Konstanzer Wissenschaftler wollen die Fertigung von gegossenen Klettergriffen optimieren. Foto: oh

Hochschulabsolventen und junge Wissenschaftler sollen ihre Ideen in Geschäftsmodelle ummünzen. Das baden-württembergische Wissenschaftsministerium gibt dafür mehr als eine Million Euro im Jahr aus.

Stuttgart - Mit einem großangelegten Programm will Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) jungen Wissenschaftlern und Hochschulabsolventen den Sprung in die Selbstständigkeit schmackhaft machen und ihren Projekten schnell zur Marktreife verhelfen. An Ideen fehlt es nicht: Stoßdämpfende Textilien, die thermisch und isolierend wirken und doch leicht, strapazierfähig und waschbar sind. Das ist das Geschäftsmodell von „Strukturdruck GRDXKN“, einem Gründungsvorhaben aus der Kunstakademie Stuttgart. Dabei werden Stoffe in einer Art Siebdruckverfahren mit einer technischen Paste bedruckt. Die Idee fördert das Wissenschaftsministerium jetzt mit 61000 Euro aus dem Programm „Junge Innovatoren“. Jährlich schüttet das Land in dem Förderprogramm bis zu 1,3 Millionen Euro aus.

Sechs Projekte aus dem ganzen Land

Wie unsere Zeitung erfuhr, werden in der neuen Tranche jetzt sechs Gründungsprojekte mit 617 000 Euro gefördert. Dazu gehört neben dem Textilprojekt der Kunstakademie auch eine Idee, die an der Technischen Hochschule Konstanz entstand. Junge Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Klettergriffe mit weniger Aufwand und Materialeinsatz herstellen lassen. Der Idee „greifbar“ spricht das Ministerium „hohes Marktpotenzial“ zu und fördert das Vorhaben mit 133 000 Euro.

Geld fließt auch an Nachwuchsunternehmer aus der Uni Stuttgart, die die Genauigkeit optischer Messgeräte erhöhen. Für „Optiksoftware“ gibt es 97 000 Euro. In einem zweiten Projekt der Uni, dem Vorhaben „Tetra-Tag“, entwickeln und vertreiben die Gründer innovative Feinchemikalien, die in der Krebstherapie eingesetzt werden können. Sie werden mit 133 000 Euro unterstützt.

Das Projekt „Opto Biolabs“ aus der Uni Freiburg wird mit 133 000 Euro gefördert. Es beschäftigt sich mit Belichtungsgeräten für die optogenetische Forschung, bei der es um die Steuerung von Zellen mittels Licht geht. „Prime up“, ein Gründungsprojekt der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim, kann für den 3D-Druck metallischer Bauteile mit 61 000 Euro rechnen.

Etabliertes Förderprogramm

Bisher hat das Land schon mehr als 240 Gründungsvorhaben durch das Programm unterstützt, das seit 1995 läuft und Baden-Württemberg zum bundesweiten Vorreiter machte. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer sagt zur Strategie: „Um die in den Hochschulen und Forschungseinrichtungen erzielten Forschungsergebnisse schnell in zukunftsorientierte Produkte umzusetzen, braucht es kreative Geschäftsideen und findige Unternehmerinnen und Unternehmer.“

Das Programm soll dazu beitragen, dass aus Wissenschaftlern Unternehmer werden. „Wir möchten den neuen jungen Innovatoren Mut machen, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen“, sagt Bauer. Die Förderung besteht aus mehreren Bausteinen. Die Gründer können zum Beispiel die Infrastruktur der Hochschulen nutzen und für ein Jahr mit einer halben Stelle angestellt werden.

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