Die Familie Demircioglu, hier mit Sohn Kerim, hat sich mit dem preisgekrönten Wohnhaus einen Lebenstraum erfüllt. Foto: Roberto Bulgrin

Die Familie Demircioglu hat sich mit ihrem ausgezeichneten Haus einen Traum erfüllt. Nachhaltiges Bauen und anspruchsvolle Architektur sind ihnen wichtig.

Der massive Holztisch im Wohnzimmer der Familie Demircioglu fällt aus dem Rahmen. Das Möbelstück bildet einen spannenden Kontrast zur hellen, großzügig geöffneten und modernen Architektur ihres Hauses. Der Tisch sei ein Erinnerungsstück an die Familie in der Türkei, verrät Berna Demircioglu. Ihr Wohnhaus im Esslinger Stadtteil Berkheim ist beim Wettbewerb Beispielhaftes Bauen im Landkreis Esslingen 2025 ausgezeichnet worden.

 

Mit dem Einfamilienhaus hat sich die Familie im Jahr 2023 einen Traum erfüllt. „Es ging uns darum, auch selbst beim Bauen nachhaltig und zukunftsorientiert zu planen“, sagt Ahmet Demircioglu. Dass die Architektenkammer Baden-Württemberg das Gebäude ausgezeichnet hat, ist für die Familie ein schöner Erfolg. Als Innovationsmanager hatte der promovierte Soziologe beim Bau umweltfreundliche Energien im Blick: „Ein minimierter Heizbedarf war uns wichtig.“

 

Außergewöhnliche Architektur in Esslingen

Klimafreundliche Konzepte beginnen für ihn schon beim Bauen. Das Haupttragwerk des Hauses besteht aus einer Massivbaukonstruktion aus Stahlbeton. Porenbetonsteine und eine hochwärmegedämmte, vorgehängte Holzlamellenkonstruktion verleihen dem monolithischen Bau einen besonderen Charakter. Die geneigte Fläche des Pultdachs ist als Sparrendach konstruiert.

Der reduzierte Heizbedarf wird durch Fernwärme vom städtischen Wärmenetz geliefert. Das Gebäude ist nach Ahmet Demircioglus Worten „komplett ohne fossile Brennstoffe zukunftsweisend konzipiert“. Diese Autonomie war dem Zukunftsforscher wichtig. Da denkt er für künftige Generationen. Ressourcen zu schonen, das ist für ihn eine wichtige Zukunftsaufgabe. Mit seinem eigenen Wohnhaus will er da „Vorbild sein“.

Das Wohnhaus hebt sich von den anderen Häusern im Wohngebiet ab. Foto: Roberto Bulgrin

Helle Räume, Wintergarten und eine Bibliothek

Mit den warmen, grauen Holzlamellen hebt sich der Monolith im Berkheimer Neubaugebiet zwar von den Nachbarhäusern ab. Dennoch fügt sich der Bau harmonisch ins Stadtbild ein. Dass sich die Familie im Haus wohlfühlt, spürt man schnell. Der helle, hohe Wintergarten ist dem Gebäude vorgelagert. Je nach Tageszeit durchflutet das Licht die Räume. Die Familie hat einen Baum und Büsche im Garten als Sicht- und Hitzeschutz gepflanzt. Im Freien fühlt sich auch die Familienkatze wohl, die durch den Garten stromert. An heißen Tagen räkelt sich das Tier gern im Haus.

„Ressourcen zu schonen, das ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Da wollen wir mit unserem Wohnhaus Vorbild sein.“

Ahmet Demircioglu, Hausbesitzer

Die hohen, hellen Räume bieten Platz für die beeindruckende Bibliothek. Der Soziologe und die Betriebswirtin sind sehr belesen. Jedes Buch erzählt ein Stück ihrer Lebensgeschichte. Architektur, Kunst und politische Themen interessieren das Ehepaar. Ihre Offenheit für Neues zeigt sich auch darin, wie sie ihr Haus planten. „Wir hatten viele Ideen, wie es aussehen könnte“, erinnert sich Ahmet Demircioglu.

