Baukräne wie die am Steingauquartier prägen derzeit das Stadtbild in Kirchheim. Durch die vielen neuen Wohngebiete verändert die Stadt ihr Gesicht. Foto:  

In der rund 40 000 Einwohner zählenden Stadt Kirchheim/Teck am Fuße der Alb wird gebaut, was das Zeug hält. Insgesamt sollen rund 1200 neue Wohneinheiten geschaffen werden. Ein Überblick über die derzeit größten Baugebiete.

Kirchheim/Teck - Kirchheim gleicht derzeit einer einzigen Baustelle. An jeder Ecke stehen Baukräne, Bagger und Bauzäune. Aushübe wurden gemacht und mancherorts sind bereits die Neubauten zu sehen. Die Stadt verfolgt damit eine Offensive gegen den Mangel an Wohnraum. „Wir haben einen riesigen Bedarf. Unter anderem, weil viele Leute aus dem Umland hierher ziehen. Wir wollen diesen Bedarf so schnell wie möglich decken“, sagt die Oberbürgermeisterin, Angelika Matt-Heidecker. Es wird erwartet, dass Kirchheim bis zum Jahr 2030 einen Einwohnerzuwachs von rund zehn Prozent verzeichnet. Rund 1200 neue Wohneinheiten sollen dafür in den kommenden Jahren entstehen.

Der Rathauschefin ist dabei nicht nur wichtig, dass es schnell geht. „Ich bin stolz darauf, dass der neue Wohnraum im Innenbereich der Stadt und auf Brachflächen entsteht. Die Bewohner sollten angesichts der Mobilitätsveränderungen so viel wie möglich zu Fuß erreichen können.“ Kirchheim will mit den neuen Wohnflächen auch den Bedarf an Wohnraum im niedrigen Segment erhöhen. 15 Prozent des neu geschaffenen Wohnraums sollen dabei gefördert werden und 30 Prozent unter dem üblichen Mietpreis liegen, dafür gibt es durch das Förderprogramm Wohnungsbau BW 2017 Unterstützung vom Land.

Kirchheim sieht derzeit vor, auf rund 15 Flächen in der Stadt neu zu bauen. Ganze Stadtquartiere, wie etwa das Steingauquartier oder der Henriettengarten entstehen. Das zieht auch infrastrukturelle Folgen nach sich, so müssen zum Beispiel Zufahrtsstraßen neu gebaut werden. Das Gesicht der Kleinstadt verändert sich logischerweise stark. „Das gehört dazu, Städte entwickeln und verändern sich“, sagt Matt-Heidecker. „Es besteht theoretisch die Gefahr, dass wir zu viel bauen. Wir haben ganze Stadtgebiete in Kirchheim, in denen fast ausschließlich Senioren allein leben. Aber die Nachfrage nach Wohnraum ist jetzt da und enorm hoch und wir können nicht den Generationenwandel abwarten. In dem Maße, wie wir das angehen, hoffen wir der Sache gerecht zu werden.“ Zu den größten neuen Wohngebieten zählen das Steingauquartier, das ehemalige Güterbahnhofsgelände, das ehemalige Gelände der Firma BlessOf und das Primus-Gelände. Zudem sollen im Kirchheimer Teilort Ötlingen weitere 400 Wohneinheiten entstehen. Auch an der Schöllkopfstraße auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei und auf dem Schafhof wird neu gebaut. Ein Überblick über die größten Projekte:

Vorzeigeprojekt Steingauquartier

Das neue Stadtquartier wird derzeit auf dem rund 34 000 Quadratmeter großen Gelände eines ehemaligen Supermarkts zwischen der Kolb-, Henrietten- und Steingaustraße gebaut. Laut der Oberbürgermeisterin wurde die Fläche von der Stadt für knapp zehn Millionen Euro erworben und kostendeckend wieder verkauft. Hier entstehen rund 350 neue Wohneinheiten für bis zu 900 Personen. Das neue Viertel hat das Zeug zum Vorzeigeprojekt. Es orientiert sich am französischen Viertel in Tübingen. Das Besondere: Es gibt das Konzept der Ankernutzung. Das heißt, ein Investor darf auf dem Gelände nur ein Gebäude mit maximal elf Einheiten bauen. Interessierte können innerhalb einer Baugruppe bauen, beim Bauträger kaufen oder ein eigenes Baugrundstück erwerben. Durch die verschiedenen Baugruppen erhofft man sich eine möglichst große Vielfalt und Durchmischung der Bewohner. Zusätzlich sollen rund um einen Quartiersplatz Gewerbe, Arztpraxen und Büros angesiedelt werden. Ergänzt wird das Angebot durch soziale und frei finanzierte Mietwohnungen.

