Erfolgsduo: der kroatische Nationaltrainer Zlatko Dalic und Kapitän Luka Modric. Foto: AFP

Im WM-Finale spricht am Sonntag alles für die Franzosen. Sie sind gespickt mit Weltstars und mussten im Laufe des Turniers noch keine Verlängerung überstehen. Weltmeister wird trotzdem Kroatien.

Stuttgart - Klar, Frankreich hat bislang ein tolles Turnier gespielt. Sie haben einen erfahrenen Trainer (Didier Deschamps), einen künftigen Weltstar (Kylian Mbappé) und einen Abwehrspieler, der den VfB Stuttgart reich machen wird (Benjamin Pavard). Die Equipe tricolore ist der große Favorit auf den WM-Titel – und wird sich trotzdem mit Platz zwei begnügen müssen. Denn gute Gründe gibt es, dass der neue Weltmeister aus Kroatien kommt.

1. Kroatien hat die heißblütigsten Fans

In Baden-Württemberg leben 109 500 Kroaten – der Großteil von ihnen, so scheint es, macht seit Wochen nach jedem kroatischen Sieg aus der Theodor-Heuss-Straße in Stuttgart eine riesige Fanmeile. Hupkonzerte, bengalische Feuer und Hrvatska-Rufe – so viel Ekstase ist selten in der Landeshauptstadt. Das muss dringend belohnt werden. Am Sonntag soll es die letzte, die größte, die ultimative Party geben – und gerne dürfen auch die deutschen Fans mitfeiern, die ihre schwarz-rot-goldenen Fähnchen von ihren Autos längst abmontieren mussten.

2. Kroatien hat den besten Spieler

Luka Modric ist schmalbrüstig und klein, er hat eine 80er-Jahre-Frisur und eine zu große Nase – er ist also so etwas wie der Gegenentwurf von Cristiano Ronaldo, dem Schönling mit den eingeölten Muskeln. In der Disco würde einer wie Modric vermutlich nur in der Ecke stehen – auf dem Fußballplatz aber ist er der Größte. Auch dort kommt Modric ganz ohne Posen und Allüren aus – seine einzigartige Kunst besteht darin, seine Mitspieler gut aussehen zu lassen. „Gegen seine Füße“, das hat auch „Zeit online“ in ihrer „Hymne auf Luka Modric“ festgestellt, sind die der Ballerinas aus dem Moskauer Bolschoi-Theater Hufe.“ Korrekt. Modric ist der beste Spieler der WM, den Pokal soll am Sonntag niemand anderes als er in Empfang nehmen.

3. Kroatien hat die meisten Gelben Karten

Aus dem Fußball ist eine Wissenschaft geworden – noch immer aber ist er ein körperbetonter Sport, bei dem es ruhig auch mal kräftig scheppern darf. Gut, dass die Kroaten daran erinnern. 15 Gelbe Karten haben sie im Laufe des Turniers eingesammelt, mehr als jede andere Nation (auf Platz zwei folgt erstaunlicherweise das Team aus Panama, dem für elf Verwarnungen drei Spiele genügt haben). Anders als früher, als gerne auch mal Ellenbogen und andere schmutzigen Tricks zu Einsatz kam (vgl. Deutschland-Kroatien, EM 1996), wissen die Kroaten aber inzwischen, wo die Grenzen des Erlaubten sind. Eine Rote Karte haben sie noch nicht bekommen – auch das darf gerne mit dem WM-Titel belohnt werden.

4. Kroatien hat die höchsten Wettquoten

Wer vor der WM tollkühn und fachkundig genug war, 100 Euro darauf zu setzen, dass Kroatien Weltmeister wird, kann nun auf eine Ausschüttung in Höhe von 2900 Euro hoffen. Dieser Wagemut gehört ebenfalls belohnt. Man würde es zu gerne erleben, wie raffgierige Buchmacher am Montag zähneknirschend die Geldbündel rausrücken müssen. Längst haben sie die Quoten gesenkt – wer jetzt noch 100 Euro auf Kroatien setzt, bekommt im Erfolgsfall nur 270 Euro.

5. Kroatien hat den unbekanntesten Trainer

Der Wikipedia-Eintrag von Zlatko Dalic umfasst kaum zehn Zeilen. Er ist 51 Jahre alt und hat als Fußballtrainer in Albanien und am Persischen Golf gearbeitet. Selbst seine Landsleute staunten nicht schlecht, als Verbandspräsident Davor Suker ausgerechnet ihm im vergangenen Oktober die kroatische Nationalmannschaft anvertraute. Nun ist Dalic, ein freundlicher Mann mit schwarzen Haaren, ein Nationalheld, dem zur Krönung nur noch der WM-Titel fehlt. Sein Gegenüber, der Franzose Didier Deschamps, wird es verschmerzen können. Er war ja schon als Spieler Weltmeister und hat einen Wikipedia-Eintrag, der so lange ist, dass es eines Inhaltsverzeichnisses bedarf.

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