Früher Realschul-Standort, jetzt Wohnbau-Schwerpunkt: Der Projektentwickler Instone Real Estate hat sich das Schulgelände auf der Grunbacher Höhe gesichert – und drückt aufs Tempo.
Wohnungen statt Klassenzimmer: Fast zehn Jahre nach dem Unterrichtsbeginn in der Realschule Remshalden (Rems-Murr-Kreis) im Teilort Geradstetten gibt es auf dem ehemaligen Standort der Bildungseinrichtung im Teilort Grunbach endlich Bewegung. Der deutschlandweit tätige Wohnentwickler Instone Real Estate hat der Kommune die lange vor sich hin dämmernde Brache abgekauft und will auf dem knapp 9200 Quadratmeter großen Gelände einen Appartement-Komplex mit bis zu 110 Wohneinheiten bauen.
Gedacht ist im Entwurf des Stuttgarter Büros a+r Architekten für den vor Ort als Grunbacher Höhe bekannten Standort allerdings nicht an einen zentralen Wohnblock mit Hochhaus-Charakter, sondern an insgesamt acht Flachdach-Bauten mit bis zu vier Stockwerken. Sie sind in einem ersten Modell mit großzügig gestalteten Balkonflächen ausgestattet und gruppieren sich um grüne Aufenthaltsbereiche.
Die Nähe zur S-Bahn gilt als großes Plus des Wohnprojekts
Im Erdgeschoss eines der acht Baukörper soll eine Kindertagesstätte eingerichtet werden. Vorgesehen sind für das Projekt eine energieeffiziente Massivbauweise, der Einsatz CO2-reduzierten Betons und moderne Wärmepumpentechnik. Ein Plus des Standorts entlang der Goethestraße ist die Nähe zur S-Bahn. Die Station Grunbach ist in Fußweite in zehn Minuten erreichbar.
„Wir freuen uns, hier ein städtebaulich durchdachtes Quartier zu entwickeln, das Wohnangebote für verschiedene Lebenssituationen schafft – von der familiengerechten Einheit mit Kinderzimmern bis zur kompakten Wohnung für Singles oder Senioren“, sagt Bianca Reinhardt Weith. Die Geschäftsführerin der in Stuttgart ansässigen Instone Real Estate Development will bei der Realisierung aufs Tempo drücken. „Geschwindigkeit ist uns bei diesem Projekt sehr wichtig“, betont sie bei einem Pressegespräch zum Kauf des Standorts.
Idealerweise, so die Hoffnung der Instone-Managerin, können bereits im Jahr 2029 die ersten Menschen in die neu erbauten Wohnungen auf der Grunbacher Höhe einziehen. Ob dieser Zeitplan realistisch oder zu ambitioniert ist, wird sich zeigen müssen. Bevor die Bagger anrollen können, braucht es für das unmittelbar neben dem IHK-Bildungshaus liegende Grundstück nicht nur eine Baugenehmigung. Remshalden muss in den kommenden Monaten auch noch das erst im Dezember gestartete Bebauungsplanverfahren unter Dach und Fach bringen.
Bis die Fragen zu Erschließung, Verkehr, Entwässerung, Lärm und Artenschutz geklärt sind, dürften Monate ins Land ziehen – ein Baustart vor Ende 2027 scheint deshalb nicht in Reichweite. Die Appartements übrigens will Instone als Eigentumswohnungen an die Kundschaft bringen. Über einen angepeilten Quadratmeterpreis gibt es bei dem Projektentwickler noch keine Schätzungen.
Konkreter sind die Aussagen zur Parksituation: Unter den Baukörpern werden zwei Tiefgaragen mit insgesamt 104 Stellplätzen entstehen, zusammen mit den Parkplätzen im Umfeld liegt das Projekt deshalb sogar leicht über dem gesetzlich geforderten Stellplatzschlüssel. Ergänzend sind Mobilitätsangebote wie Car-Sharing und fahrradfreundliche Lösungen vorgesehen, die Nähe zur S-Bahn soll den Verkehrsdruck ebenfalls entspannen.
„Mobilität ist der Schlüssel, wenn Remshalden bis 2025 zu einer klimaneutralen Kommune werden will“, sagt Bürgermeister Reinhard Molt. Der Rathauschef lobt, dass der Projektentwickler auch beim Anteil des geförderten Wohnraums mit 30 Prozent über das geforderte Mindestmaß hinausgeht und dass in der Region beim Wohnungsbau durch das Vorhaben überhaupt etwas passiert.
„Die Branche ist in den Knien, sehr viele Projekte sind aktuell nur auf Stand-by-Modus“, betont Molt. Remshaldens Bürgermeister kann sich vorstellen, dass das Wohnprojekt auf der Grunbacher Höhe bei erfolgreicher Vermarktung in einigen Jahren auch erweitert wird – wenn die durch den Realschul-Umzug nicht mehr wirklich für den Schulsport genutzte EHR-Sporthalle dereinst an einen neuen Standort verlegt und für den daneben liegenden Bolzplatz ein neuer Platz gefunden ist.
Laut Architekt Alexander Lange wäre es kein Problem, den aktuellen Entwurf mit den acht Punkt-Häusern auf die Fläche jenseits der Goethestraße zu spiegeln – mit einem Wohnangebot für noch einmal bis zu 250 Menschen. Die Realschule Remshalden war vor knapp zehn Jahren an einen neuen Standort in Geradstetten verlegt worden, im Oktober 2017 feierte die Bildungseinrichtung in neuen Räumen ihre Wiedereröffnung.
Bürgermeister Molt: „Für ein Hundeklo haben wir den Platz nicht freigeräumt“
Mit dem Wechsel verschwand auch der wegen der Rolle des Flugzeugbauers in der NS-Zeit umstrittene Name Ernst-Heinkel-Realschule. Das nicht länger benötigte Schulgebäude auf der Grunbacher Höhe wurde entkernt und abgerissen. An einer neuen Nutzung des Areals ist die Kommune seit Jahren interessiert. „Für ein großes Hundeklo haben wir den Platz nicht freigeräumt“, sagt Bürgermeister Reinhard Molt.