Mit ausreichend Bewegung, wird’s auch bei Minusgraden nicht kalt. Foto: Lichtgut / Christoph Schmidt

Bärensee und Schloss Solitude: strahlender Sonnenschein hat die Menschen trotz Kälte nach draußen gelockt. Und obwohl nur noch wenig Schnee liegt, rodelnden (nicht nur) die Kinder den Schlittenhang runter.

Stuttgart - Besser könnte das Wetter für einen Spaziergang gar nicht sein – vorausgesetzt die Kleidung stimmt. Die Sonne strahlt zwar vom Himmel, die Temperaturen allerdings bewegen sich an diesem Sonntag konsequent im Minusbereich. Die Spaziergänger und Jogger rund um den Bärensee sind dick eingepackt, mit tief ins Gesicht gezogenen Wollmützen, mit Daunenjacken, Handschuhen und Wanderstiefeln. Eine junge Frau schnallt Spikes um ihre Schuhe, die Waldwege sind nicht nur schneebedeckt, sondern vor allem vereist. Wer nicht aufpasst, kommt schnell ins Schlittern. „Sonnenschein und eisige Kälte – so ein Wetter liebe ich“, sagt die Frau mit den Spikes, die mit ihrer Zwillingsschwester den Sonntag beim Spaziergang genießt. Am Bärenschlössle sitzen die Leute in der Sonne und wärmen sich mit Glühwein. „Das Bier läuft heute nicht gut, das gefriert bald“, sagt Wolfgang Vetter und lacht. Mit seinem Team verkauft er Gegrilltes sowie warme und kalte Getränke aus einem Pavillon heraus. Der Grill gibt zum Glück warm.

Sonja Luitz und ihr Mann sind mit ihrem Hund unterwegs. „Der möchte bei jedem Wind und Wetter raus“, sagt Sonja Luitz. Das Ehepaar ist aus Markgröningen zum Bärensee gefahren. „Hier ist es einfach in jeder Jahreszeit schön.“

Fürs Schlittenfahren ist man nie zu alt

Der Februar ist ein Grad kälter als üblich. Bis Mittwoch sollen die Temperaturen weiter nach unten klettern. Auf dem Bärensee hat sich eine dünne Eisschicht gebildet. Doch auch wenn der See richtig zufrieren sollte, gilt: Das Schlittschuhlaufen ist laut Rechtsverordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart untersagt. Doch die Obrigkeit tritt nicht nur als Verweigerer auf, sie kümmert sich auch: Innenminister Thomas Strobl empfiehlt den Bürgern lange Unterhosen wider die Kälte. Strobl wird’s wundern, aber das hat die sieben Jahre alte Emilia schon selbst gewusst. Sie sitzt warm eingepackt auf ihrem blauen Bob, ihr Vater zieht sie auf ein Feld, zwischen ein paar Schneemännern hindurch. Frank und Monja Feil kommen oft mit ihrer Tochter hierher. Von ihrem Wohnort Gerlingen ist es nicht weit. Die Schneesituation sei am Samstag in Gerlingen aber besser gewesen.

So war es auch vor ein paar Tagen am Schloss Solitude. Auf dem Hügel vor dem Gebäude kommen Grasbüschel unter dem Schnee zum Vorschein. Ein paar Kinder schlittern trotzdem den Hügel hinunter, auch Erwachsene mischen sich darunter – manchmal ist das innere Kind stärker als die Vernunft. „Das ist mehr Eis als Schnee – aber den Jungs ist das egal, Hauptsache es rutscht“, sagt Sibylle Ziegler. Sie ist mit ihrem Sohn und dessen Freund hier. Sie blinzelt in die Sonne: „Das ist doch wie im Urlaub hier.“ Dann rasen die Jungs an ihr vorbei, schanzen über einen Schneehaufen und kommen prustend unten an. Viele Schlittenfahrer sind allerdings nicht unterwegs. „Ich dachte, hier liegt gar kein Schnee mehr“, sagt Lisa Meyn. Den Schlitten haben sie und ihre Tochter Lola zu Hause gelassen. Jetzt sitzen sie am Rande der Piste, trinken Tee und schauen zu. So ist der vergessene Schlitten nur halb so schlimm.

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