Noch wird auf dem Kunstrasen beim TSV Mühlhausen Fußball gespielt. Wenn es nach den Grünen geht, könnten dort bald Wohnungen entstehen. Foto: Pressefoto Baumann

Auf einem Teil des Kunstrasenplatzes des TSV Mühlhausen könnten eventuell Wohnungen gebaut werden. Ein entsprechender Antrag der Grünen liegt der Verwaltung vor.

Stuttgart-Mühlhausen - Angesichts der Knappheit von bezahlbarem Wohnraum werden alte Ideen wie die Bebauung des Areals „Beim Schafhaus“ neu aufgefrischt. Und darüber kommen auch mehr oder weniger neue Ideen auf den Tisch – aktuell auf dem Wege eines Antrags der Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Dabei handelt es sich um einen Antrag, mit dem eine ganze Reihe von Vorschlägen auf die Tagesordnung gehievt wird. Am überraschendsten ist dabei der Antrag an die Verwaltung, zu prüfen, „ob Wohnungsbau auf dem Sportplatz des TSV Mühlhausen möglich ist“.

Nur teilweise überrascht ist allerdings Daniel Schmelzriedt. Er ist Mitglied des TSV-Vorstandes und Leiter der Fußballabteilung: „Das ist witzig, dass das jetzt von dieser Seite kommt“, sagt er auf Nachfrage und ergänzt: „Ich habe das Thema vor einiger Zeit mal hier vor Ort im Gespräch mit Bezirksvorsteher Rolf Bohlmann aufgebracht. Mehr war dazu aber noch nicht.“ Die Idee sei gewesen, den Kunstrasenplatz für Wohnbau abzugeben und auf dem Rasenplatz zwei Kunstrasenfelder zu machen. Spontan verwirft Schmelzriedt nun den Vorschlag aber: „Was ich da als Verein weggebe, das kriege ich nicht wieder.“ Auf der anderen Seite stehe nämlich dann die Knappheit an Trainingsfläche, wenn in der Winterzeit der Rasenplatz nicht genutzt werden kann: „Da ist es fast unmöglich, allein schon für unsere 80 Jugendlichen ein reguläres Training zu machen“. Zwei Kunstrasenplätze zu haben, „das könnte eventuell hinkommen“, meint er nun, betont aber: „Wir müssen das jetzt im Vorstand gründlich diskutieren.“

Die Nachverdichtung ist das Ziel der Grünen

Die Grünen wollen dem Verein den Vorschlag so schmackhaft machen: „Das könnte eine Win-win-Situation für den TSV Mühlhausen wie für die Stadt sein. Der Sportverein bekäme außer der Reihe – weil möglicherweise über den Planungsgewinn finanzierbar – zwei neue Kunstrasenplätze, und die Stadt könnte attraktive Wohnungen direkt an der Haltestelle der U7 schaffen“, heißt es in dem Antrag. Möglicherweise könnte dabei auch die alte Idee aufgegriffen werden, den vorgelagerten Parkplatz teilweise für ein Park-and-ride-System zu nutzen. Oberstes Ziel ist laut Antrag freilich die Nachverdichtung in Mühlhausen selbst. So wird die Verwaltung aufgefordert, mit dem Eigentümer des Gebäudes an der Aldinger Straße, in der aktuell der Tierfutterhändler Fessnapf untergebracht ist, Gespräche aufzunehmen. „Das Gebäude ist in die Jahre gekommen. Dem Vernehmen nach ließe der Eigentümer mit sich über eine Weiterentwicklung oder über einen Verkauf der Fläche reden. Erste Überlegungen zum Neubau einer Ladenfläche samt Wohnraum wurden im Bezirk bereits angestellt, sind aber inzwischen auf Eis gelegt worden.“ Auch hier soll das Ziel, den Ortseingang städtebaulich ansprechender zu gestalten, mit verfolgt werden.

In den Blick genommen werden soll aber auch „das derzeit etwas vernachlässigte Industriegebiet am Neckarufer“. Dabei soll geprüft werden, ob hier „mit einer zeitgemäßen Neugestaltung Einkaufszentren mit Wohnbebauung kombiniert werden können“. Außerdem wird angeregt, den Parkplatz Ecke Kormoranstraße/Pelikan­straße in Neugereut zu bebauen. Hier habe bereits eine „Wohnbaugesellschaft Interesse bekundet, darauf Wohnungen zu errichten“.

Was passiert mit dem Gewann Beim Schafhaus?

Voll entbrannt ist auch die Debatte über eine eventuelle Bebauung des Gewanns Beim Schafhaus am Weidenbrunnen. Dabei handelt es sich um Pläne, die schon weit fortgeschritten waren, im Jahr 2009 aber ad acta gelegt worden sind. Jüngst hatte die CDU-Fraktion des Gemeinderates eine Neuauflage der Planungen für 250 Wohnungen beantragt. Dagegen hatte der BUND protestiert. Unter anderem, weil so „durch die Hintertür ein kleiner Nord-Ost-Ring“ als Umfahrung des Stadtbezirks befürchtet wird.

Im aktuellen Antrag stellen sich auch Bündnis 90/Die Grünen gegen das Ansinnen: „Wir halten nichts von der Wiedererweckung dieser ehemaligen Wunsch-Baufläche. Stattdessen schlagen wir die Umnutzung von Flächen und eine verträgliche Nachverdichtung im Stadtbezirk vor.“ So betont der Fraktionsvorsitzende Andreas G. Winter: „Damit dringend benötigter weiterer Wohnraum geschaffen werden kann, muss die Verwaltung ihre Handlungsmöglichkeiten zur Aktivierung von Bauflächen im Bestand ausschöpfen.“

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