlich Einkaufen oder pflegt den Garten. Wohnen mit Hilfe heißt das Tandemmodell, an dem aber mehr Studenten denn Ältere interessiert sind. Sozialamtsleiter Stefan Spatz räumt ein: „Ältere haben wohl Angst vor der Ungewissheit, wen sie sich da in die Wohnung holen. Wenn eine Einliegerwohnung vorhanden ist, läuft die Vermittlung besser.“

Noch offen, ob Notunterkünfte gebraucht werden

Dennoch: Notunterkünfte habe man selbst beim doppelten Abiturjahrgang nicht gebraucht, sagt Susanne Schupp von der Hochschulkommunikation der Uni Stuttgart. Auch in Hohenheim hätten „im vergangenen Wintersemester nur 13 Studierende in den ersten beiden Monaten eine Notunterkunft genutzt, die Leute suchen ja selbst aktiv auf Websites“, sagt die stellvertretende Sprecherin der Uni Hohenheim, Dorothea Elsner.

Laut der jüngsten Sozialerhebung des Studierendenwerks Deutschland leben 30 Prozent der Studierenden in Wohngemeinschaften. Billig ist das nicht unbedingt: Einer Studie der „Wirtschaftswoche“ nach sind die WG-Mieten am deutlichsten in München, Berlin und Stuttgart gestiegen. „Vermieter nehmen es gern mit, wenn vier Personen bis zu 1600 Euro für eine Wohnung bezahlen“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Mietervereins Stuttgart, Rolf Gaßmann. Er empfiehlt dem Verein Haus und Grund „seine Mitglieder zu großzügigem Umgang mit der Erlaubnis zur Untervermietung aufzufordern“. Auch das könne die Wohnungsnot mildern.

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