Die Auftragsbücher der Esslinger Firmen sind voll. Aber Ressourcenknappheit und die vierte Corona-Welle bremsen den wirtschaftlichen Aufschwung.
Esslingen - Eigentlich könnte es gut aussehen. Wie anderswo hat sich auch die Wirtschaft in Esslingen in den vergangenen Monaten auf den Weg aus dem Corona-Tal heraus begeben. Die Auftragsbücher sind voll und die Nachfrage ist in den vergangenen Monaten stetig gestiegen. Trotzdem bleiben die Zeiten schwierig. Denn Rohstoff- und Ressourcenknappheit sowie ein drohender Lockdown angesichts des dynamischen Infektionsgeschehens in der vierten Coronawelle sind große Herausforderungen.
Positive Entwicklungen und limitierende Faktoren
Christine Clement, kommissarische Leiterin des städtischen Amts für Wirtschaft, beobachtet eine gemischte Lage bei den Esslinger Unternehmen. Es gebe viele positive Entwicklungen, aber eben auch limitierende Faktoren. „Die Auftragslage ist sehr gut, aber es ist die Frage, ob die Nachfrage bedient werden kann“, sagt Clement. In Esslingen gebe es sowohl größere als auch kleinere Weltmarktführer, die auf funktionierende Lieferketten angewiesen seien. Diese seien durch Corona schon vielfach durcheinander geraten. Mit der Rohstoff- und Ressourcenknappheit komme nun eine weitere Krise dazu. Es mangele schlichtweg an Planbarkeit – auch weil die wieder angezogene Pandemielage zu weiteren Lieferschwierigkeiten führe, etwa wegen Teillockdowns an internationalen Häfen. Hinzu komme der Fachkräftemangel, der den Firmen schon vor Corona zu schaffen machte, sich mit der Pandemie aber noch verstärkt habe. „Die Unternehmen kämpfen an vielen Fronten, es brennt an allen Ecken und Enden“, sagt Clement.
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Dabei hatten sich die Betriebe in den vergangenen Monaten erst von den coronabedingten Schwierigkeiten im vergangenen Jahr erholt. Die Nachfrage habe weltweit wieder angezogen. Doch die Ressourcenknappheit treibe nun auch die Preise – gerade im Bereich der Elektrotechnik sei mit drastischen Preissprüngen zu rechnen, sagt Clement. Diese müssten die Unternehmen wohl zumindest teilweise auch an die Verbraucher weitergeben.
Einige Kennwerte sprechen aber dafür, dass die Esslinger Wirtschaft trotz Corona recht stabil ist. So zeigt die Pandemie laut Clement nach wie vor kaum nennenswerte Auswirkungen auf das Baugeschehen in der Stadt. So seien bis Anfang November 464 Bauanträge bei der Stadt eingegangen. Das seien zwar weniger als in den Vorjahren (2019: 557 Bauanträge, 2020: 565 Bauanträge), aber sie gehe davon aus, dass bis Jahresende das Vorjahresniveau erreicht werde. Dabei würden aktuell etwas weniger Anträge für gewerbliche Bauten und dafür etwas mehr im Bereich Wohnungsbau eingereicht.
Mehr neu angemeldete Gewerbe als im Vorjahr
Die Zahl der neu angemeldeten Gewerbe übertrifft mit 798 sogar die des Vorjahres (737) – und das, obwohl hier nur der Zeitraum bis zum 31. Oktober betrachtet wurde. Gleichzeitig ist die Zahl der Gewerbe-Abmeldungen im Vergleich zum Vorjahr gesunken, nämlich von 719 (2020) auf 471 (31. Oktober 2021). Auch das wertet man im Amt für Wirtschaft positiv. Die Zahl der Gewerbeflächen-Anfragen hingegen sei im Frühjahr dieses Jahres pandemiebedingt stark zurückgegangen, berichtet Christine Clement. Zwar sei der Bedarf an Lager-, Produktions- und sonstigen Flächen zuletzt wieder spürbar angestiegen. Aber Büroflächen seien nach wie vor kaum gefragt – vor allem nicht solche außerhalb der Innenstadt.
Der rückläufige Trend bei den Gewerbesteuereinnahmen wird sich laut Clement zunächst weiter fortsetzen. Eine Trendwende erwarte man hier erst im kommenden Jahr. Insgesamt sieht man im Amt für Wirtschaft eine Konjunkturbelebung in manchen Branchen in der Stadt. In den Bereichen Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel sowie bei den Dienstleistungen brauche der Aufschwung aber wohl noch etwas Zeit.