Anne Hannich hat ihr Wirtshaus im Feuerbacher Tal verlassen und will an einem neuen Ort mit ihrem Heurigen neu anfangen. Foto: Michael Steinert

Unschön endet die Ära des Heurigen mit Anne Hannich nach zehn Jahren. Der Streit zwischen dem Musikverein als Vermieter und der Wirtin führt vor Gericht. Conny und Timo Weitmann übernehmen das Lokal. Wir haben die Einzelheiten.

Heurige sind beliebte Lokale in Österreich, in denen Wein wie der Grüne Veltliner ausgeschenkt wird und wo man in uriger Atmosphäre regionale Gerichte genießt. Zehn Jahre lang besaß die Riesling-Metropole Stuttgart an der Mähderklinge 6 im Feuerbacher Tal einen Heurigen. In dem Wirtshaus mit knarrenden Holzmöbeln und Hirschgeweih an der Wand haben Tennisstars des Weissenhof-Turniers bei ihrer „Players Night“ getanzt, wurden Hochzeiten gefeiert, hat man schöne Sommernächte im Freien erlebt. Zuletzt öffnete Anne Hannich aber immer seltener. Jetzt hat sich die Wirtin endgültig verabschiedet.

 

An die „lieben Genussmenschen“ hat die langjährige Chefin des Heurigen nun geschrieben. „Durch das Auslaufen unseres Pachtvertrages zum 1. Juli haben sich die Türen des Heurigen leider geschlossen“, heißt es in dem digitalen Brief, „zur Zeit sind wir auf der Suche nach neuen schönen Räumlichkeiten, damit wir Sie wie gewohnt bei uns herzlich willkommen heißen.“

„Wir haben Frau Hannich rausgeworfen“, erklärt der Vereinsvorsitzende

Über diesen Brief kann Reinhard Löffler, der Vorsitzende des Musikvereins Feuerbach, dem das Wirtshaus gehört, nur lachen. „Wir haben Frau Hannich rausgeworfen“, betont er. Bereits im vergangenen August habe man ihr wegen Rückständen bei den Zahlungen den Pachtvertrag fristgemäß gekündigt.

Der CDU-Politiker Löffler, der Rechtsanwalt ist und für den Stuttgarter Wahlkreis III im Landtag sitzt, bedauert, dass dieser Schritt notwendig geworden sei. Doch der Verein könne nicht länger auf dieses Geld verzichten. Die Auseinandersetzung ist eskaliert. Anne Hannich konnte Anfang Juli nicht mehr in die Heuringen-Gaststätte im Feuerbacher Tal – die Schlösser waren ausgetauscht.

Die Wirtin weist die Vorwürfe energisch zurück

Dass sie dem Musikverein Geld schuldig geblieben sei, bestreitet die Gastronomin energisch. Werde dies Löffler weiterhin behaupten, müsse er mit einer Klage ihres Anwalts wegen Rufschädigung rechnen.

Reinhard Löffler erklärt dazu: „Die Behauptung, sie hätte gezahlt, ist gelogen!“ Bereits im vergangenen Dezember habe er eine Räumungsklage bei Gericht wegen ausbleibender Zahlungen trotz Mahnungen eingereicht. Im März dieses Jahres hat die 21. Zivilkammer des Landgerichts Stuttgart die Wirtin dazu verurteilt, die Gaststätte samt Außenbereich bis zum 30. Juni zu räumen.

Was im Urteil der 21. Zivilkammer des Landgerichts steht

„Wegen wiederholt aufgelaufener Pachtrückstände vereinbarten die Parteien Nachträge zum Pachtvertrag, in denen jeweils ein Zahlungsplan für die offenen Forderungen erstellt wurde“, heißt es im Urteil der Zivilkammer. Auch nach der Aufhebung der Coronabeschränkungen habe die Beklagte die Pacht „nur teilweise“ entrichtet, stellen die Richter fest. Die Wirtin soll die staatlichen Gelder in der Pandemie nicht ausreichend abgerufen haben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, da die Anwälte der Wirtin Rechtsmittel dagegen eingelegt haben.

Reinhard Löffler ist froh, dass er bereits neue Pächter für das Vereinslokal gefunden hat. Der Vertrag soll in Kürze unterzeichnet werden. Bereits vor zehn Jahren wollte der Musikverein die Stuttgarter Wirtin Conny Weitmann (bekannt unter anderem vom Weihnachtsmarkt und vom Sommerfest) und deren Sohn Timo Weitmann für das Feuerbacher Tal gewinnen. Damals holte er sich allerdings eine Absage.

Die Weitmanns suchen als künftige Pächter einen neuen Namen fürs Lokal

Die beiden hatten nämlich bereits den Vertrag für die Vereinsgaststätte des SV Heslach unterschrieben, die sie seitdem sehr erfolgreich als Weitmanns Waldhaus führen. Weil es dort so gut läuft, auch, was Hochzeiten und Feste aller Art angeht, wollen die Weitmanns nun ein weiteres Lokal übernehmen, das sich unter anderem für geschlossene Gesellschaften anbietet. Das Lokal im Feuerbacher Tal liegt etwas abseits und verfügt über genügend Parkplätze.

Den Namen Zum Heurigen will Familie Weitmann nicht übernehmen. Noch haben sie nicht entschieden, wie das Lokal heißen soll. Fest steht aber, dass sie noch im Sommer eröffnen wollen, um den Außenbereich nutzen zu können. Anne Hannich sagt, den Namen Zum Heurigen habe sie schützen lassen. Den wolle sie an den neuen Ort mitnehmen. Dass Conny und Timo Weitmann ihre bisherige Gaststätte übernehmen, freut sie: „Dann ist das Lokal in guten Händen.“

Karl Schartner sagt, bei ihm habe die Wirtin immer bezahlt

Der Weinhändler Karl Schartner hat den Heurigen in Feuerbach von Anfang an mit österreichischen Weinen beliefert. Erst vor drei oder vier Wochen habe er dies wieder getan. Mittlerweile habe die Wirtin Anne Hannich den zuletzt gelieferten Wein bei ihm ordnungsgemäß zurückgebracht und alles genau verrechnet. Bei ihm habe sie stets ordnungsgemäß bezahlt, versichert er. „Das war eine saubere Geschäftsverbindung“, betont Schartner. Die Suche nach neuen Räumen werde nicht leicht, befürchtet er. Anne Hannich, die zeitweise beim Catering von Rauschenberger arbeitet, will in wechselnden Locations ihre bereits vereinbarten Feste wie Hochzeiten möglich machen.