Sie schrieben Fernsehgeschichte: Andreas Stiefel und Thomas Schwartz wurden 1999 im ZDF bei „Wetten Dass..?“ Wettkönige. Ob das, was damals die Zuschauer begeisterte, noch immer funktioniert? Ein Versuch im Korber Bädle.
Korb - Den ersten Schokokuss fängt Thomas Schwartz mit einer Torwart-Glanzparade. Er hechtet sich auf den grünen Rasen im Korber Bädle, wie er es viele Jahre als Schlussmann der Fußballer des SC Korb getan hat. Doch er schnappt nicht mit den Händen, sondern mit den Zähnen zu. Auch den zweiten, dritten und vierten Wurf von Andreas Stiefel aus 20 Metern fängt er gekonnt mit dem Mund. Vor fast 22 Jahren haben die Freunde aus Korb mit der Nummer in der ZDF-Sendung „Wetten Dass..?“ als Wettkönige begeistert. Am Freitag haben Stiefel und Schwartz den Spaß wiederholt.
In der Tradition der legendären Samstagabendshow kleidet sich der Moderator Jürgen Klotz vom Verein Remstaler in ein buntes Hemd, das Thomas Gottschalk alle Ehre gemacht hätte. Jochen Müller, der Korber Bürgermeister, mimt den Wettpaten, und obwohl Stiefel und Schwartz ihre Wette wieder gewinnen, löst der Schultes seinen Einsatz ein – und springt zum großen Finale mit Anzug im Spicker vom Ein-Meter-Brett.
Wie es zu der kuriosen Wette kam
Zunächst aber erzählen die Korber, wie es einst zu der kuriosen Wette kam. Bei einem Geburtstag im Jahr 1988 wirft Andreas Stiefel einen Schokokuss zu Thomas Schwartz, der die Süßware nicht wie erwartet mit der Hand, sondern mit dem Mund fängt. Zwei Jahre später sitzen die beiden in geselliger Runde in einem Festzelt auf dem Cannstatter Volksfest. Plötzlich holt einer aus dem Freundeskreis Schokoküsse, und bald werfen sich Stiefel und Schwartz die Schleckereien über mehrere Tische hinweg zu. „Irgendwann stand das halbe Festzelt um uns herum, und sogar die Band hat aufgehört zu spielen“, erzählt Andreas Stiefel. 1998 dann feiern die Korber Alte-Herren-Fußballer nach einem Turnier den Saisonausklang. Die Story vom Volksfest kuriert, zufällig sind ein paar Schaumküsse zur Hand. Wieder sind die zwei wurf- und fangsicher. In dieser Nacht wird die Idee geboren, mit der klebrig-süßen Nummer ins Fernsehen zu gehen. Am nächsten Tag geht das Bewerbungsschreiben an das ZDF raus.
Wenig später meldet sich Beate Weber, damalige Chefredakteurin von „Wetten Dass..?“, bei Andreas Stiefel, und kündigt einen Besuch in Korb an, um sich das Spektakel anzuschauen. Doch Thomas Schwartz zieht sich kurz vor der geplanten Demonstration einen Bänderriss auf dem Fußballplatz zu. Im Sommer 1999 führen die Korber ihre Wette dann endlich vor dem Mainzer Funkhaus vor. Es ist heiß, die Schokoküsse sind weich und zerplatzen beim Fangen im Gesicht von Thomas Schwartz. Die Fernsehleute sind begeistert und engagieren das Duo für die November-Ausgabe in Berlin.
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Beinahe wäre die Wette noch kurz vor der Live-Show geplatzt. Die Fernsehkameras können die dunklen Schokoküsse nur schlecht erkennen. Eine Nachfrage beim Süßwarenhersteller, ob sie mit Lebensmittelfarbe weiß eingefärbt werden dürften, wird rigoros abgelehnt. Ein Kölner Konditor, der schwarz-weiß-gestreifte Exemplare herstellt, schickt aber welche per Express in die Hauptstadt. „Die waren allerdings etwas schwerer als die, mit denen wir geübt haben“, erzählt Schwartz.
Ihr Auftritt bei „Wetten Dass..?“ ist Fernsehgeschichte. Die Schokoküsse tauchen sowohl in den Rankings der besten als auch der lustigsten Wetten der Kultsendung auf.
Sogar China fragt an – und stellt eine Mauer auf
Auch beim ZDF ist sie unvergessen. Vor drei Jahren fragte der Sender an, ob Stiefel und Schweitzer im „Fernsehgarten“ auftreten. Sie lehnten ab. Rund zehn Jahre zuvor haben sie aber die Einladung des staatlichen Chinesischen Fernsehens in die dortige Ausgabe von „Wetten Dass..?“ angenommen, in der immer auch eine Wette aus dem Westen vorgestellt wurde. Nur: in China gibt es keine Schokoküsse, und die süßen Teile platzten unter Druck in der Kabine, wie Albert Heinrich, ein Flugkapitän aus Korb, bei Testflügen im Vorfeld feststellt. Doch Andreas Stiefel baut mit seinem Schwiegervater Erwin Bosch eine Spezialbox, die die Schokoküsse vor den Druckverhältnissen schützt.
Die Bühnenbauer in Peking erschweren die Wette und stellen zwischen Werfer und Fänger einen Nachbau der Chinesische Mauer auf. Stiefel und Schwartz treffen dennoch und werden Zweite. „Es muss immer eine Wette aus China gewinnen“, erzählt Stiefel grinsend. Den Rest der Schokoküsse verteilen die Korber auf ihre Art im Publikum. „Wir haben geworfen, und die Zuschauer haben versucht, mit dem Mund zu fangen.“