Hinter den Räten haben bei der Sitzung Bürger in zwei Reihen die Sitzung des Gemeinderats verfolgt und viele Fragen gestellt. Foto: Malte Klein

In der Fragestunde des Gemeinderats von Steinenbronn drängen sich die Zuschauer. Sie wundern sich, dass das Gebiet Gubser II woanders hin soll und fürchten ein Verkehrschaos.

Steinenbronn - Das große Interesse an der jüngsten Gemeinderatssitzung hat Bürgermeister Johann Singer überrascht: „Wenn wir gewusst hätten, dass so viele kommen, hätten wir die Sitzung im Bürgersaal gemacht.“ So aber drängten sich 30 Zuhörer im großen Sitzungssaal des Rathauses zur Bürgerfragestunde. Den Zuhörern ging es um den im März beschlossenen Entwurf des Flächennutzungsplans (FNP) mit dem veränderten Zuschnitt des Wohngebiets Gubser II.

Nach dem ersten Entwurf hätte es sich in Nord-Süd-Richtung vom Dornröschen- bis zum Weiler Weg anschließen sollen. Nach dem neuen Entwurf beginnt das Gebiet am Schneewittchenweg, erstreckt sich dafür aber mehr nach Westen zum Weiler Weg.

Was die Bürger zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Der im März getroffene Beschluss ist Makulatur. Denn an der Abstimmung hat sich ein Gemeinderat beteiligt, der, wie das Kommunalamt des Landkreises später monierte, als befangen gilt. Darum muss der Beschluss ohne diesen im Mai wiederholt werden. Diese Neuigkeit präsentierte Singer erst später.

Der Schlittenhang soll nicht bebaut werden und die Frischluftschneise frei bleiben

In der Bürgerfragestunde wollte ein Mann wissen, warum Singer anders als Gemeinderäte gegen die Gebietsverlagerung gestimmt hat. „Wir haben uns anderthalb Jahre damit beschäftigt und der Dornröschenweg ist als weiterführende Straße ausgelegt“, sagte Singer. Als Vorteile des neuen Gebiets nannte Singer, dass so der Schlittenhang nicht bebaut wird und die Frischluftschneise bestehen bleibt.

Doch ein Bürger sieht massive Probleme bei der Erschließung des neuen Wohngebiets: „Für den Weiler Weg gibt das ein Verkehrsdesaster.“ Denn dann wird das Gebiet nur über diese Straße und den Schneewittchenweg angebunden. Singer wollte dazu nichts Konkretes sagen und verwies auf ein dafür notwendiges Verkehrsgutachten. Ein anderer Zuhörer fragte den Bürgermeister, wie er die Informationspolitik bewerte, wenn der Gemeinderat ohne Angabe von Gründen die Gebietsverlagerung von Gubser II beschließt, was vier Wochen später immer noch nicht im Amtsblatt bekannt gegeben wurde. „Das muss ich auf meine Kappe nehmen, das war nicht gut“, antwortete Singer.

Nachfragen bei den Fraktionen im Gemeinderat zeichnen ein unterschiedliches Bild, warum diese die Größe und den Zuschnitt v on Gubser II verändert haben. Für Gitta Obst, die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, sind dafür mehrere Gründe ausschlaggebend gewesen. Sie möchte sich dazu aber aus rechtlichen Gründen zu diesem Zeitpunkt nicht äußern, um den Prozess der Aufstellung des Flächennutzungsplans nicht zu gefährden. Nur so viel: „Wir haben es uns damit nicht leicht gemacht.“ Sie selbst stehe 100-prozentig hinter der Verkleinerung des Wohngebiets. „Wir müssen dem Trend zur Versiegelung nicht nahtlos folgen, sondern lieber bedarfsorientiert vorgehen.“ Wolfgang Miller (CDU), der Erste Stellvertreter des Bürgermeisters, nannte als Grund ebenso, dass Gubser II kleiner ausfallen sollte. „Im Norden des Gebiets am Dornröschenweg ist die Lage so steil, dass es dort keine attraktiven Bauplätze geben würde.“ Den mittleren Teil zu nehmen, sei ungünstig. Daher hätten sie den unteren Teil favorisiert. „Der lässt sich auch über den Weiler Weg noch anbinden.“

Einige Räte liefen Sturm gegen die erste Gebietsvariante

Barbara Winkler, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, hält mehr von dem ersten Entwurf. „Wir waren uns darüber sehr einig.“ Andere Gemeinderäte seien jedoch dagegen Sturm gelaufen. Nun hält sie es nicht für realistisch, dass es einen Weg zurück zum früheren Entwurf gibt. „Ich finde es schlimm, dass man mit den Grundstückseigentümern Gespräche geführt hat und es jetzt nicht umsetzt.“

Die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Antje Lindemeyer sieht mehrere Gründe dafür, das Gebiet zu ändern: „Wir wollten das Gebiet kleiner machen, die Frischluftschneise freihalten und auch den Schlittenberg nicht zerstören.“ Außerdem sei die Lage im Anschluss an den Dornröschenweg schwierig zu bebauen. Die Kritik der Bürger in der Sitzung könne sie zwar nachvollziehen. „Aber es gibt ja auch noch die Bürger, die den Wunsch haben, in Steinenbronn zu bauen. Da gibt es ja durchaus Bedarf“, sagte Lindemeyer.

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