Das Interesse an der Bürgerveranstaltung war groß. Foto: Privat

Im Göppinger Wohngebiet am Waldeck schwelt ein Konflikt um einen geplanten Neubau: Gut besucht war jetzt eine Bürgerveranstaltung in der Kopernikusstraße.

Auf großes Interesse ist eine Bürgerveranstaltung im Waldeck gestoßen: 85 Personen kamen in die Kopernikusstraße, um sich über ein umstrittenes Bauvorhaben und die damit verbundenen Sorgen und Bedenken der Anliegerinnen und Anlieger zu informieren. Auch sechs Stadträte aus vier unterschiedlichen Fraktionen waren vor Ort. Die Diskussion sei sachlich und konstruktiv verlaufen, teilte Alexander Heim von der Interessengemeinschaft der Anlieger am Wochenende mit. Im Mittelpunkt habe erneut das Ziel einer verträglichen Bebauung und einer Entwicklung gestanden, „die sich in das bestehende Umfeld einfügt und die Interessen der Anwohner berücksichtigt“. ​

 

Konkret geht es um zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt zwölf Wohnungen, die in der Kopernikusstraße im Gebiet Waldeck zwischen der Göppinger Innenstadt und Jebenhausen geplant sind. Dort liegen nebeneinander zwei über Jahrzehnte unbebaute Grundstücke. Die Gebäude sind mit zwei Vollgeschossen und einem zurückversetzten Dachgeschoss geplant.​

Alexander Heim hatte bereits vergangene Woche für die Nachbarschaft betont, dass man gar nicht gegen die Schließung von Baulücken und das Schaffen von günstigem Wohnraum sei.

Anwohner befürchten mehr Verkehr

Die Anliegerinnen und Anlieger befürworteten aber auch den Erhalt der bisherigen Quartierstruktur. „Das beantragte Bauvorhaben ist an dieser Stelle völlig überdimensioniert und bringt erhebliche Probleme mit sich“, heißt es in einem Flyer der Bürgerinitiative. Das geplante Bauprojekt mit Tiefgarage „sprengt die gewachsene Struktur unseres Viertels erheblich.“ Die Anwohner befürchten mehr Verkehr und Lärm. Schon jetzt sei die Parksituation angespannt, die Zufahrt von der Keplerstraße eng und gefährlich.​

Am Freitag hatte sich in dem Konflikt die Göppinger Stadtverwaltung zu Wort gemeldet: Der Bauherr habe im Gemeinderatsausschuss für Umwelt und Verkehr Anfang März in einer nicht-öffentlichen Sitzung das Projekt vorgestellt. „Anschließend erfolgten zustimmende Stellungnahmen der Mitglieder des Gemeinderats, da sich auch aus Sicht der Verwaltung die Gebäude in die Umgebungsbebauung einfügen“, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung aus dem Rathaus.

Stadt: Bebauung im Sinne der Innenentwicklung sinnvoll

Es handle sich hierbei nicht im klassischen Sinne um eine Baulücke, da der Bebauungsplan kein Baufenster für die beiden Grundstücke darstelle.

Dennoch sei eine Bebauung im Sinne der Innenentwicklung sinnvoll: Die Nutzung von erschlossenen Flächen im Stadtgebiet für den Ausbau, die Aufstockung, den Neubau von Wohnflächen sei „der wichtigste Baustein der Innenentwicklung (vor der Außenentwicklung), um der angespannten Wohnraumsituation gerecht zu werden“, betont die Stadtverwaltung. Nachdem nun das neue Baugesetzbuch in Kraft getreten sei, könnten die Gebäude über den „Bauturbo“ genehmigt werden.

„Eine bürokratisch aufwendige Bebauungsplanänderung, wie sie noch vor einem Jahr vorgeschlagen wurde, ist nicht mehr erforderlich. Dadurch geht ein deutliches Signal in Richtung Wohnungswirtschaft, dass man in Göppingen in den Wohnungsbau investieren kann“, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Beteiligung der Öffentlichkeit solle aber nicht zu kurz kommen: „Der Projektsteuerer, eine in Göppingen ansässige Immobilienabteilung eines lokal verankerten Kreditinstituts, will mit seinem Angebot an Wohnungen in erster Linie die Bevölkerung aus dem Wohnquartier im Bergfeld ansprechen, die sich in einem Haus lebend verkleinern will oder derzeit in Miete wohnt.“

Der Projektsteuerer habe vorgesehen, im Verlauf des Sommers das Projekt der Öffentlichkeit vorzustellen, um anschließend den Bauantrag einzureichen. Geplant sei, eine Bauherrengemeinschaft zu gründen, die das Projekt dann gemeinsam realisiere. Derzeit sei geplant, die Unterlagen im Rahmen einer städtischen Veranstaltung ein zweites Mal der Öffentlichkeit vorzustellen, um dann die Zustimmung des Gemeinderats in öffentlicher Sitzung einzuholen.​

Die Anwohner signalisieren „Offenheit für weitere Gespräche und einen konstruktiven Austausch“. Auch die Stadtverwaltung bekundet ein „hohes Interesse daran, die Öffentlichkeit umfassend über das Projekt zu informieren“.