Das von Wohnbau Layher 2022 aufgestellte, umstrittene Schild wurde mittlerweile wieder abgebaut. Foto: Gottfried Stoppel

Die Stadt Fellbach und Wohnbau Layher haben ihren jahrelangen Clinch offenkundig beigelegt. Auf einem lange brachliegenden Areal in Citynähe entsteht das Wohnprojekt Bruckäcker.

Wo liegen die Bruckäcker? Bei einer Straßenumfrage in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) würden vermutlich 95 von 100 Angesprochenen sagen: „Keine Ahnung!“ Nun, der Name mag bisher noch nicht geläufig sein, das Areal kennen allerdings die meisten: Es ist eine mit Wiese und Sträuchern bedeckte Freifläche im Osten der Kernstadt, die seit vielen Jahren zu einem Wohngebiet entwickelt werden soll, ohne das man dem Ziel näher gekommen wäre. Doch nun erscheint sehr helles Licht am Ende des Tunnels.

 

Die Vorgeschichte liegt schon einige Zeit zurück. Das 0,74 Hektar umfassende Grundstück befindet sich zwischen der Schorndorfer Straße im Norden und der Bruckstraße (daher der Name) im Süden. 2011 gab der einstige Gärtnereibetrieb Langjahr dort auf. 2013 erwarb dann die Firma Wohnbau Layher GmbH & Co KG mit Sitz in Besigheim (Kreis Ludwigsburg) das Fellbacher Gelände.

„Mir ist die Kinnlade runtergefallen“

Doch die erhoffte zügige Bebauung ließ auf sich warten. Es gab Unstimmigkeiten über die städtebauliche Dichte und Gebäudehöhen, die Verhandlungen mit der Stadt kamen nicht voran, von 2016 bis 2019 gab es überhaupt keine Gespräche mehr.

Das Ganze gipfelte schließlich Ende Oktober 2022 darin, dass Layher auf dem Grundstück mehrere Aufsteller platzierte mit der Überschrift „Wohnungsnot“ und den Ergänzungen: „100 Wohnungen für Fellbach! Seit 10 Jahren warten wir auf die Baugenehmigung.“ Die Stadt sah sich dadurch zu Unrecht an den Pranger gestellt und empfand die Behauptung auf dem Schild als grobes Foul. „Offen gestanden ist mir die Kinnlade runtergefallen“, erklärte die Baubürgermeisterin Beatrice Soltys seinerzeit auf Nachfrage unserer Redaktion.

OB Zull: Das Schild muss weg, sonst gibt’s keine Gespräche

Im März 2024 sicherte die Stadt im Gemeinderat einerseits weiterhin Gesprächsbereitschaft zu. Allerdings, so die unmissverständliche Aufforderung der Oberbürgermeisterin Gabriele Zull an Layher: Die Schilder müssten umgehend entfernt werden, bevor man sich weiter verständigen könne.

Einige Wochen später waren die Aufsteller tatsächlich weg – und in den Folgemonaten haben sich die Kontrahenten dermaßen angenähert, dass fürs ins Sichtweite des Fellbacher Schwabenlandtowers gelegene Wohnprojekt Bruckäcker tatsächlich in absehbarer Zeit die Bagger anrücken könnten.

Die Bruckäcker: So sieht’s auf dem künftigen Wohngebiet unweit des Fellbacher Schwabenlandtowers derzeit aus. Foto: Dirk Herrmann

So präsentierten Soltys und Inga Lischek vom Stadtplanungsamt in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Klimaschutz und Mobilität den Entwurf eines sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplans, damit aus der Vision baldmöglichst Realität wird.

„Das Grundstück liegt seit etwa zwölf Jahren brach und bietet aufgrund seiner Lage im Innenbereich Potenzial für eine städtebauliche Nachverdichtung“, heißt es in den schriftlichen Erläuterungen. Als Grundlage dient ein für die Eigentümerin Wohnbau Layher entworfenes Konzept des Architektenbüros ARP mit Sitz in Stuttgart.

Nach Lischeks Angaben sind insgesamt 115 Wohneinheiten vorgesehen – verschiedene Wohnungstypen mit einem Schwerpunkt auf Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen für Familien. Mindestens zehn Wohnungen sollen barrierearm gestaltet sein, „um den Bedürfnissen älterer Menschen Rechnung zu tragen“.

Für die Autos der Bewohner stehen in der Gemeinschaftsgarage 183 Stellplätze zur Verfügung, die Zufahrt erfolgt ausschließlich über die Bruckstraße. Im Einfahrtsbereich der Tiefgarage sind acht Besucherstellplätze geplant. Damit kommt man auf einen Stellplatzschlüssel von rund 1,5 Pkw-Stellplätzen pro Wohneinheit.

Das neue Wohnquartier besteht entsprechend der Entwürfe aus vier- bis fünfgeschossigen Baukörpern, es gliedert sich in einen nördlichen und einen südlichen Bereich. Eine „Grüne Mitte“ bildet das zentrale Freiraumelement des neuen Quartiers. An der Bruckstraße markiert ein viergeschossiges Torhaus mit Staffelgeschoss den Eingang ins Quartier. Eine neue Wegeverbindung in Ost-West-Richtung soll das Wohnareal Bruckäcker mit dem bestehenden Hölderlin-Carrée im Westen verknüpfen.

In der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses – der Gemeinderat, also das Gesamtgremium, beschäftigt sich an diesem Dienstag, 25. November, um 17 Uhr im großen Saal des Rathauses ebenfalls mit den Bruckäckern – jedenfalls war von den offenkundigen Animositäten der vergangenen Jahre rein gar nichts mehr zu hören. Die wechselseitigen Vorwürfe wurden nicht mal mehr erwähnt.

Mittlerweile bestes Arbeitsklima

„Was lange währt, wird endlich gut“, sagte Soltys gleich zu Beginn und betonte später: „Wir sind relativ weit in den Abstimmungsgesprächen; Layher will loslegen.“ Auch zwei Layher-Vertreter, die in der Sitzung Fragen beantworteten, lobten das gute Arbeitsklima. So sieht’s auch die Baudezernentin: „Es waren gute Gespräche, es läuft fachlich und menschlich sehr gut.“

Fazit: Die einstigen Kontrahenten haben sich zusammengerauft, mit den Bruckäckern ist alles in Butter – Fellbachs nächstes Wohnquartier ist offenkundig nicht mehr aufzuhalten.