Ein Blick in die Produktion des Ostfilderner Familienunternehmens Pilz im Nellinger Gewerbegebiet. Foto: Pilz GmbH & Co. KG

Wegen der Wirtschaftskrise fallen beim Familienunternehmen Pilz in Ostfildern 137 Stellen weg. Betriebsrat und IG Metall hatten für eine andere Lösung plädiert.

Über den Stellenabbau bei dem Ostfilderner Automatisierungsunternehmen Pilz ist Max Czipf, Erster Bevollmächtigter der IG Metall im Kreis Esslingen, sehr betroffen. In den nächsten Monaten fallen dort deutschlandweit 137 Stellen weg. Wie viele Mitarbeiter am Stammsitz in Ostfildern gehen müssen, ist nicht bekannt. Der Betriebsrat ist froh, dass für die Betroffenen der Übergang mit einer Transfergesellschaft erleichtert wird.

 

Die Krise im Maschinenbau hat für das Familienunternehmen gravierende Folgen. Neben Sensorik gehören Antriebs- und Steuerungstechnik zu den Arbeitsgebieten. „Es werden in Deutschland in den nächsten Monaten etwa 137 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sozialverträglich ausscheiden“, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Der Abbau beginnt im Mai. Die anhaltend schlechte konjunkturelle Situation in Deutschland und Europa zwinge Pilz dazu, jetzt Stellen abzubauen. Betroffen seien alle Bereiche und Standorte von Pilz in Deutschland. Insgesamt seien zum 31. März dieses Jahres 1079 beim Unternehmen hierzulande beschäftigt gewesen. Weltweit beschäftigt Pilz an 42 Standorten insgesamt 2500 Mitarbeitende, wie es auf der Homepage heißt.

Betriebsrat und IG-Metall wollten andere Lösung

Der Betriebsrat hofft, dass für die betroffenen Mitarbeitenden „ein milder Übergang möglich ist“, berichtet Helmut Erhart. Die Arbeitervertreter hatten im Schulterschluss mit der IG Metall eine andere Lösung vorgeschlagen. Über die Reduzierung von Arbeitszeit und Gehaltsverzicht und andere Leistungen der Arbeitnehmer habe man Arbeitsplätze retten wollen. Im Gegenzug wollte man die Tarifbindung erreichen. „Denn wenn die Stellen erst weg sind, ist der Wiederaufbau schwer.“ Da sei die Bereitschaft in der Belegschaft angesichts der Wirtschaftslage „sehr groß“ gewesen. Für diese Lösung habe sich die Geschäftsführung nicht entschieden.

Das Familienunternehmen Pilz in Ostfildern ist weltweit tätig. Foto: Pilz

„Wir hätten uns die andere Lösung gewünscht“, sagt Max Czipf. Obwohl das Unternehmen nicht tarifgebunden ist, kümmert sich die Gewerkschaft um die Mitarbeiter. Ein Teil der Belegschaft von Pilz ist in der Gewerkschaft organisiert. Angesichts der Wirtschaftslage „war diese Entwicklung vorauszusehen“, sagt Max Czipf. Der Vertreter der IG Metall berichtet von „intensiven Gesprächen mit der Geschäftsführung“, die sich dafür viel Zeit genommen und sich offen für Anregungen gezeigt habe. Er kämpfe weiter dafür, dass Pilz sich für die Tarifbindung entscheidet. Der Sprecher der Gewerkschaft geht davon aus, dass sich die Krise im Maschinenbau weiter verschärft.

Gemeinsam hätten die Geschäftsleitung und der Betriebsrat eine sozialverträgliche Lösung zur Umsetzung gefunden, teilte der Sprecher der Firma Pilz in Ostfildern mit. „Details dazu geben wir nicht bekannt“, so das Unternehmen. Schon seit zwei Jahren kämpft die Firma Pilz nach eigenen Angaben mit „der allgemein schwierigen wirtschaftlichen Lage“, der es jetzt Rechnung zu tragen gelte.

Nach der Entlassung gilt es, neue Arbeitsplätze für die Betroffenen zu finden

Um die Männer und Frauen aufzufangen, die ihre Jobs verlieren, bietet die Gewerkschaft IG Metall für ihre Mitglieder unter anderem umfassende Rechtsberatung an. „Das ist in einer solchen Situation besonders wichtig.“ Es wird nach Helmut Erharts Worten eine Transfergesellschaft geben, „die aus der Region kommt.“ Er ist überzeugt, dass das den Mitarbeitenden Perspektiven öffnet. Ein großes Plus ist nach Max Czipfs Worten „gerade das Netzwerk, das wir bieten.“ Bei der Suche nach einer neuen Stelle im Kreis Esslingen wollen die IG Metall und der Betriebsrat den Betroffenen zur Seite stehen und laut Erhart „innovative Lösungen“ suchen.