Melanie Winterott (links) war im Jahr 2006 die erste Mitbewohnerin von Anneliese und Robert Eckhardt. Foto: Archiv Achim Zweygarth

Anneliese und Robert Eckhardt vermieten im Rahmen des Projekts „Wohnen mit Hilfe“ seit 2006 Zimmer an Studenten. Ein großer Vorteil und ein neues Erlebnis für beide Altersgruppen.

Zuffenhausen - Eine Wohngemeinschaft der etwas anderen Art pflegen Anneliese und Robert Eckhardt seit knapp neun Jahren. Sie leben in Zuffenhausen unter einem Dach mit Studenten.

Mit eisernem Willen und guter Laune durchs Leben

60 Jahre sind die beiden Mittachziger schon miteinander verheiratet. Sie lieben sich noch immer und haben sich bei der Hochzeit geschworen, gemeinsam durch dick und dünn zu gehen. Viel haben die beiden erlebt – sei es im Rahmen ihrer Urlaube mit dem Wohnmobil, beim Wandern oder bei Bergtouren. Sie habe sicherlich mehr als sieben Leben, so oft wie sie schon mit dem Schrecken davon gekommen sei, sagt Anneliese Eckhardt und schmunzelt. Oft habe das Schicksal es gut mit ihr gemeint. Doch gesundheitlich gab es auch Rückschläge im Leben der beiden Zuffenhäuser. Robert Eckhardt hatte 2004 seinen ersten Schlaganfall. Ein zweiter folgte 2007, fünf Jahre später ein weiterer. Doch von Gram, Ärger und Selbstmitleid ist bei den Eckhardts keine Spur zu sehen. Ihnen geht es den Umständen entsprechend gut. Robert Eckhardt hat in den vergangenen Jahren einen eisernen Willen bewiesen. Er lernte wieder sprechen, essen oder auch laufen. Nur mit dem schwer Tragen und anderen anstrengenden Handgriffen im Alltag tun sich Anneliese und ihr Mann mittlerweile schwer. Glücklicherweise haben die beiden seit Juni 2006 sympathische, junge und tatkräftige Studentinnen bei sich im Haus, die den Eckhardts, wenn Not am Mann ist, gerne behilflich sind.

Eine große Hilfe für die kleineren Aufgaben im Alltag

Diese generationenübergreifende Wohnpartnerschaft ist Teil des Projekts „Wohnen mit Hilfe“, das mittlerweile von der Stadt Stuttgart und des Studentenwerkes Tübingen-Hohenheim organisiert wird. Die Idee: Ältere Menschen bieten Studierenden eine Unterkunft zu reduzierter Miete an. Dafür verpflichten sich die Studenten zu regelmäßiger, aber überschaubarer Mithilfe im Haushalt. „Als wir damals von dem Projekt in der Zeitung gelesen haben, fanden wir die Idee sehr interessant“, sagt Anneliese Eckhardt. Platz hatten die beiden Zuffenhäuser genug in ihrem Haus. „Der Vorteil ist, dass auch wenn in der Nacht irgendetwas passiert, sofort jemand da ist.“ Glücklicherweise habe man noch niemanden aus dem Bett klingeln müssen. Vielmehr würden die Studenten beim Einkaufen, Blumen gießen, bei der Gartenarbeit oder Kehrwoche helfen. „Sie glauben gar nicht, wie hilfreich es ist, wenn sie jemanden haben, der beim Wechseln des Spannbettuches hilft und man sich nicht hinknien muss“, sagt Anneliese Eckhardt. „Ich bin heilfroh, dass die Mädels da sind.“ Seit 2006 seien ungefähr 15 Studenten da gewesen. „Wir haben wirklich tolle Erfahrungen gemacht“, sagt die Zuffenhäuserin begeistert.

Ein Angebot das zum Erfolgsmodell wurde

Derzeit teilt sich Madita Diez die 66 Quadratmeter große Dreizimmerwohnung im Haus der Eckhardts mit einer zweiten Studentin. „Wir verstehen uns alle prima“, sagt die Anglistik-Studentin. Die gebürtige Ulmerin hatte zunächst vier Semester im Wohnheim der Uni Stuttgart gelebt. „Dann musste ich raus. Ich hatte wirklich Panik, dass ich nichts finde.“ Das Studentenwerk hat ihr letztendlich den Tipp gegeben, am Projekt Wohnen mit Hilfe teilzunehmen. „Ich habe mehrere Angebote zugeschickt bekommen, aber bei den Eckhardts hat es einfach gepasst – sowohl von den Anforderungen als auch vom Menschlichen“, sagt Madita Diez. Auf den Stubentiger eines älteren Herrn aufzupassen, kam für sie aufgrund ihrer Katzenallergie zum Beispiel nicht in Frage. Und bei den Eckhardts hielten sich die Aufgaben auch in Grenzen. „Vier Stunden im Monat: Das ist super fair.“ Zudem würden sich die Vorteile des Zusammenlebens aber auch nicht zwangsläufig auf den vergünstigten Wohnraum und die Hilfe im Haushalt beschränken. Gerne sitze man auch mal beisammen und unterhalte sich. „Man muss von beiden Seiten her offen für so ein Projekt sein“, sagt Anneliese Eckhardt. „Aber wir können es auf jeden Fall weiterempfehlen.“ Dieser Meinung kann sich der Leiter des Sozialamts, Stefan Spatz, nur anschließen: „Ich finde das ein sehr gutes Angebot. Leider gibt es mehr studentische Bewerber als Senioren, die sich melden.“ Derzeit gebe es fünf konkrete Wohngemeinschaften, die auch, wie zu erwarten war, sehr gut funktionieren würden. „Man kann durchaus von einem Erfolgsmodell sprechen“, sagt Spatz. Jede einzelne Wohngemeinschaft zähle nämlich „und wir versuchen, das zu forcieren“.

Weitere Informationen:

Mehr zum Projekt
„Wohnen mit Hilfe“ gibt es beim Sozialamt unter Telefon 21 65 90 83 oder im Internet unter www.stuttgart.de.

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