Wissensmanagement Eigeninteresse dominiert Teamgeist

Von Peter Ilg 

Mitarbeiter teilen ihr Wissen nur ungern, weil Wissen Macht ist. Andererseits setzt Teamarbeit Vertrauen voraus. Und daran fehlt es in vielen Firmen.

Jedem vierten Mitarbeiter in Deutschland fehlen notwendige Informationen für seine Arbeit. Der Grund für die schlechte Informationsbasis: viele Beschäftigte sind nicht bereit, ihr Knowhow zu teilen. Wenn sie Wissen weitergeben, dann meist im persönlichen Kontakt mit Kollegen. Das ist eine höchst unproduktive Form des Umgangs mit Wissen. Dies sind Ergebnisse der Studie 'Produktiver Umgang mit Wissen in Unternehmen' vom Haufe-Verlag. Die IT-Branche bietet zwar spezielle Softwarelösungen für die Zusammenarbeit zwischen Kollegen an - sie sind die technische Basis fürs Wissensmanagement. Doch weit verbreitet sind solche Programme nicht - oder sie werden nicht genutzt. Darin macht die Studie 'Wissensmanagement Umfrage 2015' keinen Unterschied. Sie besagt lediglich, dass nur jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland Collaboration-Tools nutzt, um sich mit Kollegen auszutauschen.


Die Untersuchung hat die Zeitschrift 'Wissensmanagement - Das Magazin für Führungskräfte' zusammen mit dem Steinbeis-Beratungszentrum Wissensmanagement im April durchgeführt. Befragt wurden mehr als 400 Fach- und Führungskräfte in Deutschland. Warum halten Mitarbeiter Fakten zurück, und warum teilen sie ihre Erfahrungen nicht? Und wie können es Unternehmen schaffen, dass ihre Mitarbeiter Wissen bereitwillig und nutzbringend weitergeben? Indem sie eine Vertrauenskultur schaffen. Das haben kanadische Wissenschaftler herausgefunden. Und das haben andere Studien bestätigt. Beispielsweise die Untersuchung der Teamworks GTQ, einem Unternehmen für Teamentwicklung und Qualifizierung in Hamburg. Es hat in einem Test herausgefunden, dass zwischen der Einstellung zur Zusammenarbeit und dem Erleben von Teamarbeit eine große Lücke klafft. Jeweils die Hälfte der Befragten ist überzeugt, dass es wichtig sei, an einer gemeinsamen Sache zu arbeiten, und dass jeder im Team etwas dazu beisteuern kann.


Wissen ist Macht

Dennoch behalten zwei Drittel ihr Wissen für sich. 'Der Grund dafür ist, dass in Teams oft Doppeldeutigkeit vorherrscht', sagt Thorsten Visbal von Teamworks. Mitarbeiter sollen ihr Wissen aus­tauschen. Doch das kann ausgenutzt werden, wenn jemand zu freigiebig ist. Einerseits können Teams die persönliche Entwicklung sehr fördern - andererseits aber auch bremsen. 'Hauptursache für diese Hassliebe zur Teamarbeit ist mangelndes Vertrauen.' Beschäftige haben Angst, dass Kollegen geteiltes Wissen für die eigene Karriere nutzen und sie sich letztendlich selbst schaden, wenn sie ihr Knowhow teilen. Schließlich ist Wissen ja auch Macht, um die Karriereleiter hochzusteigen. Außerdem mangelt es zwischen Beschäftigen an gegenseitiger Verpflichtung. Viele setzen sich nicht füreinander ein, fordern aber von den anderen, dass sie ihre Verpflichtungen einhalten. 'Statt auf Ergebnisse hinzuarbeiten, dominieren Status und Ego.' Der eigene Vorteil stehe über dem Ziel des Teams, so Visbal.


Seine Tipps für bessere Teamarbeit: - Ziele und Ergebnisse müssen eindeutig formuliert sein. - Die Zusammenarbeit soll regelmäßig und offen reflektiert werden. - Ein klares und ausgewogenes Feedback ist notwendig. - Förderung der gegenseitigen Verantwortlichkeit und des Bewusstseins, dass jeder auch für den Erfolg des anderen verantwortlich ist. Bosch stattet seine weltweit rund 240 000 Bildschirmarbeitsplätze mit modernsten Büroanwendungen aus und vernetzt seine Mitarbeiter für eine bessere Zusammenarbeit. Die Mitarbeiter können künftig mit Notebooks oder Smartphones Tele­fonate, Videokonferenzen und Online-Chats aus einem Programm heraus starten. Auch Dokumente lassen sich mit wenigen Mausklicks anlegen, gemeinsam bearbeiten und verwalten. Bis zum Jahresende sollen rund 100 000 Arbeitsplätze über die neuen Technologien verfügen. In das Projekt 'Next Generation Workplace' investiert das Unternehmen rund 800 Millionen Euro - und hofft, dass möglichst viele Mitarbeiter die neuen Techniken nutzen. Nur wenn die akzeptiert werden, machen viele mit.

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