Der Fellbacher Spanntechnik-Spezialist AMF hat mit viel Prominenz sein neues Logistikzentrum eingeweiht.
Es kommt nicht alle Tage vor, dass die komplette Fellbacher Rathausspitze zur Einweihung eines Firmenneubaus eilt. Die Andreas Maier GmbH & Co. KG, kurz AMF, ist zwar mit rund 300 Beschäftigten nicht der größte Arbeitgeber. Mit 250 Stellen vor Ort stellt das Unternehmen aber zweifellos ein Aushängeschild der lokalen Wirtschaft dar.
Das erklärt auch die Resonanz aufs jüngste Projekt des Betriebs. 30 Monate nach dem Spatenstich im Januar 2023 konnten am Dienstagnachmittag rund 250 geladene Gäste das 3800 Quadratmeter Nutzfläche umfassende neue AMF-Logistikzentrum erleben.
In der eher nüchternen Atmosphäre des noch nicht ausgebauten dritten Obergeschosses hatten sich neben der durch eine Kiste mit Wein, Brot und Salz schwer beladenen Oberbürgermeisterin Gabriele Zull, dem Ersten Bürgermeister Johannes Berner und Baubürgermeisterin Beatrice Soltys auch Gäste aus dem europäischen Ausland sowie aus Brasilien, Indien und den Vereinigten Staaten versammelt – die Simultandolmetscherin war gut beschäftigt.
Acht Millionen Euro hat allein der Neubau gekostet
Rund acht Millionen Euro hat der reine Neubau gekostet. Da ein Bestandsgebäude auf dem AMF-Gelände an der Bühlstraße zuvor abgerissen werden musste und die Ausstattung in der Summe nicht enthalten ist, dürfte die Gesamtinvestition deutlich darüber liegen. Ein kurzzeitig von der dreiköpfigen AMF-Spitze um den Geschäftsführer Johannes Maier ebenfalls diskutierter Neubau andernorts hätte allerdings zusätzliche Kosten für ein Grundstück zur Folge gehabt.
Gabriele Zull lobte in ihrer Ansprache das Bekenntnis zu Fellbach: „Sie haben sich entschieden, in die Nachverdichtung und Modernisierung am bestehenden Standort zu investieren, statt auf der grünen Wiese neu zu bauen.“ Zugleich hob sie die Innovationskraft der Vorzeigefirma und das vielfältige gesellschaftliche Engagement von Johannes Maier und von AMF hervor.
Für Johannes Maier, der die vierte Generation des vor 135 Jahren gegründeten Spezialisten für Spanntechnik verkörpert, soll der Neubau „nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch und sozial einen zukunftsweisenden Beitrag leisten“.
Die Wellenfassade soll „die Schwingungen des Markts aufnehmen“
Beheizt vor einer Wärmepumpe, mit begrüntem Dach und ausgestattet mit einer 48,5 kW/Peak liefernden Photovoltaikanlage erfüllt das 18,24 Meter hohe Gebäude mit der markanten Fassade den Goldstandard der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen.
„Die Fassade mit ihren Wellen kann die Schwingung vom Markt aufnehmen und in das Gebäude transformieren“, sagt Johannes Maier. Ihm, dem Neubau-Projektleiter Wolfgang Balle sowie den Architekten Udo und Moritz Piske war auch in anderer Hinsicht Symbolik bei der größten Investition der AMF-Firmengeschichte wichtig.
Ausführlich beschrieb Johannes Maier die Bedeutung der Zahl neun, die unter anderem für Vollendung, Reife und den Abschluss eines Zyklus stehe. Im geografischen Mittelpunkt des Gebäudes ist zudem eine Platte mit neun Ecken eingelassen.
Funktionales Zentrum ist indes die Logistik des Neubaus, die AMF in ein neues Zeitalter katapultieren soll. Im 7,40 Meter hohen Untergeschoss befindet sich ein sogenannter Autostore, also ein hochmodernes Lager- und Kommissionierungssystem. 15 500 Behälter in Stapeln zu je 24 Behältern können mit jeweils bis zu 30 Kilogramm Ware gefüllt werden.
Zwölf batteriebetriebene Roboter schicken sie zum Entnahmeort. Für schwerere oder größere Waren gibt es 1030 Stellplätze für Paletten. Das System ist in der Zukunft um rund 50 Prozent erweiterbar.
Reserven bietet übrigens auch das Gebäude an sich. „Wer 1000 oder auch 2000 Quadratmeter Büroraum benötigt kann sich hier mit Ostalb-Blick einmieten“, sagt Johannes Maier.