Im Synergiepark sieht die Stadt weiteres Potenzial für Gewerbeansiedlungen. Foto: Th. Krämer

Auf den Fildern hat die im Gemeinderat beratene Entwicklungskonzeption Wirtschaftsflächen für Stuttgart (EWS) viel Kritik geerntet. Vor allem die Vaihinger sehen kritisch, dass in ihrem Stadtbezirk noch viel Potenzial für Gewerbeentwicklung gesehen wird. Doch nicht nur das sorgt für Unmut.

Möhringen - Ulrich Bayer (CDU) und Michael Mehling (FDP) vom Bezirksbeirat Vaihingen brachten es auf den Punkt. „Ich lehne die Veranstaltung ab“, sagte Bayer, „ich fang mit dem Ganzen nichts an“, klagte Mehling. Sie äußerten ihr Unverständnis über die jetzt erfolgte Information der Filder-Bezirksbeiräte zur Entwicklungskonzeption Wirtschaftsflächen für Stuttgart (EWS). Die Räte kritisierten die späte Information, nachdem das Thema im Gemeinderat bereits „abgevespert“ sei. Mehling ärgerte auch, dass Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) fehlte. Insgesamt, das machten viele Beiträge nach der EWS-Präsentation mit einem Filder-Fokus durch Hermann-Lambert Oediger von der Abteilung Stadtentwicklung und dessen Kollegen Frank Gwildis deutlich, fühlen sich die Bezirksbeiräte übergangen.

Um was geht es bei der Konzeption?

Die EWS zeigt explizit Entwicklungslinien, Handlungsfelder und Strategieansätze für eine nachhaltige Gewerbeentwicklung in Stuttgart bis 2030 auf. Dabei soll vor allem das Potenzial bestehender Flächen für Gewerbeansiedlungen genutzt werden. Im Filderbereich mit 134 000 Einwohnern waren 2014 mehr als 75 000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, vorwiegend in 16 Arbeitsstättengebieten mit 280 Hektar Fläche. Hier sieht die Stadt aber weiteres Potenzial. Vor allem im Synergiepark.

Was bewegt die Vaihinger Räte?

Vor allem die Bezirksbeiräte aus Vaihingen machten bei der gemeinsamen Filder-Bezirksbeiratsitzung in Möhringen, die von Degerlochs Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold geleitet wurde, ihrem Ärger Luft. Die auf der Basis von 2014 bestehende Planung gehe angesichts der aufkommenden Rezession an der Realität vorbei. Vaihingen werde mit der Allianz-Ansiedlung erheblich belastet, der Verkehr kaum beachtet, so Christa Tast (Grüne). Dies ergänzend zu den bestehenden und weiter wachsenden Ansiedlungen von Gewerbe und Hochschulen. Gerhard Wick (SÖS/Linke-Plus) verwies auf das Missverhältnis von rund 46 000 Einwohnern und 70 000 Arbeitsplätzen in Vaihingen. „Ein solches gibt es kaum in einer anderen Stadt in Baden-Württemberg.“ Wick lehnt die EWS auch ab, weil „mich der Eindruck beschleicht, dass man hier von den Veränderungen des Klimawandels nichts gehört hat“. Die Studie weise mit rund 145 Hektar ein zu großes Flächenpotenzial aus. Volker Schweizer (Grüne) fordert, dass das Wohnen stärker berücksichtigt wird, „denn in Stuttgart fehlen vor allem Wohn-, nicht Gewerbeflächen“.

Welche Sorge haben Möhringer Räte?

Petra Leitenberger (Grüne) aus Möhringen fordert ein größeres Augenmerk auf landwirtschaftliche Flächen, es könne nicht immer alles nur zulasten von Anbauflächen gehen. Sie hätte gerne für diesen Bereich ein entsprechendes Entwicklungskonzept. Ratskollege Fred Wagner (CDU) möchte indes „nicht in die Situation kommen, dass Gewerbeflächen fehlen und Firmen abwandern“. Er sieht aber auch Wohnraum-Bedarf, unter anderem, wenn die Fläche an der Plieninger Straße 140 neu bebaut werde. Zudem klemme es bei der interregionalen Zusammenarbeit.

Was beschäftigt die Räte aus Plieningen und Birkach?

Die Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen halten die Plieninger für wichtig, wie Gerd Hütter (SÖS) und Ulrich Berger (SPD) verdeutlichten. Berger könnte sich zudem vorstellen, Wohnen und Arbeiten auch in Gebieten wie Am Wolfer und Entenäcker zu ermöglichen, wenn dies Entlastungen bringe.

Was stört die Sillenbucher?

Der Sillenbucher Bezirksbeirat Philipp Kordowich (CDU) sieht seinen Bezirk ohne Gewerbefläche im Hintertreffen. Dass der Bezirk aber stark durch Lkw-Verkehr belastet ist, stört ihn. Jürgen Frick (Grüne) sieht vor allem bei den bislang eingeschränkten Verkehrszeiten der U 8 Nachholbedarf. Der Kreativwirtschaft, die gefördert werden soll, kämen diese keineswegs entgegen.

Wie sieht es in Degerloch aus?

Robert Kuncewicz (CDU) vom Bezirksbeirat Degerloch findet gut, dass bei der EWS auf die Start-up- und Gründerszene ein besonderes Augenmerk gelegt wird, da Stuttgart im Vergleich zu vielen anderen Städten in diesem Bereich laut Oediger Nachholbedarf habe. Man beschränke sich generell nicht nur auf gewachsene Entwicklungsachsen, machte der Planer auf Nachfrage Karin Amlers (Grüne) deutlich. Alle Potenziale seien im Blick.

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