Die Tunesierin Nouha Schönbrunn hat mit ihrem Mann eine Firma gegründet, die auf IT-Sicherheit spezialisiert ist. Das Büro ist im Gewerbegebiet Neue Ramtelstraße.
Nouha Schönbrunn führt durch die weitläufigen, etwa 600 Quadratmeter großen Geschäftsräume im sechsten Stock eines halbrunden Bürogebäudes in der Leonberger Riedwiesenstraße. Hier ist viel Platz für Besprechungen, Schulungen und die alltägliche Arbeit. Ein Kinderzimmer mit Spielsachen gibt es auch – familienfreundliches Arbeiten wird großgeschrieben. An den Wänden hängt nicht nur ein imposantes Schwarz-Weiß-Foto des Leonberger Marktplatzes, sondern auch einige Motive der tunesischen Heimat der 32-jährigen Geschäftsführerin. Sie leitet mit ihrem Mann Jan-Sebastian die Schönbrunn TASC GmbH, die sich auf IT-Sicherheit spezialisiert. TASC steht für Training, Audit, System und Consulting und bildet die vier Säulen im Angebot des Unternehmens. „Wir bieten das gesamte Portfolio im Bereich der Informationssicherheit an. Von der Beratung über die Implementierung von Systemen und Know-how bis zur anschließenden Begleitung im Alltag“, sagt Nouha Schönbrunn.
„Vor allem der Mittelstand muss noch einiges tun, denn das Thema Sicherheit wird immer relevanter, doch viele denken, sie sind zu klein und daher keinem Risiko ausgesetzt“, sagt Schönbrunn. Was ein großer Irrtum sei, wenn sie sich die in die Jahre gekommenen Server, die veraltete Software oder die Betriebssysteme anschaue. Dort sei das gesamte Wissen einer Organisation gespeichert – und vielleicht noch nie nach Fehlern oder möglichen Schwachstellen untersucht worden. „Es besteht immer die Möglichkeit, dass Daten verloren gehen oder Hacker am Werk sind. Unsere Erfahrung ist aber, dass viele Unternehmer das Thema IT-Sicherheit als notwendiges Übel sehen“. Das will sie mit ihren Kunden gemeinsam ändern. Denn: Viele Unternehmen würden immer mehr Sicherheitsauflagen von ihren Auftraggebern bekommen.
Nouha Schönbrunn arbeitet in einem von Männern dominierten Beruf. Laut einer Cyber-Security-Studie aus dem Jahr 2024 liegt der Anteil von Frauen in diesem Bereich weltweit derzeit nur bei 24 Prozent. In Deutschland seien es demnach nur 14 Prozent. „In der Schule und in der Berufsorientierung werden Mädchen kaum für technische Berufe begeistert. Da geht es schnell in Richtung Psychologie, Betriebswirtschaftslehre oder Sozialwissenschaften – aber nicht IT oder Maschinenbau“, bedauert sie. Deshalb habe sie mit zwei weiteren Frauen die Initiative She@ISACA gegründet. „Wir wollen Frauen ermutigen, Speakerinnen zu werden, auf Konferenzen präsent zu sein, stolz auf ihre Arbeit zu sein – und nicht nur im Hintergrund zu organisieren, was sonst keiner machen will. Sichtbarkeit schafft Selbstbewusstsein.“
Die Eltern von Nouha Schönbrunn, geborene Loukil, haben in Frankreich studiert. Die Mutter ist Finanzmathematikerin und Universitätsprofessorin. Tochter Nouha besuchte die französische Schule, absolvierte 2014 in Tunesien an der Universität in Sfax den Diplomstudiengang Management und Finanzmathematik. „Damals träumte ich bereits davon, Unternehmerin zu werden. Mich hat es fasziniert, Gespräche zu analysieren, strategisch zu denken und dabei nie den langen Atem zu verlieren.“ Sie hätte, wie es die Tradition ist, in Tunesien bleiben, heiraten, Kinder bekommen und weiter arbeiten können. „Die Wirtschaft in meinem Heimatland stützt sich auf Frauen.“ Sie wollte aber weg, etwas Neues sehen und entschloss sich, nach Europa zu gehen. 2014 zog sie zunächst nach Speyer zu einer Cousine ihrer Mutter. In einem Intensivkurs lernte sie die deutsche Sprache. „Das ging ganz gut, weil ich ein logischer Mensch bin und ich mir so die Sprache erschlossen habe.“ Weiter ging es nach Stuttgart, wo sie Technologiemanagement studierte – eine Mischung aus Maschinenbau und BWL.
Als wissenschaftliche Hilfskraft im Fraunhofer-Institut lernte sie ihren späteren Mann Jan-Sebastian kennen, der als Informationssicherheitsberater tätig war. Nouha Schönbrunn sammelte in verschiedenen Unternehmen Berufserfahrung in den Bereichen Qualitäts- und Prozessmanagement. 2020 hatte ihr Mann, der in Leonberg aufgewachsen ist, die Idee, sich im Bereich IT-Sicherheit selbstständig zu machen. Angefangen hat alles in ihrer Sindelfinger Dachgeschosswohnung. Die Firmengründung war im Januar 2021. Dann ging es Schlag auf Schlag.
Sie bauten ein Bewerber-Management Tool auf. 2022 zog die Firma nach Warmbronn. Im selben Jahr kam der Sohn zur Welt. Die Büroräume wurden zu klein, in der Riedwiesenstraße fanden sie eine passende Immobilie, zogen dort im Oktober 2023 ein. Momentan betreut das Unternehmen mit 20 Mitarbeitenden über 200 Kunden aus allen Branchen, vorwiegend in der Region Deutschland, Österreich und der Schweiz. In ihrem Heimatland baut Nouha Schönbrunns derzeit das Geschäft auf.
„Es war ein kleines Projekt, das Schritt für Schritt gewachsen ist. Unsere Kombination – Mann und Frau, Technik und Strategie, deutsch und nicht-deutsch – war nie ein Hindernis, sondern unsere Stärke“, sagt die Tunesierin.