Von der Flaute der Auslandsnachfrage im ersten Halbjahr am stärksten betroffen war die Autoindustrie, die sogar 5,7 Prozent weniger Bestellungen bekam. Foto: dpa

Die Wirtschaft im Südwesten entwickelt sich positiver als vor kurzem erwartet, errechnet das Statistische Landesamt. Auch die Fahrzeugindustrie kann wieder mehr Bestellungen verbuchen.

Stuttgart - Die wieder anziehende Nachfrage aus dem Ausland wird auch das Wachstum der baden-württembergischen Wirtschaft ankurbeln. „Für das vierte Quartal 2016 erwarten wir eine reale Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von 1,75 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal“, wird Carmina Brenner, die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, in einer Pressemitteilung zitiert. „Damit entwickelt sich die Südwestwirtschaft positiver als noch zur Jahresmitte erwartet wurde“, fügt sie hinzu.

Auslandsnachfrage bremst Südwestwirtschaft zum Jahresstart

Grund dafür sind nicht zuletzt die günstigeren Bedingungen für die Industrie. Vor allem die gesunkene Nachfrage aus dem Ausland hatte im ersten Halbjahr die Wirtschaft im Südwesten gebremst. Nur die Bestellungen aus den Euroländern nahmen zu, außerhalb dieser Regionen war ein deutlicher Rückgang von 3,4 Prozent zu verzeichnen. Insgesamt verbuchten die Unternehmen somit 1,5 Prozent weniger Aufträge aus dem Ausland. Von der Flaute am stärksten betroffen war dabei die Autoindustrie, die sogar 5,7 Prozent weniger Bestellungen bekam, hat das Statistische Landsamt errechnet. Insgesamt stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Südwesten damit bis Ende Juni „nur“ um 2,3 Prozent – Baden-Württemberg lag exakt im Bundesdurchschnitt. Bayern dagegen konnte mit einem Plus von 3,3 Prozent glänzen.

Mittlerweile hat sich die Lage verbessert; auch die Fahrzeugindustrie kann wieder mehr Bestellungen verbuchen. Und die binnenwirtschaftlichen Faktoren seien durchweg positiv, schreiben die Stuttgarter Statistiker. So seien etwa die im dritten Quartal geleisteten Arbeitsstunden in der Bauwirtschaft im Vergleich zum Vorjahr um 7,9 Prozent gestiegen. Die gute Lage am Arbeitsmarkt und die sehr niedrige Inflationsrate dürften in den nächsten Monaten die Wirtschaft weiter vorantreiben.

Verbraucherpreise steigen stärker als im Vorjahr

Allerdings sind die Verbraucherpreise im Südwesten – und auch im gesamten Bundesgebiet – im Oktober nach vorläufigen Angaben mit plus 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat etwas stärker gestiegen als in den Monaten zuvor. Die Statistiker sprechen gar vom höchsten Stand seit Oktober 2014. Erstmals seit Februar 2013 seien Benzin und Diesel wieder teurer geworden. Billiger wurden dagegen Molkereiprodukte und Gemüse.

Die stabile Lage spiegelt sich auch bei den Insolvenzen wider. 818 Unternehmen im Südwesten haben im ersten Halbjahr bei den Amtsgerichten ihre Pleite angemeldet, schreibt das Landesamt – 14 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Absolut gesehen war die Landeshauptstadt Stuttgart am stärksten betroffen. Aussagekräftiger ist aber die relative Insolvenzhäufigkeit; darunter verstehen die Experten die Insolvenzen pro 1000 Unternehmen. Nach dieser Berechnung hat Pforzheim – gefolgt von Mannheim, Baden-Baden und Heilbronn – mit Abstand die meisten Pleiten.

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