Viele Fragen sind nach dem 2:2 gegen Kamerun noch unbeantwortet: Bundestrainer Joachim Löw. Foto: dpa

Das 2:2 gegen Kamerun hat mehr Fragen aufgeworfen, als es beantwortet hat. Auch der endgültige WM-Kader ist nicht unumstritten. Bundestrainer Joachim Löw liebt das Risiko. Wenn das mal gutgeht.

Mönchengladbach - Marco Reus trägt jetzt einen blauen (links) und einen roten (rechts) Kickstiefel, Roman Weidenfeller ebenso. Hätten die beiden nicht zu den positiven Erscheinungen der deutschen Elf gehört, stünde das frohe Farbenspiel sinnbildlich für die gelegentliche Orientierungslosigkeit gegen Kamerun. So, als hätten sich Reus und Weidenfeller beim Griff in den Schuhschrank vertan.

Allerdings galt das viel mehr für zwei Künstlertypen, die in gleichfarbigen Schu­hen angetreten waren: Mesut Özil (schwarz-weiß) und Mario Götze (gelb). Özil als überforderter Ideen- und Taktgeber und Götze als fremdelnde falsche Neun spielten erschreckend uninspiriert.

Dabei wären gerade sie gefordert. Denn Probleme, vor allem gesundheitlicher Art, hat Joachim Löw ohnehin in Hülle und Fülle in seinem Team. Weshalb umso mehr überrascht, dass der Bundestrainer unverdrossen den Gute-Laune-Jogi gibt. Sein Motto, zwei Wochen vor dem WM-Start gegen Portugal: Das wird schon! Mesut Özil? „Er wird sich steigern, das werden wir hinbekommen“, versicherte Löw.

Auch was seine anderen Sorgenkinder betrifft, versprüht Löw Optimismus. Marcel Schmelzer sei wie die ebenfalls angeschlagenen Philipp Lahm, Manuel Neuer und Bastian Schweinsteiger „voll belastbar“, sagte Löw. Dazu passt nur nicht, dass er Schmelzer kurzfristig aus dem Kader gegen Kamerun und am Montag auch aus dem WM-Kader gestrichen hat, offenbar wiegt dessen Knieblessur zu schwer. Auch die anderen genannten Spieler fehlen noch immer und sind so den Nachweis ihrer WM-Fitness bisher schuldig geblieben. Ob und wie Sami Khedira (nach Kreuzbandriss) und Miroslav Klose (36) die WM durchstehen, ist ohnehin offen. Klose musste den Belastungen der Trainingswoche in Südtirol Tribut zollen und fiel gegen Kamerun ebenfalls aus.

Bisher hat Löw vor großen Turnieren ja alle immer hinbekommen, doch diesmal gibt es halt extrem viele Problemfälle. Sie alle unterliegen dem Prinzip Hoffnung wie auch der endgültige WM-Kader, in dem neben Schmelzer auch Kevin Volland und Shkodran Mustafi keinen Platz fanden. Innenverteidiger Mustafi musste einsehen, dass ihm der variablere, auch im zentralen Mittelfeld einsetzbare Matthias Ginter den Rang abgelaufen hat. Ohne Volland aber setzt Löw auf Miroslav Klose als einzigen echten Stürmer, womit er sein Faible für die wiederholt gescheiterte „falsche Neun“ unterstreicht. Gegen Kamerun half Thomas Müller gekonnt in der Sturmmitte aus, auch Lukas Podolski, Reus und Schürrle könnten vorn einspringen, allerdings eher als Notlösungen.

Ohne Schmelzer vertraut Löw im Neuling Erik Durm auf den einzigen linken Verteidiger – einen gelernten Stürmer. Falls Durm verletzt ausfällt oder in ein Formtief fällt, könnte Philipp Lahm von der rechten Seite nach links rücken, solange er nicht im zentralen Mittelfeld benötigt wird. Auch Jérôme Boateng könnte links aushelfen, zumindest theoretisch. Praktisch hat Löw das für beide bereits ausgeschlossen. Auch hier gilt also das Prinzip Hoffnung. „Ich bin von allen Spielern zu 100 Prozent überzeugt. Wir haben die richtige Mischung“, sagt Joachim Löw.

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