Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft vergleicht alle 10.817 Gemeinden in Deutschland in fünf Bereichen. Im Kreis Göppingen sind sechs Kommunen unter den Top 500.
Wo gibt es genug Ärzte und Schulen, schnelles Internet, gute Verkehrsanbindung und Freizeitangebote? Der neue Gemeindecheck „Daseinsvorsorge“ des Instituts der Deutschen Wirtschaft vergleicht alle 10.817 deutschen Gemeinden: Keine ist so gut versorgt wie das 23.000-Einwohner-Städtchen Haar am Rande Münchens – mit Ärzten, Schulen und ÖPNV ebenso wie mit schnellem Internet und Freizeitangeboten. Schlusslicht des Rankings ist Hirschthal in der Südwestpfalz. Im Kreis Göppingen schneidet nur eine Kommune durchgehend schwach ab und wird im Ergebnis mit „schlecht“ eingestuft.
„Erstmals verknüpft eine solche Untersuchung eine aktuelle, kleinräumige und umfassende Datenbasis zu den Versorgungslagen auf Ebene von rund 11.000 Gemeinden mit einer geokodierten Personenbefragung“, schreiben die Autoren in der Einleitung des Gutachtens. 17 Indikatoren aus den Bereichen Digitales, Gesundheit, Mobilität, Freizeit und Bildung seien erhoben worden, so ließ sich „der Mechanismus zwischen (Unzufriedenheit mit) der lokalen Daseinsvorsorge und der voranschreitenden politischen Entfremdung genauer untersuchen“.
Sechs Kommunen haben es unter die ersten 500 Plätze geschafft
21 Ortschaften aus dem Landkreis werden auf dieser Datenbasis als „sehr gut“ eingestuft, sechs Kommunen haben es unter die ersten 500 Plätze geschafft, angeführt von der Kreisstadt Göppingen (Rang 166). Unterschiedlich ist jedoch die Platzierung, wenn die einzelnen Bereiche betrachtet werden: Während Göppingen bei Freizeit (Platz 235), Gesundheit (237) und Bildung (446) im bundesweiten Vergleich sehr weit vorne liegt, sieht es in den Bereichen Digital (2506) und Mobilität (2783) schon nicht mehr ganz so gut aus – bei der Bewertung reicht das trotzdem noch für „gut“.
Auf den Plätzen zwei bis sechs im Landkreis folgen Kuchen (bundesweit Rang 327), Uhingen (343), Ebersbach (410), Heiningen (413) und Salach (489). Auffällig sind hier vor allem der hervorragende 148. Platz für Heiningen im Bereich Gesundheit sowie Rang 244 bei der Mobilität für Kuchen.
Eislingen und Geislingen kommen „sehr gut“ weg
Ebenfalls mit „sehr gut“ werden die beiden Großen Kreisstädte bewertet: Eislingen kommt im bundesweiten Vergleich auf Platz 1051, Geislingen auf 1309. Am schlechtesten schneidet Eislingen bei der Mobilität ab (3622), am besten beim Thema Bildung (894). In Geislingen verhindert die fehlende Digitalisierung (Rang 6782) eine bessere Platzierung. Obwohl die Helfenstein-Klinik geschlossen ist, bedeutet Platz 2477 bei der Gesundheit ein „gut“.
Als einzige Gemeinde im Landkreis schneidet Lauterstein mit „schlecht“ ab und endet auf Rang 7115: Der aus Weißenstein und Nenningen bestehende Ort leidet vor allem unter den sehr schlechten Platzierungen in den Bereichen Mobilität (8981) und Freizeit (8585). Ähnlich schlecht im Bereich Mobilität sieht es übrigens in den benachbarten Kommunen Böhmenkirch (8853) und Donzdorf (8251) aus. Auf dem vorletzten Platz im Kreis liegt Ottenbach, es endet auf Gesamtrang 6367. Vor allem der sehr schlechte Rang 8987 im Bereich Gesundheit sorgt für dieses Ergebnis.
Im näheren Umkreis schneiden Böblingen (Platz 11) und Stuttgart (15) am besten ab. Esslingen schafft es auf Rang 193, Kirchheim auf 428 und Aalen auf 515 während es für Schwäbisch Gmünd nur zu einem „gut“ und Platz 2377 reicht, hier schlägt vor allem das katastrophale Abschneiden bei der Mobilität (7889) ins Kontor. Lorch schafft mit Rang 4143 gerade noch ein „gut“.
AfD-Anhänger sind generell unzufriedener
Untersuchung
Konkret wurde in dem Gutachten des Instituts der Deutschen Wirtschaft analysiert, inwiefern objektive Mängel in der lokalen Daseinsvorsorge subjektiv wahrgenommen und als Ausdruck von Staatsversagen interpretiert werden, wodurch sie zur politischen Entfremdung beitragen. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland (53,2 Prozent) ist mit der Daseinsvorsorge im eigenen Umfeld zufrieden. Obwohl die Bewertung in urbanen Umfeldern (55,2 Prozent Zufriedene) positiver ausfällt als im ländlichen Raum (45,1 Prozent Zufriedene), seien diese Unterschiede laut der Studie vergleichsweise gering.
Zusammenhang
Deutlicher zeigten sich parteipolitische Disparitäten in der Bewertung: „Allein in der AfD-Anhängerschaft überwiegt der Anteil, der die Daseinsvorsorge negativ einschätzt, die Zufriedenen“, eine „enorme Diskrepanz zu den Einschätzungen der in der politischen Mitte verorteten Wählerschaften“.