Die Leute halten ihr Geld zusammen – daran ändern auch Rabatte nichts. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Deutschlands Konjunkturhoffnungen schwinden. Auch der private Konsum schwächelt – trotz höherer Löhne. Die Zeichen stehen auf Krise, sagt Finanzexperte Hannes Breustedt.

Nach dem Optimismus im Frühjahr und Hoffnung auf ein wirtschaftliches Sommermärchen stehen die Zeichen in Deutschland wieder auf Krise. Das Ifo-Geschäftsklima – der wichtigste konjunkturelle Frühindikator – ist inzwischen seit vier Monaten im Sinkflug. Jetzt folgte ein heftiger Dämpfer beim Konsumklima. Die Chancen auf einen Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte schwinden. Deutschland drohen erneute „kranker Mann Europas“-Debatten.

 

Jobängste machen den Leuten zu schaffen

Dabei ist die schlechte Konsumstimmung besonders bitter. Denn eigentlich sollten die Verbraucherausgaben das Wachstum nach starken Lohnabschlüssen und deutlichen Rückgängen der Inflationsrate ordentlich anschieben. Andere Stützen der Wirtschaft, wie Außenhandel, Bau und Investitionen, fallen ohnehin aus. Nun wird immer klarer: Trotz kräftiger Anstiege der Reallöhne kommt auch die Kauflaune nicht richtig in Gang.

Im zweiten Quartal ging der private Konsum im Vergleich zum vorherigen Vierteljahr um 0,2 Prozent zurück. Statt der erhofften positiven Impulse trugen Deutschlands Verbraucher zur Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei. Auch der Ausblick ist trüb. Dem GfK-Konsumklima zufolge treiben Job- und Pleiteängste die Menschen um, sie halten ihr Geld lieber zusammen.

Wie bei den Unternehmen, die Investitionen scheuen, ergibt sich ein Gesamtbild von Verunsicherung und Pessimismus. Nach einem hoffnungsvollen Auftaktquartal ist die deutsche Wirtschaft wieder da, wo sie vor einem Jahr schon war: Festgefahren in der Stagnation, ein Bremsklotz für die Eurozone. Rückenwind könnten weitere Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) entfachen. Doch selbst dann ließe sich frühestens 2025 auf eine Trendwende hoffen.