An der Leinenweberstraße ist am Dienstagnachmittag ein dreistöckiges Wohnhaus ausgebrannt. Es wurde noch in der Nacht auf Mittwoch abgerissen. Foto: Sandra Hintermayr

Am Dienstag hat es in einem Wohnhaus an der Leinenweberstraße einen Brand gegeben. Die Feuerwehr konnte das Gebäude nicht mehr retten, es wurde bereits abgerissen. Elf Bewohner, darunter zwei Kinder, stehen nun vor dem Nichts.

Möhringen - Mit einer dünnen Schicht Asche bedeckt schaukelt das Clown-Püppchen im Wind. Ein kleiner gelber Farbklecks inmitten der Trümmerteile, die von dem Wohnhaus an der Leinenweberstraße übrig geblieben sind. Am Dienstagnachmittag war dort zunächst im Dachgeschoss ein Brand ausgebrochen. Die Feuerwehr rückte schnell an, konnte eine Ausbreitung des Feuers auf die darunter liegenden Geschosse allerdings nicht verhindern. Das alte, dreistöckige Wohnhaus mit Holzschindelfassade war nicht mehr zu retten und musste abgerissen werden.

Die Bewohner stehen nun vor dem Nichts. Im Dachgeschoss lebten acht junge Leute in einer Wohngemeinschaft, viele von ihnen Studenten, dazu zwei kleine Kinder. „Känguru-WG“ haben sie ihre Gemeinschaft genannt. Anna Kaess war in der Dachgeschosswohnung, als das Feuer ausbrach. Wie es dazu kam, weiß sie nicht. „Ich habe nur den Rauch gesehen. Viel Rauch. Und dann habe ich meine Mitbewohner alarmiert“, sagt Kaess. Rauchmelder gebe es im Haus, sie hätten auch ausgelöst. Aber das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Sieben der elf Bewohner waren zu der Zeit im Haus; glücklicherweise konnten sich alle unverletzt retten. „Die ganze Wand stand bereits in Flammen. Als wir raus wollten, brannte bereits das Vordach über der Tür“, sagt Santiago Carrara. „Zwei Minuten später, und wir wären vielleicht nicht mehr rausgekommen.“

Der Brand brach vermutlich auf der Terrasse aus

Zur Brandursache kann die Polizei noch nichts sagen. „Es gibt keine Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung“, sagt der Polizeisprecher Stephan Widmann. Brandermittler seien vor Ort gewesen, doch weil das Haus abgerissen wurde, sei die Suche nach der Brandursache schwierig. „Momentan sieht es danach aus, als sei der Brand auf der Terrasse zwischen dem Wohnhaus und der benachbarten Schreinerei ausgebrochen“, sagt Widmann. Was genau passiert ist, wisse man aber nicht. Es wäre auch möglich, dass ein Glas, welches in direkter Sonneneinstrahlung stand, den Brand ausgelöst hat. „Ob es sich um einen Fall von fahrlässiger Brandstiftung handelt, werden wir nun versuchen, mittels Zeugenaussagen zu ermitteln“, sagt der Polizeisprecher. Die Höhe des Sachschadens kann bislang nicht beziffert werden.

„Laptop, Unterlagen. Alles, was wirklich wichtig ist, ist weg“, sagt Georg Schubert. Der WGler schaut am Mittwochvormittag mit einigen Mitbewohnern hilflos zu, wie sich ein Bagger durch den Trümmerberg arbeitet. Noch immer qualmen Decken und Kissen. Am Morgen musste die Feuerwehr noch einmal anrücken, um weitere Glutnester abzulöschen. Einzelne Gegenstände bringt der Bagger fast noch unversehrt zum Vorschein, wie einen Kinderfahrradhelm und ein Tamburin. Andere Dinge sind völlig zerstört. „Es wird Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis wir wieder alles beisammen haben“, sagt Schubert. Die Bewohner hätten am Dienstagabend noch versucht, nach den Löscharbeiten der Feuerwehr ins Haus zu gehen, um zu schauen, was noch zu retten ist. Vieles sei noch intakt gewesen. „Doch die Statiker haben gesagt, das Haus sei nicht mehr begehbar. Damit war die Sache besiegelt. Wir konnten nichts mehr machen“, sagt Schubert. Das Wohnhaus wurde noch in der Nacht abgerissen.

Die WG braucht schnell ein neues Zuhause

Die Statiker, die noch am Abend vor Ort waren, hätten das Haus als „akut einsturzgefährdet“ bezeichnet, sagt Thomas Weith von der Stuttgarter Feuerwehr. „Es hätte jederzeit zusammenbrechen können.“ Deswegen musste das Gebäude zügig abgerissen werden. „Auch zum Schutz der Passanten, die eventuell am Ort des Geschehens vorbeilaufen, und um die umliegenden Häuser nicht zu gefährden“, erklärt der Feuerwehrmann.

Vorerst konnten die Bewohner bei Freunden Unterschlupf finden. „Unser Kapital ist unser Freundeskreis. Wir haben sehr viel Hilfe angeboten bekommen“, sagt Schubert. „Wir konnten alle bei Freunden unterkommen. Aber das ist keine Dauerlösung“, ergänzt Veronica Schmidt-Cotta. Deswegen sucht die Känguru-WG nun dringend eine neue Bleibe. „Wir möchten gerne alle zusammenbleiben. Wir sind eine Gemeinschaft, fast wie eine große Familie“, sagt Schmidt-Cotta. Die WG hofft nun darauf, dass sich jemand meldet, der eine große Wohnung oder sogar ein Haus vermieten würde. „Es wäre schön, wenn wir in der Umgebung von Möhringen etwas finden würden. Wir sind hier eingebunden mit der Arbeit, der Uni Hohenheim und dem Kindergarten für die Kinder“, sagt Kaess.

„Gemeinsam haben wir einen finanziellen Schaden von mindestens 60 000 Euro zu beklagen“, schätzt Anna Kurbasik. Aus diesem Grund möchte die WG gerne einen Spendenaufruf starten.

Kontakt und Spenden: Wer eine Bleibe für die Känguru-WG kennt oder eine Idee hat, wer den jungen Menschen helfen könnte, kann sich über die E-Mailadresse kanguru.wg@gmail.com oder über Facebook unter dem Suchwort „Känguru WG“ direkt an die WG-Bewohner wenden: www.facebook.com/Känguru-WG

Wer der WG eine Spende zukommen lassen möchte, kann das über folgendes Konto: Carrara Santiago Agustin, GLS Bank, IBAN: DE06 4306 0967 7012 5255 00.

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