Auch ein Wohnmobil kann eine Studentenbude sein. Foto: z/privat

Selina Spieß lebt in einem WG-Zimmer in Stuttgart-Vaihingen, Roland Krämer in Furtwangen im Schwarzwald – und Leonie Münzer in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz in Rottweil. Wir haben mit drei Studenten über ihre Wohnsituation gesprochen.

Stuttgart - Zwischen Selina Spieß und Roland Krämer liegen 130 Kilometer. 130 Kilometer Entfernung, die den Alltag der beiden völlig unterschiedlich gestalten: Selina Spieß liebt Lesungen, Kunstausstellungen und den Schlossplatz. Roland Krämer verbringt seine freie Zeit gerne im Wald. Dort ist er von seiner WG in fünf Minuten, denn Roland Krämer studiert und lebt in Furtwangen im Schwarzwald. Selina Spieß studiert an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart – und könnte sich nicht vorstellen, länger als ein Wochenende am Stück in Furtwangen zu verbringen. Trotzdem verbindet die beiden viel: Beide studieren etwas mit Medien – er Online-Medien, sie Crossmedia-Redaktion –, beide leben in einer Vierer-Wohngemeinschaft und beide sind gerne unterwegs.

„Ich bin durch Zufall in Furtwangen gelandet“, sagt Roland Krämer (21), der aus Sindelfingen kommt. „Bei einem Praktikum in einer Videoproduktionsfirma vor dem Studium habe ich gehört, dass ein Mitarbeiter ebenfalls in Furtwangen studiert hat. Daraufhin habe ich angefangen zu recherchieren: Wo liegt Furtwangen überhaupt? Wie weit ist das weg? Was kann man dort studieren?“.

365 Euro für elf Quadratmeter

Das Ergebnis seiner Recherche überzeugte den 21-Jährigen. Mit dem Auto ist er in anderthalb Stunden in Stuttgart, wo seine Freundin lebt. „Als ich die Zusage aus Furtwangen erhielt, lief auch die Wohnungssuche sehr gut. Die erste WG, die ich besichtigt habe, hat mich überzeugt.“ Seit vier Semestern wohnt Roland Krämer nun in einer Vierer-WG in einem privaten Häuserkomplex, in dem ausschließlich Studenten leben. Für sein zwölf Quadratmeter großes Zimmer bezahlt er 315 Euro warm, plus fünf Euro für das Internet. „Für Furtwangen ist das vergleichsweise viel, die meisten bezahlen zwischen 250 und 270 Euro“, sagt er. „Dafür bin ich von meinem Bett aus in drei Minuten bei meinem Campus. Schon vor unserer Haustür bin ich im WLAN der Hochschule“, sagt er.

Selina Spieß muss 365 Euro für ihr Elf-Quadratmeter-Zimmer in Stuttgart-Vaihingen berappen. „Das ist halt Stuttgart“, sagt die 22-Jährige. Trotzdem ist dies Selina Spieß jeder Euro wert, den sie bezahlt: „Ich habe die ersten beiden Semester im Wohnheim des Studierendenwerks am Möhringer Bahnhof gewohnt. Das hat mir überhaupt nicht gefallen: Das Wohnheim ist extrem unpersönlich.“

Clubs gibt es in Furtwangen nicht

In ihrer Wohngemeinschaft fühlt sie sich wohler: „Es gibt mehr Platz und in der Küche ist fast immer jemand da zum Quatschen“, sagt Selina Spieß. Generell glaubt die 22-Jährige, dass sie Glück hatte bei der Wohnungssuche: „Man hört immer wieder von Studenten, die gar nichts finden und zu zahllosen Besichtigungen gehen müssen.“ Bevor die 22-Jährige aus der Nähe von Frankfurt nach Stuttgart gezogen ist, hatte sie keine Vorstellung von der Stadt: „Als ich das erste Mal da war, war ich positiv überrascht von dem vielen Grün.“ Lediglich feiern gehen könne man in Stuttgart nicht so gut wie in Frankfurt: „Wenn man samstags als Gruppe ausgehen möchte, ist das schier unmöglich.“

Roland Krämer würde das wohl als Luxusproblem bezeichnen: Clubs gibt es in Furtwangen keine, Bars nur vereinzelt. „In Furtwangen lernt man von Anfang an: Das Studentenleben ist das, was du daraus machst“, sagt er. Kulturelle Angebote gibt es nur vereinzelt und Partys finden vor allem in WGs oder bei Grillabenden statt. Trotzdem schätzt er als nebenberuflicher Landschaftsfotograf seinen Studienort: „Ich bin viel draußen, genieße den Wald und die Natur.“ Allerdings brauche er als Ausgleich die Wochenenden in Stuttgart: „Die Mischung ist perfekt.“ Was dem Student fehlt, ist eine gute öffentliche Anbindung: „Nach Stuttgart mit der Bahn zu kommen, ist unglaublich kompliziert“, sagt er. Er nutzt vor allem die Mitfahrgelegenheiten, die andere Studenten auf der Facebookseite der Hochschule Furtwangen anbieten. Außerdem müsse man sich als Furtwanger Student an das Wetter und den Schneefall gewöhnen: „Aber man kann das auch positiv sehen: Wir veranstalten große Schneeballschlachten und bauen Eisbars. Und ich mag es, mitten im Schwarzwald etwas mit Medien zu studieren.“

Öffentliche Anbindung in Furtwangen ist schlecht

Ein Argument für Furtwangen sei außerdem, dass die Wohnungssuche dort relativ problemlos sei: „Dort findet jeder etwas“, meint Roland Krämer. Das kann in Stuttgart nicht jeder Student so einfach behaupten. Bezahlbarer Wohnraum ist knapp und die Wartezeiten bei den Studentenwohnheimen oft lang (siehe Text unten).

Forstwirtschaftstudentin wohnt auf dem Campingplatz

Leonie Münzer (21), Forstwirtschaftstudentin in Rottenburg, hat sich gegen ein Wohnheim entschieden: Sie lebt seit fünf Semester in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz, der fünf Minuten Fußweg vom Campus der Hochschule Rottenburg entfernt liegt. „Bei meinem Vorpraktikum habe ich einen Förster kennengelernt, der in seinem Studium auf dem Campingplatz gelebt hat. Ich wusste, ich würde mich auf dem Campingplatz wohler fühlen als in einem Wohnheim.“ Und sie spart Geld: Pro Monat zahlt sie 60 Euro Pacht inklusive sämtlicher Gebühren und Wasser. Dazu kommen die Gaskosten, um den Wohnwagen zu erwärmen. Die 21-Jährige liebt ihr Zuhause: „Ich bin in der Natur, habe meine Ruhe und zugleich ist immer jemand in der Nähe.“ Nur manchmal fehle ihr das fließende Wasser: „Wenn ich duschen, abspülen oder waschen will, muss ich zum Sanitätshaus herüberlaufen.“

Von den rund zehn Menschen, die derzeit auf dem Campingplatz in Rottenburg überwintern, ist sie nicht die einzige Studentin: „Erst neulich habe ich eine neue Nachbarin bekommen, eine junge Frau aus Schweden, die auch ihr gesamtes Studium über auf dem Campingplatz leben möchte“, berichtet Münzer. Und auch in ihrem Bekanntenkreis wären viele begeistert von ihrem Zuhause: „Und diejenigen, die zunächst skeptisch sind, sind spätestens nach den Grillpartys im Sommer oder wenn wir gemeinsam im Freien lernen, überzeugt.“

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