Die Sanierung der Wohnanlage Fasanenhof verzögert sich: Erst im März 2024 sollen die Bauarbeiten in dem einst als Modellprojekt für Menschen mit Behinderung prämierten Gebäude Laubenweg 1 beginnen. Manche Bewohner sind bereits ausgezogen, andere finden undichte Wasserleitungen und kaputte Aufzüge mittlerweile unerträglich.
Die Probleme mit den Aufzügen im achtstöckigen Haus, von denen Johann Kreiter erzählt, mögen für manche Leute nur lästig klingen: „Der eine Aufzug funktioniert seit vier Wochen nicht mehr, der zweite Aufzug ist in den letzten drei Wochen schon viermal ausgefallen.“ Dadurch, dass der 74-jährige Rentner sein Apartment in der Wohnanlage Fasanenhof nur im Rollstuhl verlassen kann, ist das Problem jedoch nicht nur lästig, sondern schwer erträglich. Am Tag seines Anrufs bei unserer Zeitung habe er es zwar mit einem gerade mal wieder funktionsfähigen Aufzug zum Supermarkt geschafft, bei seiner Rückkehr zum Haus Laubenweg 1 habe jedoch kein Fahrstuhl mehr funktioniert. Johann Kreiter, der mit seinem Rollstuhl mehr als 50 Länder bereist hat, habe daraufhin vor dem Haus eine Person ohne Behinderung bitten müssen, ihm schnell eine sogenannte Urinflasche aus seiner Wohnung zu holen, damit er vor dem Aufzug seine Notdurft verrichten konnte.
Nicht alle Bewohner sind in Ausweichwohnungen umgezogen
Die Aufzüge sind nicht das einzige Problem des 1977 als Modellprojekt prämierten Gebäudes Laubenweg 1: Die Wasserleitungen seien undicht, berichtet Johann Kreiter, die Fenster und die Türen ebenso. Um ein Legionellen-Problem im Haus beherrschbar zu machen, habe die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) als Besitzerin des Gebäudes spezielle Anti-Legionellen-Duschköpfe besorgt. Diese hätten jedoch den Nachteil, dass nach wenigen Tagen nur noch ein Rinnsal aus der Dusche komme. Die umfassenden Sanierungsarbeiten, die im Februar dieses Jahres hätten beginnen sollen, haben noch nicht begonnen – und zwar deshalb nicht, weil bisher nur etwa die Hälfte der Bewohner in Ausweichwohnungen hätte umziehen können.
Modernisierung nur ohne Bewohner
Die Mitarbeiter der SWSG würden sich zwar „redlich bemühen“ bei Beschwerden Abhilfe zu schaffen, sagt der Rentner im Rollstuhl. Dennoch würde keine Veränderung zum Besseren eintreten. Kurzum: Die Mängel im Haus Laubenweg 1 machten das Wohnen dort mittlerweile „unerträglich“. „Die Schilderung bezüglich Aufzügen, Wasserleitungen, Fenstern und Türen kann ich bestätigen“, teilt Brigitte Göltz auf Anfrage mit, die Geschäftsführerin der Wohnanlage Fasanenhof gGmbH, die bis heute Pflegeleistungen für Bewohner des Hauses mit Behinderung erbringt und einige Räume im Gebäude gemietet hat. Auch die SWSG, die sich zuletzt in einem Haus in Degerloch mit ähnlichen Problemen konfrontiert sah, bestätigt Mängel in dem Gebäude im Fasanenhof.
Diese Mängel seien sogar der Grund gewesen, weshalb die SWSG das Haus 2013 von der Wohnanlage Fasanenhof gGmbH gekauft hat. „Die SWSG hat das Objekt erworben, weil die Modernisierung der bestehenden strukturellen Defizite die finanziellen Möglichkeiten des Voreigentümers bei Weitem überschritten“, teilt die Pressesprecherin der SWSG mit. Und weiter: „Mit der Übernahme hat die SWSG den Weiterbestand der Einrichtung gesichert. In den Folgejahren hat die SWSG sich intensiv mit der Entwicklung des Modernisierungskonzepts für die grundlegende Erneuerung der Gebäudesubstanz auseinandergesetzt.“ Wegen des „erheblichen Umfangs der Maßnahme“ und „der besonderen Situation“ der Bewohner sei die Modernisierung des Gebäudes im Laubenweg 1 nur im unbewohnten Zustand möglich.
„Der Unmut der Bewohner ist nachvollziehbar“
Mittlerweile seien der SWSG zufolge für alle Bewohner des Gebäudes „neue, passende Wohnungen“ gefunden worden, unter anderem barrierefreie Ausweichquartiere für Rollstuhlfahrer im ehemaligen Bettenhaus des Bürgerhospitals, die derzeit fertiggestellt würden. Die Sanierung des Bettenhauses hätte ursprünglich bereits im September 2022 beendet sein sollen, teilt Brigitte Göltz mit, die Geschäftsführerin der Wohnanlage Fasanenhof gGmbH. Sie habe sich „aber immer weiter verzögert“. Der Pressesprecherin der SWSG zufolge sei die Fertigstellung der Wohnungen nun „für Anfang kommenden Jahres“ vorgesehen. Die Modernisierungsmaßnahmen im Laubenweg 1 im Fasanenhof würden laut der SWSG dann im März 2024 beginnen: „Die Dauer der Arbeiten im Fasanenhof ist auf zwei Jahre projektiert.“
Ein weiteres halbes Jahr ohne funktionierende Aufzüge in seiner Mängelwohnung findet der Rentner Johann Kreiter freilich nicht zumutbar. „Aufgrund der in der Wohnanlage Fasanenhof gegenwärtig vorhandenen strukturellen Defizite, die nicht kurzfristig gelöst werden können, ist der Unmut der Bewohner nachvollziehbar“, teilt die SWSG-Sprecherin mit. „Mängel, die uns aktuell gemeldet werden, überprüfen wir und veranlassen entsprechende Maßnahmen.“
Bezüglich der Aufzüge verspricht die SWSG Abhilfe: „Unmittelbar nach Bekanntwerden des Defekts“ am ersten Aufzug sei das notwendige Ersatzteil bestellt worden. Es sei jedoch aufgrund von Lieferengpässen mit längeren Lieferzeiten zu rechnen. Dann sei „leider der zweite Aufzug ausgefallen“. Die SWSG habe darauf sofort reagiert: „Wir haben umgehend einen Service für die Bewohner eingerichtet, der sie bei Bedarf von der Wohnung ins Erdgeschoss bzw. vom Erdgeschoss zu ihrer Wohnung bringt. Der Aufzug konnte am selben Tag repariert werden und funktioniert wieder.“