Peter Hauber (Foto) ist Experte in Sachen Möbel und Möbelklassiker. Sein Wissen hat sich der Einrichtungsspezialist im Laufe vieler Messen, Gespräche und Besuche bei namhaften Herstellern angeeignet. Foto: Andreas Hofstätter

Echte Möbelklassiker sind zeitlos. Peter Hauber, Einrichtungsberater bei architare in Nagold, erklärt, wie man Originale von einer Fälschung unterscheidet, museale Sterilität vermeidet und individuelle Stilwelten mit Designklassikern inszeniert.

Herr Hauber, Sie als Experte bei architare, wie kombiniert man Möbelklassiker am besten?
Am liebsten sind mir persönlich Kompositionen aus mehreren Stilen: Marcel Breuers Wassily Sessel in Schwarz von Knoll International mit einem Beistelltisch Holzblock von Riva aus Zedernholz vor einer getäfelten Wand, waldgrün gestrichen, und einer Schwarzwälder Kuckucksuhr.

Klassiker funktionieren also ...
... wie ein Anker, um den ich alles andere konzipiere: Modernes, Trendiges, Charmantes, Lustiges und oder auch Traditionelles. Ziel ist es, eine auf die Bewohner abgestimmte Einrichtung zu schaffen, die ihr Wesen ausdrückt.

Sind Klassiker nicht ein wenig spießig?
Keineswegs. Möbelstücke, die ihre Besitzer Tag für Tag erfreuen, sind immer modern. Durch sie wird das Heimkommen zum Ankommen, während man im Büro gerne in die Arbeit startet.

Was ist überhaupt ein Klassiker?
Ein guter Entwurf wird deshalb zum Klassiker, weil Proportionen, Materialien und Verarbeitungsqualität so gewählt sind, dass er über alle Trends Bestand hat und somit zeitlos wird. Das Bauhaus hat zum Beispiel Klassiker geschaffen, weil es eine völlig neue Welt des Wohnens lehrte - aus der Not heraus, als Resultat der Industrialisierung - die Architektur und Einrichtung bis heute nachhaltig beeinflusst.

Wann handelt es sich bei Klassikern um ein Original, wann um eine billige Fälschung?
Wenn wir von Originalen sprechen, meinen wir streng genommen die lizensierten Nachbauten oder Re-Editionen. Sie haben auch ihren Preis, da ihre Hersteller Lizenzgebühren an die Designer oder deren Erben entrichten. Für den bekannten Barcelona Chair beispielsweise besitzt allein die Firma Knoll International die Herstellerrechte. Von einer Fälschung spricht man, wenn die patentierten Möbel billig nachgebaut werden, ohne dass der Hersteller die Lizenz besitzt. Dabei werden in den meisten Fällen weder die Originalentwürfe noch die Materialrichtlinien des Designers beachtet. Qualitativ kommen Plagiate nicht an die lizensierte Re-Edition heran. Viele Plagiate sind billig und schlecht verarbeitet.

Woran erkennt man eine Fälschung?
Viele Re-Editionen werden mit Prägungen oder laufenden Nummern verifiziert. Beim Barcelona Chair sind Ludwig Mies van der Rohes Unterschrift und das Knoll Studio Logo in das Bein des Sessels geprägt. Diese Prägung belegt die außerordentliche Qualität der Produktion und Materialien, die dazu führt, dass ein Klassiker zum Erbstück von morgen wird.

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