Günstig Wohnen auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände

Auf dem Gelände zwischen dem Kirchheimer Bahnhof, der Humboldtstraße, den Bahnlinien und der Schöllkopfstraße soll bis Ende 2021 ein Wohngebiet mit etwa 240 günstigeren Wohnungen entstehen. Dafür hat die Stadt die Fläche von etwa 19 000 Quadratmetern von der Bahn erworben. Hier sind Mehrfamilienhäuser vorgesehen, die in der Art von offenen Vierecken angesiedelt sind, in der Mitte soll es Innenhöfe geben. In diesem Wohnviertel sieht die Stadt genossenschaftliches, günstiges Wohnen vor. Die konkrete Bauvergabe steht allerdings noch aus. Mit dem neuen Wohnviertel in diesem Stadtgebiet wird es vor allem in Sachen Kinderbetreuung noch schwieriger. Die Stadt sieht vor, in der Gegend für einen zusätzlichen Kindergarten zu sorgen.

Freiraum im Henriettengarten

Auf dem Gelände zwischen der Steingaustraße, der Boschstraße, beziehungsweise einem dortigen Baumarkt und der Henriettenstraße entsteht bis 2021 das neue Quartier Henriettengarten. Das ehemalige Gelände der Produktionsfabrik BlessOf wurde 2015 von dem Unternehmen Fischer Wohnbau & Immobilien, einem Unternehmen der Transport- und Entsorgungsfirma Fischer aus Weilheim gekauft. Auf den rund 16 000 Quadratmetern baut Fischer nun schlüsselfertige Ein- und Mehrfamilienhäuser in ökologischer Bauweise. Insgesamt sollen hier 119 Wohneinheiten, mit Gärten, einer Zufahrtsstraße, einer Tiefgarage, mit Quartiersplätzen und einen Co-Working-Space für Bewohner entstehen. Ein weiterer, privater Investor plant laut der Stadt Kirchheim, in dem ehemaligen Gebäude der Otto-Ficker GmbH zur Stuttgarter Straße hin Wohnungen und Büros zu erstellen. Insgesamt 40 Wohnungen und Büroräume sollen hier entstehen.

Primus-Gelände verbindet   Wohn- und Gewerbeflächen

An der Dettinger Straße, auf einem ehemaligen Industriegelände, das zuletzt größtenteils brach lag, findet derzeit eine Erschließung statt, die bis zum September 2019 laut Aussagen der Stadt abgeschlossen sein sollen. Dann baut hier auf einer Fläche von rund 17 000 Quadratmetern ein privater Investor Wohnhäuser in Verbindung mit Gewerbeflächen. Angedacht sind etwa Läden und andere Gewerbe in den Erdgeschossen, in den Obergeschossen der Mehrfamilienhäuser zur Dettinger Straße hin sollen Wohnungen entstehen. Im hinteren Teil dieses Baugebiets, Richtung Bahngleise, sollen Reihenhäuser gebaut werden. Insgesamt sieht die Planung hier 150 neue Wohneinheiten vor.

Ötlingen soll mit Neubaugebiet Berg-Ost wachsen

Das an geplanten Wohneinheiten größte Neubaugebiet in Kirchheim soll im Teilort Ötlingen entstehen. Hier ist bislang jedoch nur die Vision konkret. Auf ehemaligen Ackerflächen zwischen der Straße Auf dem Berg und der Lindorfer Straße plant die Stadt ein Quartier mit bis zu 400 neuen Wohneinheiten. Die Idee vom durchmischten Wohnungen soll hier umgesetzt werden, dafür sollen Ein – und Mehrfamilienhäuser entstehen. Die Planungen dazu stehen jedoch laut der Stadt erst ganz am Anfang, frühestens bis 2025 rechnet man hier mit einem Beginn der Arbeiten.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: