Sechs Jahre hat Reiner Schwarzmeier (re.) zusammen mit seiner Frau Christina das Marktcafé organisiert. Nun legt er sein Ehrenamt aus gesundheitlichen Gründen nieder. Foto: Kratz

Seit sechs Jahren gibt es den Wochenmarkt – und das Marktcafé. Doch letzteres steht vor dem Aus. Der bisherige Leiter, Reiner Schwarzmeier, legt aus gesundheitlichen Gründen sein Ehrenamt nieder.

Fasanenhof - Schon morgens halb zehn ist klar: Heute sind mehr Biertischgarnituren als üblich notwendig. Pfarrer Jürgen Spohn macht sich auf den Weg, um welche herbeizuschaffen. Denn am Donnerstag war auf dem Platz der evangelischen Bonhoefferkirche nicht einfach nur Markttag. Viel mehr wurde Geburtstag gefeiert – und Abschied. Seit sechs Jahren gibt es auf dem Fasanenhof einen Wochenmarkt. Diesen zu etablieren, war ein Kraftakt. Im Laufe der Jahre haben die Händler einige Aufs und Abs erlebt, ein paarmal schon stand der Markt vor dem Aus.

Die treibende Kraft legt das Amt nieder

Allen Unkenrufen zum Trotz gibt es den Markt aber noch immer. Seinen Teil dazu beigetragen hat vor allem der Bürgerverein mit seinem Marktcafé, allen voran Reiner Schwarzmeier. Das Marktcafé war sein Kind. Er war nicht nur jeden Donnerstag vor Ort, deckte die Tische, servierte Kaffee und Kuchen und spülte hinterher das Geschirr. Er zog auch die Strippen im Hintergrund, organisierte die Kuchenspenden fürs Buffet und kümmerte sich um die Finanzen. Doch nun legt Reiner Schwarzmeier sein Ehrenamt nieder.

„Aus gesundheitlichen Gründen bleibt das Marktcafé ab dem 1. August bis auf Weiteres geschlossen.“ So steht es auf den Handzetteln, welche Schwarzmeier am Donnerstagmorgen auf den Tischen verteilt hatte. Der Rentner gab sich optimistisch, doch ein bisschen Traurigkeit war ihm anzumerken. Und als Günther Joachimsthaler als Vorsitzender des Bürgervereins sich beim ihm für sein Engagement bedankte und ein Geschenk überreichte, war Reiner Schwarzmeier sichtlich gerührt. „Vielleicht gibt es für mich einen Nachfolger?“, fragte er in die Runde. Denn feststeht: Joachimsthaler kann die Aufgabe ohne einen zuverlässigen Partner nicht stemmen. „Mir hat das Marktcafé viel Spaß gemacht“, betonte Schwarzmeier.

„Mit ab und zu mal helfen, ist es nicht getan“

Doch Arbeit war und ist es auch. Darum steht für Joachimsthaler fest: „Mit ab und zu mal helfen, ist es nicht getan.“ Man brauche zuverlässige Leute, die sich für das Marktcafé verantwortlich fühlen. „Jeder Donnerstag ist dann Pflicht“, betont Joachimsthaler. Petra Leitenberger, ebenfalls Mitglied des Bürgervereins, ist zuversichtlich, dass sich ein Nachfolger findet. „Für uns stand immer fest, dass wenn es auf dem Fasanenhof einen Markt gibt, es auch ein Marktcafé geben muss“, sagt Leitenberger. Denn ein Markt sei nun mal ein Ort der Begegnung. Ein Platz, auf dem man seinen Nachbarn treffe und ein Schwätzchen halte. „Da gehört dann auch eine Tasse Kaffee dazu“, sagt Leitenberger.

Joachimsthaler ergänzt: „Für uns vom Bürgerverein war das Marktcafé auch immer ein Ort, wo wir Neuigkeiten kommunizieren konnten.“ Die Besucher waren über das, was sich im Rahmen des Förderprogramms Die soziale Stadt bei ihnen vor der Haustür gerade abspielte, bestens informiert. Inzwischen holen Helfer eine weitere Bank, damit die vielen Marktbesucher ihr Fleischkäsweckle nicht im Stehen essen müssen. Zum Geburtstagsfest gibt es die Snacks zum Selbstkostenpreis. Johann Kreiter hat eine Tasse Kaffee vor sich stehen. Er kommt fast jeden Donnerstag zur Bonhoefferkirche. „Es ist so praktisch. Als Rentner kann man hier seinen Kaffee und ein Stück Kuchen genießen, ein bisschen einkaufen und dann ganz entspannt schon fast zum Mittagessen übergehen“, sagt der auf dem Fasanenhof für seine Gemütlichkeit bekannte Rollstuhlfahrer.

„Wir brauchen Konstanz“

Es sei schade, dass nicht alle Menschen auf dem Fasanenhof den Markt annehmen. „Die Qualität der Waren ist erstklassig“, betont Kreiter. Siegfried Schmidt sieht es genauso. „Insbesondere ältere Menschen können hier frische Waren kaufen“, sagt er. Und auch das Marktcafé sei mittlerweile eine Institution. „Es wäre schade, wenn es das künftig nicht mehr gibt“, sagt Siegfried Schmidt.

Auch einige Marktbeschicker haben den Fasanenhof als Standort zu schätzen gelernt. Allerdings ist von den ehemals zehn Ständen nur noch eine Handvoll übrig geblieben. Von denen sind einige aber schon von Anfang an dabei. Beim Geburtstagsfest ist es kaum möglich, mit einem der Marktbeschicker zu sprechen. Für sie gibt es zu viel zu tun. Die Metzgerei Gänßle und der Obst- und Gemüsehändler Manz wollen auch in den Ferien jeden Donnerstag auf den Fasanenhof kommen. „Das ist wichtig für uns. Wir brauchen Konstanz“, sagt Petra Leitenberger.

An den Tischen wird derweil diskutiert: über Stuttgart 21 und den neuen Flughafen in Berlin, über die ehemalige Gaststätte Panorama am Laubeweg und Sami Khediras Besuch in der Heimat. Aus der Bonhoefferkirche dringt Orgelmusik. Es ist eben so, wie es auf einem Wochenmarkt sein sollte. „Wir wollen im September neu starten mit dem Marktcafé, auch wenn wir noch nicht wissen, wie“ sagt Leitenberger. Sie sei optimistisch, dass sich eine Lösung finde. Alles andere wäre wirklich ein Jammer.

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