Seit 5. Dezember sorgen die Baustellen an der Oppenheimer Straße für Ärger. Der Wohnungskonzern Vonovia weist die Kritik von sich. Foto: Georg Linsenmann

Das Unternehmen Vonovia saniert Gebäude an der Oppenheimer Straße. Bewohner laufen Sturm.

Stuttgart-Weilimdorf - Die Frau am Telefon klingt verzweifelt. In zwei Tagen komme ihre Tochter aus dem Krankenhaus: „In diese staubige und dreckige Baustelle? Das geht doch nicht!“ Man solle sich das einmal anschauen. Ein Ortstermin steht an. Über ein Dutzend Leute sind da, und es werden immer mehr. Auch aus benachbarten Wohnblocks, sodass sich die Sache im Handumdrehen zu einer Art Demonstration auswächst. Aufs Foto aber wollen längst nicht alle – und mit seinem Namen will niemand in der Zeitung stehen. Absolut niemand. Man wolle „nicht in die Schusslinie geraten“ beim Vermieter, dem Wohnungskonzern Vonovia, der seinerseits bundesweit in der Kritik steht. Etwa wegen der Gestaltung von Nebenkosten und Mieterhöhungen per Modernisierung.

Was aber ist an der Oppenheimer Straße 12 passiert, in dem Block mit den elf Wohnungen? Wer fragt, steht unvermittelt in einem Tsunami aus Misstrauen und Zorn, der deutlich über den aktuellen Anlass hinausgeht. Vor drei Jahren seien in den Wasserleitungen Legionellen entdeckt worden. Mit Filtern in den Duschköpfen sei das angegangen worden: „Nach drei Wochen waren die verstopft, nach sechs hätte man sie austauschen müssen. Das ist aber nur alle drei, vier Monate geschehen“, sagt ein Bewohner. Nun wurden die Leitungsstränge vom Keller aufwärts herausgerissen und neu installiert. Die Arbeiten seien am 30. November per Aushang angekündigt worden. Datiert war das Schreiben auf den 18. November. Letztendlich waren es bis zum Beginn der Arbeiten am 5. Dezember dann allerdings nur zwei Werktage.

Auf den Parkplatz vor dem Gebäudekomplex wurden zwei Container mit je zwei Duschen und WCs aufgestellt, von denen an diesem Tag zwei gesperrt sind. Ihre Kinder hätten eine Magen-Darm-Erkrankung bekommen. Jeder habe den gleichen Schlüssel, es gebe keine Trennung von Frauen- und Männer-Bereichen, die Bauarbeiter würden die Anlage mitbenutzen. Reinigung sei Fehlanzeige, sagt ein Bewohner, der das „nach zwei Wochen“ gemacht habe und nun fragt: „Und was machen alte Leute, die nur schwer gehen können, wenn sie nachts auf die Toilette müssen?“

Toiletten seien „höchstens zwei Tage“ nicht nutzbar gewesen, sagt der Bauleiter

In den Wohnungen müsse man Zement- und Betonstaub einatmen, ihr Mann „huste die halbe Nacht“. Eine Zumutung sei das, „einfach unerträglich“. Die Handwerker würden den Hausstrom nehmen: „Bei mir haben sie den Kühlschrankanschluss benutzt und nicht wieder eingesteckt. Ich musste alles wegwerfen“, berichtet eine andere Bewohnerin.

Alle wollen ihre Wohnung zeigen, die im Flur, in Bad und WC Baustellen gleichen, mit einem Reißverschluss-Vlies von den Wohnbereichen abgetrennt. Eine Frau zeigt Handy-Fotos von Fenstern, durch die bei Regen Wasser drückt: „Im Winter habe ich Eiszapfen in der Küche.“ Mehrfach werden Vorwürfe erhoben, wie man „von Vonovia über den Tisch gezogen“ werde: etwa über die Berechnung von Winterdienst: „Aber nie war jemand da“, wird versichert. Ähnlich sei es in Sachen Hausmeister: „Und wenn ein Licht im Treppenhaus kaputt ist, dauert es Monate bis das gemacht ist.“ Und nachts gebe es kein warmes Wasser. Auf der Baustelle fehle ein Ansprechpartner, der Bauleiter reagiere nicht, „auf keinem Kanal“. Jetzt aber nimmt Klaus Roth ab und bestreitet, dass die Bewohner nicht informiert waren: „Zur Planung bin ich frühzeitig zu allen gegangen. Wer nicht da war, dem habe ich meinen Kontakt hinterlassen. Aber nicht alle haben zurückgerufen.“ Toiletten seien „höchstens zwei Tage“ nicht nutzbar gewesen, vor Ort sei immer ein Polier als Ansprechpartner.

Unterstrichen wird seine Darstellung von der Pressesprecherin Bettina Brenner. In einem umfangreichen Antwortschreiben auf unsere Fragen widerspricht sie mit einer gegenteiligen Darlegung jedem Kritikpunkt hinsichtlich der Baumaßnahme, die „vom Gesundheitsamt angeordnet wurde“. Zur Sorge der Mieter, dass die Sanierung als Modernisierung laufe und Mieterhöhungen zur folge habe, sagt Brenner: „Das ist eine reine Instandhaltungsmaßnahme, die unabdingbar war. Es werden keinerlei Kosten auf die Mieter umgelegt.“ Bis Weihnachten seien die Arbeiten abgeschlossen. „Die Arbeiten in den Häusern 14 bis 18 starten im neuen Jahr.“

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