Wohlfühlen als Trend Boom in den Saunen der Region

Von Dirk Herrmann 

Die kalte Jahreszeit beschert den Saunen in der Region stets kräftigen Zulauf. Doch während die Schwitzfans den modernen Hitzetempeln die Bude einrennen, haben kleine Betriebe keine Zukunft, wie aktuell in Waiblingen. Nutznießer sind Nachbarn wie Fellbach, Schorndorf, Backnang oder Stuttgart.

Waiblingen/Stuttgart - Das Thema ist heiß: Seit 1. Dezember schon ist der Saunaofen im Waiblinger Hallenbad aus – und die Stimmung zwischen den bisherigen Gästen und der Rathausspitze frostig. Die untervermietete Sauna ist ein Zuschussbetrieb; zudem hätte sie längst modernisiert werden müssen. Nun hat Pächter Matthias Hansmeier, erst vor zwei Jahren eingestiegen, aus finanziellen Gründen das Handtuch geworfen. Waiblingen ist somit die einzige große Stadt im Rems-Murr-Kreis und zudem einzige Kreishauptstadt in der Region ohne Sauna.

Das stinkt den Stammgästen gewaltig. Sie haben kräftig für die geliebte Einrichtung getrommelt, Spendengelder für den Pächter gesammelt und 250 Unterschriften an Oberbürgermeister Andreas Hesky übergeben. Es sei „ein Armutszeugnis für die reiche Kreisstadt Waiblingen mit 53.000 Einwohnern, dass der einzige öffentliche Saunabetrieb stillgelegt werden muss, während die Saunen in den Nachbarstädten Winnenden, Schorndorf und künftig wohl auch Fellbach boomen“, wettert Günter Steinecke von den „Freunden und Nutzern der Waiblinger Sauna“. Man wolle „keine aufwendige Eventsauna“, keinen „Selbstdarstellungs-Wellness-Tempel“, hieß es  – denn „uns reicht eine Wohlfühlsauna“, in der noch „ehrlich und einfach geschwitzt wird“.

Doch ehrlich und einfach, das ist in Waiblingen passé. Ein Weiterbetrieb in ähnlicher Dimension ist viel zu teuer. Für einen millionenteuren großdimensionierten Neubau gibt es in Waiblingen allerdings ­keine Pläne und schon gar kein Geld – der Zug scheint abgefahren.

Steigende Besucherzahlen im Oscar-Frech-Bad

Denn andernorts hat man in den vergangenen Jahren aufgerüstet. Zuletzt circa 25 Kilometer nordöstlich von Waiblingen, wo seit Montag dieser Woche die 18 Millionen Euro teuren neuen Murrbäder Backnang Wonnemar mit Hallenbad samt prächtiger Saunalandschaft locken. Es sei ein „Bad der Extraklasse“, schwärmt Volker Kurz, Geschäftsführer des Betreibers, der Stuttgarter Interspa-Gruppe: „Ein Schmuckkästchen, das wir als Betreiber so vielleicht noch nie vorgefunden haben“. Auf jährlich 220.000 Besucher hofft man im Wonnemar. Und weil andernorts der Saunabetrieb so boomt, hat Architekt Peter de Wit bereits eine Freifläche für mögliche Erweiterungen reserviert.

Dass dies keine allzu kühne Prognose ist, zeigt der Blick nach Schorndorf. Dort wurde das Oscar-Frech-Bad im März 2008 eröffnet. Die Saunabereich erfreute sich von Anfang an großer Beliebtheit, mit imposant steigender Tendenz: Im ersten dreiviertel Jahr gab’s 34.000 Besucher, 2009 dann 59.000, 2010 schon 77.000 hüllenlose Gäste. Alsbald wurden auf dem ohnehin schon dafür vorgesehenen Gelände noch eine Erd- und eine Pfahlsauna hinzugefügt. Folge: Bis Jahresende 2012 erwartet man mehr als 100.000 Gäste in der Saunalandschaft.

Und der Schweiß des Nachbarn lockt mehr denn je. „Der Markt in Sachen Wellness, Spa, Sauna ist meiner Einschätzung nach noch gar nicht ausgeschöpft“, erläutert Schorndorfs Bäderbetriebsleiter Jörg Bay. Mit besonderen Angeboten könne man auch künftig „einen neuen Markt erschließen“. Deshalb glaubt er auch nicht, dass nun mit Backnang oder im Herbst 2013, wenn das 37-Millionen-Euro-Projekt des Fellbacher Kombibads F.3 mit seinem gewaltigen Saunabereich den Betrieb aufnimmt, das Oskar-Frech-Bad auf Besucher verzichten muss: „Jede der Saunen wird ein Stück vom ­Kuchen abbekommen“.

Besucherzahlen im Leuze pendeln sich allmählich auf dem vorherigen Niveau ein

Darauf hofft auch das Stuttgarter Mineralbad Leuze, wo man mit 3300 Quadratmetern (halbe Fläche eines Fußballfelds) über eine der größten Saunalandschaften der Region verfügt. Und seit Herbst 2010 können die Gäste in der für 2,6 Millionen gebauten neuen Winzersauna nach schweißtreibendem Dampfbad den Panoramablick auf ­Neckar und die Weinberge genießen. „Hier finden Sie die Balance, die Ihre Seele streichelt“, heißt die Werbebotschaft.

„Insgesamt läuft es gut bei uns“, sagt ­Anke Senne, Chefin der Bäderbetriebe Stuttgart. Die Besucherzahlen im Leuze pendeln sich nach dem im Sommer abgeschlossenen Umbau der Warmbadehalle allmählich auf dem vorherigen Niveau ein. Mit hochgerechnet 820.000 bis 845.000 Gästen sei man „im Plan“. Wie sich die Besucher auf den Schwimm- und den Saunabereich verteilen, lasse sich wegen des „integrierten Eintrittspreises“ allerdings nicht genau sagen.

Sehr beliebt ist nach Sennes Angaben zudem das Heslacher Bad mit seiner Sauna (jährlich 23.760 Gäste). Dort findet – wie auch in Schorndorf – jeden letzten Samstag im Monat die sogenannte Mitternachtssauna unter einem bestimmten Motto statt. Das Besondere: Weil der reguläre Schwimmbetrieb bereits vorbei ist, können die Freikörperkulturfans auch im Becken „richtig nackt schwimmen“, so Senne, das sei sonst kaum möglich. Mit derartigen Sensationen konnten Mini-Saunen wie Waiblingen ­natürlich nicht aufwarten.

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