Viele freie Plätze: Der Lockdown infolge der Corona-Pandemie macht den Ludwigsburger Gastwirten schwer zu schaffen Foto: factum/Simon Granville

„Viele sind schon in Not“, schreibt der Innenstadtverein Luis über die Situation von Ludwigsburgs Gastronomen. Die Stadt erlässt den Wirten jetzt einen Teil der Gebühren, die sie für die Außenbewirtschaftung berappen müssen.

Ludwigsburg - Es ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber dennoch ein Signal an die Corona-gebeutelten Ludwigsburger Gastronomen: Sie bekommen für das laufende Jahr insgesamt 75 Prozent der Gebühren, die sie für die Nutzung von öffentlichen Flächen zur Außenbewirtung bezahlen müssen, erlassen. Auch Geschäfte, die Warenauslagen und Stehtische auf einer öffentlichen Fläche haben, profitieren von dem Beschluss, den der Gemeinderat am Mittwoch fasste. Die Stadt verzichtet damit auf knapp 100 000 Euro an Einnahmen.

Komplettschließungen wegen des Lockdowns, in der Folge Kurzarbeit oder gar der Zwang, Personal entlassen zu müssen: Die Gastronomie gehört zu den von der Pandemie existenziell getroffenen Branchen. „Viele sind schon in Not, manche haben zusätzliches Kapital auf eigenes Risiko mit in den Betrieb genommen, um die Zeit zu überstehen“, schreibt der Innenstadtverein Luis in einem Brief an die Stadt. „Für jeden zählt jeder Euro, den wir nicht ausgeben müssen, doppelt.“

Lieber etwas großzügiger

Auch jetzt, da Restaurants, Gaststätten und Cafés wieder offen sind, gibt es noch strenge Auflagen: Unter anderem schreibt die Corona-Verordnung Abstände vor. Weniger Gäste können bewirtet werden. Damit Betriebe das kompensieren können, hat die Stadt – wo möglich – die Erweiterung der Außenflächen freigegeben. Um die Gastronomen zusätzlich zu unterstützen, wollte ihnen die Stadt die Sondernutzungsgebühren teils erlassen – für drei bis fünf Monate, je nachdem, wie viel Möglichkeiten zur Ausdehnung der Außenflächen die Wirte haben. Läden, die einen Teil ihrer Waren open air feilbieten, sollten für zwei Monate von den Gebühren befreit werden. Die Stadträte fanden das angesichts der existenziellen Sorgen der Gastwirte nicht nur richtig – sie wollten es sogar noch etwas großzügiger haben.

„Wir könnten bis Ende des Jahres ganz auf die Gebühren verzichten, wie andere Städte es auch tun“, fand der Grünen-Fraktionschef Michael Vierling. Das forderten auch die Freien Wähler in einem Antrag. Edith Klünder (CDU) sagte, andere Branchen litten in ähnlichem Ausmaß wie die Gastronomie, doch diese habe „die besten Chancen auf eine Zukunft“. Es sei fairer, alle für einen gleich langen Zeitraum zu entlasten.

Einerseits sparen, andererseits unterstützen

Es sei ein Zwiespalt, sagte der Oberbürgermeister Matthias Knecht: „Natürlich wollen wir unsere Wirtschaft unterstützen. Andererseits sparen wir gerade an jeder Stelle.“ Und wenn man ein Einsparziel von rund 30 Millionen Euro erreichen wolle, dann „tun uns auch 100 000 Euro weh“. Schmerzlich sei aber auch die Vorstellung, dass vielen Ludwigsburger Gastronomen die Insolvenz drohe.

Beschlossen wurde ein Kompromiss: Sowohl Gastronomen als auch Gewerbetreibende mit Warenauslagen bekommen 75 Prozent Nachlass. Mit dem Unterschied, dass bei der Gastronomie der Berechnung acht Monate zugrundeliegen, bei den Warenauslagen zwölf Monate.

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