Ab nach Russland: Das deutsche Team hat sich die WM-Teilnahme gesichert – aber welche Spieler dürfen mit? Foto: AP

Nach dem 3:1 in Nordirland ist die Teilnahme der deutschen Mannschaft an der Fußball-WM in Russland sicher. Nun beginnt das Rennen um die Kaderplätze.

Belfast - Das Spiel plätscherte bereits seinem Ende entgegen, als Toni Kroos und Leroy Sané für Stimmung sorgten. Aus bester Position schossen der Weltstar von Real Madrid und der Jungstar von Manchester City den Ball nicht etwa ins Tor der Nordiren, sondern jeweils weit nach oben auf die Ränge des Windsor-Parks in Belfast. Höhnisch klatschte das Publikum, das endlich Grund zur Freude hatte – zwar nur zur Schadenfreude, aber immerhin.

Ganz am Schluss durften die nordirischen Fans dann doch noch richtig jubeln – doch war es nur der Ehrentreffer, den Josh Magennis in der Nachspielzeit erzielte. Mit 3:1 (2:0) gewann die deutsche Nationalmannschaft, die mit zwei schnellen Toren durch Sebastian Rudy und Sandro Wagner frühzeitig für klare Verhältnisse gesorgt hatte und einen dritten Treffer von Joshua Kimmich folgen ließ. Woran es schon lange keinen Zweifel mehr gegeben hat, ist damit nun auch offiziell: Der deutschen Mannschaft hat das Ticket nach Russland nicht mehr zu nehmen.

Neun Spiele, neun Siege

Neun Spiele, neun Siege, so lautet vor der abschließenden Pflichtaufgabe gegen Aserbaidschan am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) die makellose Bilanz. Ein weiterer Erfolg auf dem Betzenberg in Kaiserslautern dürfte im letzten Spiel Formsache sein. Eindrucksvoll bewahrheitet hätte sich damit Löws Ankündigung vor mehr als einem Jahr, dass man die Qualifikation (anders als vor zwei Jahren) diesmal „gnadenlos durchziehen“ werde.

Die Titelverteidigung ist nun das große Ziel, dem Löw schon lange alles unterordnet. Als Warnung dienen ihm die Beispiele der Weltmeister von 2006 und 2010, Italien und Spanien: Sie mussten bei der folgenden WM jeweils schon nach der Vorrunde wieder die Heimreise antreten mussten, weil sie es, wie der Bundestrainer meint, am Willen zur Weiterentwicklung hatten vermissen lassen.

Auch deshalb verordnete Löw seinen stark beanspruchten Topspielern in diesem Jahr einen turnierfreien Sommer und fuhr mit einigen Neulingen zum Confed-Cup, die zudem den Konkurrenzkampf steigern sollten. Der überraschende Titelgewinn war dann (ebenso wie der EM-Titel der U 21) so etwas wie eine Überplanerfüllung.

Viele Bewerber für 23 Plätze

Mit der feststehenden Qualifikation (Löw: „Ich bin zufrieden.“) beginnt nun endgültig die heiße Phase der Bewerbung um die 23 WM-Kaderplätze. Angesichts der großen Auswahl an Spielern erwartet Löw in den nächsten Monaten „den härtesten Konkurrenzkampf“, den es je gegeben habe. In Nordirland untermauerten am Donnerstagabend nicht zuletzt jene Profis ihre Ansprüche, die bislang nur in der zweiten Reihe (Sebastian Rudy) oder gar der dritten (Sandro Wagner) gestanden hatten.

Rudy brachte die deutsche Mannschaft mit einem prächtigen Distanzschuss in Führung, noch ehe die Gastgeber zum ersten Mal an den Ball kamen und ihre Fans so richtig in Stimmung kommen können (2.). In seinem 22. Länderspiel war es der erste Treffer des Neu-Münchners, der als Ballverteiler an der Seite von Toni Kroos auch anschließend demonstrierte, dass er ein feiner Fußballer ist. „Wichtig war, dass wir ein frühes Tor geschossen haben und Ruhe ins Spiel bringen konnten“, sagte er. Vor der EM 2016 war Rudy kurzfristig aus dem erweiterten Kader gestrichen worden – diesmal dürfte er bessere Karten besitzen.

Wagner wiederum traf nach zwei vergebenen Kopfballchancen (5./17.) zwar erst im dritten Anlauf – schön war aber auch sein Tor: Eine Drehung an der Strafraumgrenze, ein strammer Linksschuss ins obere Toreck (21.) – schon stand es 2:0, schon war das Spiel entschieden. Als echte Bedrohung dürfte der derzeit verletzte Mario Gomez den 29 Jahre alten Hoffenheimer Wagner betrachten, der das späte Glück einer Nationalmannschaftskarriere in vollen Zügen genießt.

Bei aller Werbung in eigener Sache, die Rudy und Wagner in Belfast betreiben durften – der Gegner hieß nur Nordirland. Im Europapokal hatten zuletzt auch sie ganz alt ausgesehen. Der Weg nach Russland ist also noch weit.

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