Wie KI dabei hilft, das Umfeld eines autonomen Fahrzeugs zuverlässiger zu erkennen, wird in Renningen erforscht. Das weckt Ministeriumsinteresse.
Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut kommt zum Termin auf dem Renninger Forschungscampus von Bosch im Ministerfahrzeug, Mercedes, Modell EQS. Das ist passend, weil es bei ihrem Besuch, der Teil einer größeren Runde durch den Landkreis Böblingen ist, um autonomes Fahren gehen soll, und besagter Mercedes eben jenes zumindest eingeschränkt kann. Es heißt aber nicht, dass die Limousine ständig auf Autopilot fährt: „Es ist uns nur einmal gelungen, diesen Zustand zu erzeugen“, berichtet Hoffmeister-Kraut.
Dass die Sache mit dem autonomen Fahren nicht mehr Zukunftsmusik ist, sondern schon Realität, wird nicht nur bei dieser Erzählung klar, sondern auch bei den Ausführungen der Bosch-Experten, selbstredend am Modell. Das Bosch-Testauto ist von oben bis unten mit Sensoren versehen: Kameras an Rückspiegeln und an der Heckscheibe, Radarsensoren und Laserscanner, die das Umfeld des Autos abtasten. „Das sieht zugegebenermaßen anders aus als im Autohaus“, sagt Claudius Gläser, der bei der Forschungstochter Bosch Research im Bereich Autonomes Fahren arbeitet.
Was, wenn die KI sich täuscht?
Mit dem Testauto ist Bosch Research nicht nur auf Teststrecken unterwegs: Gläser zeigt auf einem großen Bildschirm, welche Daten die Sensoren etwa bei einer Fahrt über die Autobahn aufzeichnen und verarbeiten. Nicht immer liefern die drei Sensorarten auch gleichwertig zuverlässige Infos: Bei tief stehender Sonne etwa funktioniert der Radar besser, im Tunnel wieder die Kamera. Welche Quelle in welchem Fall herangezogen werden soll, wird bei Bosch inzwischen nicht mehr händisch codiert, stattdessen entscheidet eine Künstliche Intelligenz.
Und was, wenn die KI sich täuscht? „Wir müssen damit umgehen, dass solche Irrtümer, die in solchen Netzen vorkommen, nicht zu Unfällen führen“, erklärt Axel Schwarz, Vizepräsident für strategische Forschung. Eine besondere Herausforderung sind unübersichtliche Verkehrssituationen, wie in Städten. Die Marktfähigkeit von autonomem Fahren sei weniger eine Frage der Technologien, sondern eher eine Frage der Freigabe, sagt auch Thomas Kropf, Leiter von Bosch Research. „Wer unterschreibt nachher, wenn ein Fehler passiert?“ Und es gibt die Sache mit dem Preis: Autonome Fahrsysteme würden derzeit ordentlich kosten, es sei also auch eine wirtschaftliche Frage, sagt Axel Schwarz. „Technologisch geht es.“
Autonomes Fahren ist keine Zukunftsmusik mehr
Bereits heute finden Technologien des autonomen Fahrens konkrete Anwendung, Fahrassistenzsysteme, die automatisch Spuren und Abstände halten etwa. Mit der Forschung bei Bosch Research könnte man außerdem schon heute die Qualität der existierenden Assistenzsysteme verbessern, so Schwarz. Reichlich praktische Anwendung findet die Forschung also – auch, wenn bei Bosch autonomes Fahren bis hin zu vollständigen Autopiloten erforscht wird.
Klar ist aber auch: Der Markt in Deutschland und Europa steht unter Druck, durch San Francisco oder Shenzhen in China rollen selbstfahrende Taxis wie selbstverständlich. Und der Fachkräftemangel ist auch im technologiestarken Ländle zunehmend ein Problem. Schwierigkeiten wie diese sind auch Thema beim Besuch von Nicole Hoffmeister-Kraut, wenngleich ein betont zuversichtlicher Ton herrscht. „Wir haben ein Ökosystem, dass uns stark macht“, sagt Hoffmeister-Kraut. Sie sei überzeugt, dass man den Wandel erfolgreich gestalten werde, nicht zuletzt mit Zulieferern wie Bosch. Herausfordernde Zeiten? Ja, findet die Ministerin. „Aber wir werden uns behaupten.“