Sehr zur Freude der Bauern werden zu Halloween zahlreiche Kürbisse in freundliche Geister verwandelt. Foto: dpa-Zentralbild

Kostüme, Kürbisse, Süßigkeiten: Halloween hat sich in Deutschland zu einem riesigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Hersteller von gruseliger Verkleidung und Schminke machen das größte Geschäft, und selbst Bauern profitieren.

Stuttgart - Wenn am 31. Oktober wieder Gespenster und Hexen an den Türen Süßes fordern und mit Saurem drohen, dann gibt es rund um das Spektakel viele Profiteure: Spielwarenhändler verkaufen Zombiekostüme, Süßwarenhersteller Monsteraugen aus Fruchtgummi, Freizeitparks verlängern mit diversen Aktionen ihre Saison. 200 Millionen Euro, so schätzt die Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwarenindustrie, werden hierzulande zu Halloween umgesetzt – quer durch mehrere Branchen. „Halloween war in Deutschland vor 20 Jahren noch relativ unbekannt. Nun ist es ein richtiger Wirtschaftsfaktor“, sagt Dieter Tschorn von der Fachgruppe Karneval.

Tschorn und seine Kollegen sind es auch, die für sich beanspruchen, den Halloweenkult nach Deutschland gebracht zu haben. Und diese Geschichte geht so: Im Jahr 1991 fiel in Deutschland der Karneval aus. Wegen des ersten Golfkrieges hatten die Narren keine Lust zu feiern und die Rosenmontagsumzüge in den Hochburgen Köln und Düsseldorf wurden abgesagt – mit extremen Auswirkungen auf die Spielwarengeschäfte. In deren Regalen blieben die Kostüme massenweise liegen. „Auch die Hersteller bekamen erhebliche wirtschaftliche Probleme“, erzählt Tschorn.

500 000 Kostüme werden jedes Jahr verkauft

So gründete sich die Fachgruppe Karneval mit der Idee, den Gruselbrauch aus den USA und Irland nach Deutschland zu importieren. „Wir wollten den geschäftlichen Misserfolg wieder wettmachen“, sagt Tschorn. Außerdem sah man in dem Fest das Potenzial, neben der Karnevalsaison ein zweites Standbein für Hersteller und Händler zu werden. Vier Jahre habe es gedauert, in denen Tschorn jedes Jahr Ende Oktober die Werbetrommel für das Fest rührte – „und dann wurde Ende der Neunziger aus Halloween Hallowahn.“

Vor allem diejenigen, für die die Aktion ursprünglich gedacht war, freuen sich über den Boom: die Kostümhersteller. Die Mitgliedsunternehmen der Fachgruppe – die etwa 70 Prozent des hiesigen Kostümmarktes vertreten – haben 2015 rund um den 31. Oktober knapp 28,9 Millionen Euro umgesetzt. Damit liegen die Umsätze knapp eine Million Euro über dem Vorjahr. Dafür gingen hierzulande etwa 320 000 Erwachsenenkostüme, 295 000 Kinderkostüme, 124 000 Perücken, 200 000 Hüte, 837 000 Schminksets und über 4,8 Millionen gruselige Accessoires über den Ladentisch. Für 2016 rechnet man in der Branche mit einem ähnlichen Resultat.

Im Europapark ist Halloween der Renner

Dass der Brauch untrennbar mit Kinderhorden verbunden ist, die von Tür zu Tür ziehen und Süßigkeiten sammeln, merken natürlich auch die Süßwarenhersteller. Der Wochen-Absatz in der Halloweenwoche stieg 2015 gegenüber der Vorwoche laut dem Marktforschungsinstitut IRi bei kleinteiligen Artikeln um etwa 18 Millionen Euro. Ein großer Teil dieser Süßigkeiten dürfte in den Taschen der Halloween-Kinder gelandet sein.

Auch deutsche Freizeitparks machen ein gutes Geschäft mit Halloween. Der größte Vergnügungspark, der Europapark in Rust bei Freiburg, hat sein Gelände mit Hunderttausenden von Kürbissen, Äpfeln, Maisstauden und Strohballen geschmückt – und lockt seine Besucher seit 1998 mit Shows und Attraktionen rund um das Gruselfest. „Der Oktober hat sich mit der Einführung von Halloweenthemen zum besucherstärksten Monat nach dem August entwickelt“, berichtet Dominik Seitz vom Europapark.

Auch die Kürbis-Bauern freut’s

Und auch die deutschen Bauern freut’s – ist doch der ausgehöhlte Kürbis mit eingeschnitzter Fratze und Teelicht das Symbol des ursprünglich keltischen Festes. Von dem orangefarbenen Gemüse – früher als Arme-Leute-Essen gebrandmarkt – gibt es inzwischen etwa 800 Arten. Allein im September und Oktober 2015 gelangten 19,9 Millionen Tonnen in die privaten Haushalte, ein Zuwachs gegenüber 2014 von rund 20 Prozent.

Dennoch: Halloween hat hierzulande noch lange nicht die Bedeutung wie in den USA. Dort ist das Gruselfest in Sachen Kommerz neben Weihnachten einer der wichtigsten Bräuche. Die Amerikaner geben für Kostüme, Deko und Süßes laut dem US-Einzelhandelsverband NRF durchschnittlich sieben Milliarden Dollar ausgeben. Dabei werden auch das eigene Heim und sogar Haustiere gruselig zurechtgemacht. Davon ist man hier nach Einschätzung des Handelsverband Deutschland (HDE) noch weit entfernt. „Halloween liefert wichtige Impulse für den Handel, aber man darf es nicht überbewerten“, sagt Stefan Hertel vom HDE. Mit Ostern oder gar Weihnachten könne sich Halloween in Deutschland nicht messen.

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