Mathematik-Superstar Cédric Villani und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. Foto: Oliver Willikonsky/Lichtgut

Mit Frankreich in eine glorreiche digitale Zukunft: So stellen sich Frankreichs Mathematik-Superstar Cédric Villani und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut eine mögliche Allianz bei der Künstlichen Intelligenz vor.

Stuttgart - Die Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg, Nicole Hoffmeister-Kraut, will die Kommerzialisierung von Künstlicher Intelligenz im Land massiv vorantreiben. „Uns muss allen bewusst sein, dass es hier um einen gewaltigen Markt geht. Bis 2030 soll KI rund 13 Billionen Dollar zur weltweiten Wertschöpfung beitragen – das müssen wir nutzen“, sagte Hoffmeister-Kraut im Interview mit unserer Zeitung. Man müsse die Stärke aus der Grundlagenforschung für Anwendungen in der Massenproduktion und Medizin ausspielen und sich künftig stark auf die Anwendungen fokussieren. Auch kleineren Unternehmen müsse man es ermöglichen, KI-Anwendungen umzusetzen, betonte Hoffmeister-Kraut. „Bisher haben wir noch die Schwäche, dass nicht genügend Produkte daraus entstehen. Wenn wir bei dieser Welle nicht mitmachen und nicht mitgestalten, werden wir massiv gegenüber China und den USA zurückfallen.“

Als Schlüsselprojekt im Land sieht die Ministerin das „Aktionsprogramm KI für den Mittelstand“, mit dem ein landesweites Netz von KI-Laboren für Unternehmen geschaffen werden soll. Außerdem baut der Technologiebeauftragte des Landes, Wilhelm Bauer, derzeit eine Innovationsplattform KI auf. Sie soll Start-ups, Mittelständlern und Konzernen Impulse für die Nutzung von KI bei neuen Produkten und Geschäftsmodellen geben und das Land international besser zu positionieren. Für beide Projekte stehen allerdings nur einige Millionen Euro zur Verfügung.

Frankreich soll der starke Partner sein

Frankreich sieht die Wirtschaftsministerin als starken Partner. Sie forderte, dass der Bund die Pläne für ein deutsch-französisches Zentrum für KI möglichst schnell umsetzen müsse. Das würde auch Cédric Villani, der Berater des französischen Emmanuel Macron, begrüßen, wie er im Interview mit unserer Zeitung sagte. „Es gibt in Baden-Württemberg und Frankreich so viele fähige Experten und technische Expertise. Wir müssen nur zusammenarbeiten und es zusammen anpacken!“

Hoffmeister-Kraut und Villani forderten, Algorithmen transparent zu machen und sie unabhängig zu testen, um zum Beispiel Diskriminierungen bei der Bewerbersuche zu vermeiden. „Wir brauchen eine Algorithmen-Polizei, welche Künstliche Intelligenz testet – etwa daraufhin, ob eine Diskriminierung bestimmter Gruppen stattfindet“, so Villani, der für Macron auch eine KI-Strategie konzipiert hat. Das sei möglich, ohne die Geschäftsgeheimnisse von Firmen zu verraten und im akademischen Bereich übliche Praxis.

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