Architekten erschaffen in Esslingen etwas Einzigartiges

Da Architekten zu finden, mit denen die Chemie von Anfang an stimmte, war für sie ein Glücksfall. Harald Baumann, Camilo Hernandez und Nataly Granados hätten es geschafft, innerhalb eines sehr eng gefassten Bebauungsplans etwas Einzigartiges zu kreieren, schrieb Ahmet Demircioglu nach der Preisverleihung des Beispielhaften Bauens auf seinem Instagram-Account: „Am Ende ist vielmehr ein Kunstwerk entstanden als ein Haus.“ Dass die Architekten da großartig mit der Stadt verhandelt hätten, lobt der Bauherr.

In der Küche bereitet Berna Demircioglu das Essen zu. Foto: Roberto Bulgrin

Das Konzept trage die Handschrift seiner Frau Berna. Dass die Managerin und Betriebswirtin ein Händchen für Ästhetik hat, spürt man schnell. Sie sei dankbar, dass die Architekten im direkten Kontakt mit der Stadt Esslingen so vieles möglich gemacht hätten. Für die zweifache Mutter war es wichtig, dass sich die Familie und ihre Gäste im Haus wohlfühlen. In der großen, offenen Küche bereitet sie das Essen zu. Derweil steht der Besuch um den Arbeitstisch. Da lässt sich plaudern. Gäste sind der weltoffenen Familie sehr willkommen. Mit Hummus, Schokoladenkuchen, Früchten und anderen Köstlichkeiten bewirtet Berna Demircioglu den Besuch. Auf Tellern und Platten richtet sie alles kunstvoll an. Die Gastgeberin beweist auch hier ihren Blick für das Schöne.

Glasfronten als zentrales Gestaltungselement schaffen offene Räume. Überall gibt es Sichtbeziehungen. Von der Küche öffnet sich der Blick in den Wohn- und in den Essbereich. Ein Zugang führt auf die Terrasse. „Die spielerisch angeordneten Fensteröffnungen ergeben sich aus der Raumnutzung“, schrieben die Juroren des Wettbewerbs Beispielhaftes Bauen 2025 in ihrer Begründung. Ziel war es nach deren Worten, „auf einer kompakten Fläche großzügige und offene Raumsituationen zu schaffen“.

Spagat zwischen anspruchsvoller Architektur und Wohlfühl-Zuhause

Den Spagat zwischen dem architektonisch anspruchsvollen Gebäude und einem Haus, in dem sich die vierköpfige Familie wohlfühlt, haben die Demircioglus gemeistert. Das zeigt sich auch in den Zimmern der Söhne, die mit Hochbetten und den Schreibtischen Raum auf zwei Ebenen bieten. Zwischen den Betten gibt es einen Durchgang. „Da können sich die zwei schnell mal besuchen“, sagt Berna Demircioglu. Wenn es mal Streit gibt oder jeder Zeit für sich braucht, lässt sich der Durchgang schließen.

„Wir fühlen uns hier wirklich wohl“, sagt Berna Demircioglu. Ihr Mann freut sich, „dass wir beim Planen viele zukunftsweisende Konzepte umsetzen konnten“. Da hat sich der Innovationsmanager von seinem Netzwerk inspirieren lassen. Er möchte mit seinem Wohnhaus anderen Mut und auch Lust machen, auf Nachhaltigkeit zu setzen.

Der Wettbewerb Beispielhaftes Bauen

Auszeichnung
Um das Bewusstsein für die Baukultur im Alltag zu schärfen, lobt die Architektenkammer Baden-Württemberg seit Jahren die Auszeichnung Beispielhaftes Bauen aus. „Ziel ist es, beispielhafte Architektur im konkreten Lebenszusammenhang aufzuspüren und Innen- und Landschaftsarchitekten, Architekten, Stadtplaner und Bauherrschaften für ihr Engagement auszuzeichnen.

Preisträger 2025
Aus 96 Einsendungen prämierte eine Fachjury 22 Gebäude aus dem Kreis Esslingen, darunter innovative Holzbauweisen und gelungene Nachverdichtungen. In anderen Landkreisen findet der Wettbewerb ebenfalls statt. Weitere Informationen auf der Homepage der Architektenkammer: www.akbw.de