Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut bei einer Podiumsdiskussion. (Archivfoto) Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die landespolitische Quereinsteigerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) findet sich in der Rolle als Wirtschaftsministerin immer besser zurecht. Lob gibt es vor allem von Unternehmern – nur wenige aus den eigenen Reihen murren.

Stuttgart - Es war Anfang August 2016, als die damals neue Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) im Rahmen ihrer viertägigen Sommerreise durchs Land einen Stopp in Schwanau im Ortenaukreis einlegte. Sie besuchte dort den Tunnelbauspezialisten Herrenknecht. Martin Herrenknecht, Gründer und Vorstandschef des Weltmarktführers, erzählte ihr die Geschichte seines Unternehmens, reich garniert mit Anekdoten. So habe er als Jungunternehmer auf einer Delegationsreise mit dem damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth vor einer Moschee die Schuhe ausziehen müssen und sei in löchrigen Socken dagestanden. Späth soll ihm gesagt haben, wenn er wieder mal mitwolle, müsse er ihm künftig vor dem Abflug seine Socken zeigen.

Am Ende seines Vortrags gab Herrenknecht der Ressortchefin aber auch ernsthafte Botschaften mit. Er betonte, dass er sich eine Wirtschaftsministerin wünsche, die die Belange der Wirtschaft und des Mittelstands wieder ernst nehme. Hoffmeister-Kraut, damals erst wenige Monate im Amt, lauschte – versprach aber nichts.

Gespür für Mittelstand

Heute, fast ein Jahr später, scheint Herrenknechts Wunsch in Erfüllung gegangen zu sein. Aus den Wirtschaftsverbänden erhält die 44-Jährige Bestnoten. Dort heißt es, sie sei kompetent, spreche die Sprache der Wirtschaft und habe nicht nur ein offenes Ohr, sondern auch ein Gespür für die Anliegen der Mittelständler. Was wohl vor allem daran liegt, dass die promovierte Betriebswirtin früher für eine Wirtschaftsberatungsgesellschaft arbeitete und aus der Unternehmerfamilie Kraut stammt, der der Waagenhersteller Bizerba gehört.

Aber auch auf politischer Ebene findet sie sich immer besser zurecht, nachdem sie 2016 als Landtagsneuling ganz ohne Seilschaften nach Stuttgart kam. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), so heißt es, schätze ihre sachorientierte, pragmatische Art. Auch bei vielen anderen Kabinettsmitgliedern kommt die politische Quereinsteigerin gut an.

Leise Kritik von alten CDU-Mitgliedern

Manch ein Alt-CDUler hingegen vermisst bei Hoffmeister-Kraut „nach wie vor den politischen Instinkt“. Sie dürfe sich von grün-geführten Ministerien nicht alles gefallen lassen und müsse CDU-Interessen entschiedener vertreten, sagt einer mit Blick auf angedrohte Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Auch einige Abgeordnete in der eigenen Fraktion grummeln noch immer – wohl auch, weil sie sich das Amt als Minister zugetraut hätten. Sie mache „einen hervorragenden Job“, sei engagiert und präsent, sagt ein anderer.

Nur ab und zu erklärt Kretschmann ihre Themen zur Chefsache und drängt sie in den grünen Schatten. Dass der Regierungschef sich im Frühjahr eher spontan der Wirtschaftsdelegationsreise zur Start-up-Nation Israel anschloss oder just an dem Tag das Daimler-Werk in Untertürkheim besuchte, um sich die neue Dieseltechnologie vorführen zu lassen, als Hoffmeister-Kraut einen Branchendialog veranstaltete, irritierte die Ministerin dem Vernehmen nach gewaltig.

Grundsätzlich ist es jedoch nicht ungewöhnlich, dass sich der Ministerpräsident wichtiger Wirtschaftsthemen annimmt. Das war in früheren schwarz-gelben Zeiten so. Und daran hat sich auch bei Grün-Schwarz nichts geändert – sei es beim Wandel in der Automobil- und Mobilitätsbranche, sei es bei der Förderung einer neuen Gründerkultur. Neu ist eben, dass der Ministerpräsident ein Grüner und das Wirtschaftsressort in CDU-Hand ist.

Start-up-Förderung ein wichtiges Thema

Der Ärger über die Terminkollision ist im Wirtschaftsressort inzwischen verraucht. An diesem Freitag treten Kretschmann und Hoffmeister-Kraut wieder mal gemeinsam auf – beim Start-up-Gipfel in Stuttgart. Eine hohe Gründungsdynamik ist für die Wirtschaftsministerin eines der zentralen Themen für einen auch in Zukunft starken Wirtschaftsstandort. Dafür ist sie auch bereit, mehr Geld auszugeben – ebenso wie für die Digitalisierung von bestehenden kleinen und mittleren Unternehmen. „Wir haben ein starkes digitales Gefälle im Land“, sagt sie.

Weil die Haushaltsverhandlungen anstehen, kann es Hoffmeister-Kraut zumindest diesmal nur recht sein, dass auch den Regierungschef die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg umtreibt.

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