Das Berberdorf unterhalb der Esslinger Vogelsangbrücke bietet Obdachlosen Unterkunft. Foto: / Horst Rudel/Archiv

Obwohl Esslingen mehr Belegungsrechte für Wohnungen erwirbt, öffnet sich die Schere zwischen Angebot und Nachfrage weiter. Wie soll das weitergehen?

Esslingen - Es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen. Zwar unternimmt die Stadt auf der Grundlage des Wohnraumversorgungskonzepts zahlreiche Anstrengungen und investiert viel Geld, um die Zahl der Wohnungen, für die sie ein Belegungsrecht hat, zu steigern. In der Tat kann Marius Osswald, der Leiter des Amts für Soziales, Integration und Sport, dabei erste Erfolge vermelden.

So wird die Anzahl der städtischen Belegungsrechte von aktuell 1052 bis zum Jahr 2023 auf mindestens rund 1200 steigen. Sollte auch das Projekt in der Alleenstraße bis dahin verwirklicht werden, kommen sogar noch einmal 70 Wohnungen dazu. Doch dieses beachtliche Plus von immerhin 15 Prozent in vier Jahren verliert deutlich an Glanz, wenn man ihm die Entwicklung der Zahlen in der vom Sozialamt geführten Notfallkartei, also die Liste jener Menschen, die im Besitz eines gültigen Wohnberechtigungsscheins sind, gegenüber stellt.

Zuwachs in der Datei um 25 Prozent

Von Januar bis September ist die Zahl der Menschen, die ihre letzte Hoffnung auf bezahlbaren Wohnraum in der Notfallkartei suchen, von 551 auf 686 gestiegen. Das ist in nur neun Monaten ein Zuwachs um 24,5 Prozent. Das bedeutet, dass sich trotz aller Anstrengungen, die auch im neu geschaffenen Sachgebiet „Sozialer Wohnraum“ ihren Ausdruck finden, zumindest im Bereich der Notfallkartei die Schere zwischen Wohnraumangebot und Nachfrage weiter auseinandergeht.

Im Sachgebiet „Sozialer Wohnraum“ zusammengefasst sind neben der Notfallkartei die Obdachlosenbehörde sowie die Leitstelle Wohnen und Wohnraummanagement. Die Mitarbeiter betreuen also neben der Notfallkartei auch Obdachlose, Geflüchtete in der Anschlussunterbringung sowie Menschen, die als Mieter in städtischen Wohnungen betreut werden.

Zwischen Obdachlosigkeit und Belegungsrecht

Bei der letztgenannten Gruppe handelt es sich um einen Personenkreis, der aufgrund oft vielfacher sozialer Probleme keine Chance hat, auf dem ersten Wohnungsmarkt einen Wohnraum zu finden. Die Wohnungen, die sich überwiegend im Besitz des Eigenbetriebs Städtische Gebäude Esslingen befinden, stellen eine Zwischenform zwischen einer Obdachlosenunterkunft und Wohnungen mit städtischem Belegungsrecht dar.

Anders als bei der Notfallkartei gibt es hier ebenso wie im Bereich der Obdachlosigkeit und bei der Anschlussunterbringung von Geflüchteten aktuell keine Engpässe. Nachfrage und Angebot seien nahezu ausgeglichen, sagt Osswald. Er betont aber, dass etwa im Bereich der Obdachlosenunterbringung ein größeres Angebot zwangsläufig eine größere Nachfrage auslöse, weil sich diese Angebote schnell herumsprächen. Entspannt habe sich aktuell die Situation in der Anschlussunterbringung: Die Stadt sei in der Lage, die ihr zugewiesenen Flüchtlinge aufzunehmen.

Flüchtlingssituation kann sich schnell ändern

Allerdings, da waren sich bei der Vorstellung des Papiers im Sozialausschuss Stadträte und die Verwaltung einig, sei dies nur eine Momentaufnahme. Wer die Weltentwicklung beobachte, müsse damit rechnen, dass sich die Flüchtlingssituation sehr schnell wieder verändern könne.

Besondere Anstrengungen müsse man aber zunächst unternehmen, um mehr Wohnraum für die Notfallkartei zu gewinnen. Dazu will die Stadt in den kommenden Wochen eine große Werbe- und Informationskampagne starten, um letzte Wohnraumreserven in der Stadt zu heben.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: