Sterben wirklich Menschen vorzeitig durch Stickoxide? Nach Ansicht von Statistik-Professor Walter Krämer gibt es für Zahlen, die Stickoxide für Todesfälle verantwortlich machen, keine wissenschaftliche Grundlage. Foto: dpa

Er kennt sich bestens aus in der Welt der Zahlen: 29 Jahre lang hat Walter Krämer als Statistik-Professor gearbeitet und zahlreiche Beststeller über die Manipulation mit Zahlen geschrieben. Nun beschäftigt er sich mit den Zahlen, auf deren Basis in Deutschland bald Fahrverbote verhängt werden sollen. Sein Urteil fällt vernichtend aus.

Stuttgart - Der Wirtschaftsprofessor und Statistikexperte Walter Krämer hält die Grenzwerte für Stickoxide, deren Überschreitung Fahrverbote nach sich ziehen soll, für wissenschaftlich nicht haltbar. Statistiken, die einen Zusammenhang zwischen dem Stickoxidgehalt der Luft und Tausenden vorzeitigen Todesfällen herstellten, hätten keine seriöse methodische Basis, sagte Krämer unserer Zeitung. Schließlich unterscheide sich das Leben in der Stadt und auf dem Land nicht nur durch den Stickoxidgehalt der Luft, sondern auch durch viele andere Faktoren. Studien, die Stickoxide für Todesfälle verantwortlich machten, seien daher „reine Panikmache“. Sicher sei nur, dass die Luft immer sauberer werde und die Menschen zugleich immer länger lebten.

„Die Luft wird immer sauberer, doch der Eindruck ist ein anderer“

Die Grenzwerte seien auf Druck von Interessengruppen zustande gekommen, die den Autoverkehr aus den Städten verbannen wollen. „Sie sind politisch gesetzt und werden wissenschaftlich bemäntelt“, sagte Krämer, der 29 Jahre lang als Ordentlicher Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Dortmund tätig war.

Die starke Senkung der Grenzwerte verzerre zudem das Bild. Die Autos seien zwar sauberer geworden, doch noch schneller seien die Grenzwerte gesunken. „Bevor der Diesel sie erreicht, werden einfach die Grenzwerte gesenkt – so lange, bis sie wieder überschritten werden.“ Dadurch entstehe der Eindruck, die Luft werde immer dreckiger, obwohl das Gegenteil der Fall sei. Auch das Bundesverwaltungsgericht habe sich keine Gedanken darüber gemacht, dass die Grenzwerte willkürlich zustande gekommen sind und kaum etwas mit der Gesundheit zu tun hätten, mit der sie begründet würden.

Am Stuttgarter Neckartor ist die Zahl der sogenannten Überschreitungsstunden beim Stickstoffdioxid seit 2006 von 853 auf 3 gesunken, die der Überschreitungstage beim Feinstaub von 175 auf 45.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: