WM 2018 in Russland ARD und ZDF steuern WM von Baden-Baden aus

Von red/dpa 

Beim Südwestrundfunk wird die Regie des Nationalen Sendezentrums (NBC) von ARD und ZDF für die FIFA Fußball-WM 2018 präsentiert. Foto: dpa
Beim Südwestrundfunk wird die Regie des Nationalen Sendezentrums (NBC) von ARD und ZDF für die FIFA Fußball-WM 2018 präsentiert. Foto: dpa

Zu Russland bleiben ARD und ZDF auf Abstand während der Fußball-WM. In einem nationalen Sendezentrum in Baden-Baden steuern sie gemeinsam die Berichterstattung über das Großereignis.

Baden-Baden - Zum ersten Mal nicht am Austragungsort der Fußball-WM, sondern von einem nationalen Sendezentrum in Deutschland aus berichten ARD und ZDF gemeinsam über das Großereignis. Mehr als 2400 Kilometer von Moskau entfernt liegt das NBC (National Broadcasting Center) in den Bergen des Schwarzwald-Städtchens Baden-Baden. Der Kurort ist extrem beliebt bei Russen. Aber das ist nicht der Grund, weshalb ausgerechnet von hier die WM-Berichterstattung vom 14. Juni bis 15. Juli gesteuert wird. Vielmehr hat der Südwestrundfunk (SWR) an seinem Stammsitz so große Studios, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender zusammentun und Millionen an Kosten sparen.

Das Fenster nach draußen

Weil die Preise für Glasfaserkabel anders als früher bezahlbar sind, verzichten ARD und ZDF diesmal auf das Anmieten teurer Flächen im Sendezentrum in Moskau. Stattdessen leiten Mitarbeiter im International Broadcasting Center (IBC) die Bilder direkt nach Baden-Baden weiter. Zu sehen sind sie unter anderem auf einer fast elf Meter langen und knapp drei Meter hohen LED-Wand. Erstmals in UHD-Auflösung, wie der technische Leiter beim SWR, Georg Schmid, sagt. Das ist vier Mal mehr als HD-Standard.

„Das ist unser Fenster nach draußen“, sagt Schmid vor einem gestochen scharfen Moskau-Panorama. Das Studio kann beliebig dem Design von ARD oder ZDF angepasst werden - je nachdem, wer sendet. Zwar habe es auch bei früheren Turnieren, als beide Länder im Ausrichterland getrennte Studios hatten, Kooperationen gegeben, sagt ZDF-WM-Programmchef Christoph Hamm. „Aber das hier ist eine ganz andere Welt.“

Dass das funktioniert, habe sich beim Confed Cup im vorigen Jahr gezeigt - eine technische Generalprobe für das jetzige Vorgehen, sagt Thomas Wehrle, der ARD-Projektleiter Fußball-WM-Berichterstattung. Er sieht einen Vorteil der Steuerung aus Baden-Baden auch darin, dass die Sender so nicht nur räumliche Distanz haben zum Land und zum Weltverband FIFA, sondern auch journalistischen Abstand. Die politische Lage in Russland und Themen wie Korruption, Hooligan- und Sicherheitsfragen sollen ebenfalls Teil der Berichterstattung sein. „Wir werden bei einer Propaganda-Show von Präsident Putin nicht mitspielen“, meint ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann.

Aufwendige Planung

Eine Herausforderung ist allerdings, dass Planung und Kommunikation nun viel aufwendiger sind - anders, als alle an einem Ort waren. Mit elf Spielorten in vier russischen Zeitzonen ist diese WM aber ohnehin etwas Besonderes. Wenn die Zuschauer gar nicht merkten, dass die Sendungen aus dem Schwarzwald und nicht aus Moskau abgewickelt werden, „dann hätte sich der Mut zum Risiko gelohnt“, findet SWR-Sportchef Harald Dietz.

„Die WM findet nach wie vor statt in Russland“, scherzt Florian Rathgeber, der technische Leiter des ZDF, im SWR-Studio in Baden-Baden. Im Schaltraum des Studios erklärt er, dass Videosignale hier landen und verarbeitet werden. Die Leitung zwischen Russland und Baden-Baden hat nach Senderangaben eine Leistung von 10 Gigabit pro Sekunde. Im Süden und Norden Europas gebe es riesige Leitungen, die die Bilder übertragen. „Und sollte das alles ausfallen, haben wir immer noch das Weltbild auf dem Satelliten“, sagt Rathgeber.

Reform- und Einsparwillen

Auf 670 Quadratmetern Fläche teilen ZDF und ARD in dem SWR-Fernsehstudio Technik und Personal - nur redaktionell, das betonen beide Seiten, gehe es streng getrennt zu. Zusammenarbeit hin oder her - „es ist ja schon eine kleine Konkurrenz da“, sagt ZDF-WM-Programmchef Hamm. Das Sendevolumen um die 64-WM-Spiele herum sei viel zu groß, „um das alleine zu stemmen“. In Zeiten, da die mit Rundfunkgebühren finanzierten Sender sich immer wieder rechtfertigen, unterstreichen die Verantwortlichen ihren Reform- und Einsparwillen.

Zwar haben die Sender, um journalistisch flexibel zu sein, weiter eigene Reporter, Moderatoren und Kamerateams in den Stadien. Sie haben ihre Studios in Moskau aufgestockt. Und etwa auch das Morgenmagazin von ARD und ZDF sendet aus Russland. Trotzdem werde erstmals ein Großteil des Personals von Baden-Baden aus arbeiten. Das spare nicht nur Reisekosten, Transportkosten für die Technik, sondern auch teure Hotelübernachtungen, heißt es. Jeweils von Einsparungen in Millionenhöhe sprechen die Verantwortlichen. Wohl auch mit Rücksicht aufeinander verzichten sie aber darauf, konkrete Zahlen zu nennen.

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