Bischöfe unter sich: Frank Otfried July (li.) und Gebhard Fürst Foto:  

Zum Auftakt der ökumenischen „Woche für das Leben“ kritisierten Bischof Gebhard Fürst und der evangelische Landesbischof Frank Otfried July im Stuttgarter Marienhospital die wachsende kommerzielle Entwicklung der Reproduktionsmedizin.

Stuttgart - Kirche muss „Spielverderber“ sein. Diese Rolle nehmen sowohl der katholische Bischof Gebhard Fürst als auch der evangelische Landesbischof Frank Otfried July ausdrücklich ein. Zum Auftakt der „Woche für das Leben“ positionieren sich beide in einer ökumenischen Veranstaltung im Marienhospital gegen die kommerzielle Entwicklung der Reproduktionsmedizin.

„Das Kind wird zum Objekt eines Rechtsgeschäfts, es werden Verträge über das ungeborene Leben geschlossen. Wir sprechen hier von Bestell-Eltern und Leihmütter-Flatrate. Alleine dieses Vokabular belegt, dass wir uns längst jenseits einer ethischen Grenze bewegen“, sagt Fürst. Bischof July ergänzt: „Mit der Fortpflanzungsmedizin verbindet sich das Versprechen: Alles ist möglich!“ Aus einem Kinderwunsch werde so eine klare Erwartung.

Diese Haltung entspreche nicht dem kirchlichen Werteverständnis. Fürst sagt: „Der Weg des Menschen als Schöpfer seiner selbst ist ein Irrweg.“ Schon vor 30 Jahren habe die Glaubenskongregation „Donum Vitae“ dies so formuliert: „Ein Recht im wahren und eigentlichen Sinn auf das Kind widerspräche dessen Würde und Natur. Das Kind ist nichts Geschuldetes und kann kein Eigentumsobjekt sein. Es ist ein Geschenk.“

Gleichwohl wissen die Bischöfe „um den Schmerz und das Leid von Eltern, die kein eigenes Kind bekommen könnten“. Ihnen wolle man mit kirchlichen Beratungsstellen zur Seite stehen sowie deren Leid und Trauer annehmen.

Nur 20 Prozent der Behandlungen führen zum Erfolg

Fürst und July stellen fest, dass ein „vom Glauben an eine Machbarkeit“ dominierter Trend zum „Designerbaby“ den Blick auf die Realitäten trübe. Dieser Glaube führe zur weit verbreiteten Annahme, Kinderlosigkeit sei heute vermeidbar.

Tatsächlich führen Behandlungen nur in 20 Prozent zum Erfolg. Zudem berge die Reproduktionsmedizin laut Dr. Manfred Hofmann, Chefarzt der Gynäkologie im Marienhospital, gesundheitliche Risiken für Frauen. Hofmann bestätigte die Einschätzung der Bischöfe, dass es sich bei der ungebremsten Fortpflanzungsmedizin um eine schleichende Entgrenzung handle: „Das Anspruchsdenken an die Möglichkeiten der Geburtshilfe ist zuletzt weiter gewachsen.“

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