Spannende Aussagen gab es beim Esslinger Unternehmerforum: Festo werde es auch in 100 Jahren noch geben, und Start-ups seien in der Landesverteidigung unverzichtbar.
Security. Einlasskontrollen. Ticket- und Taschenchecks. Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen beim 15. Unternehmerforum der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Sie würden zum Schutz von Moderatorin Dunja Hayali geschehen, erklärte Kai Scholze von dem Geldinstitut. Denn die Journalistin und TV-Moderatorin werde auch in den sozialen Medien verstärkt angefeindet und bedroht. Besonders ihre Bemerkungen über den ermordeten US-Aktivisten Charlie Kirk hatten sie ins Kreuzfeuer teilweise unsachlicher Kritik geraten lassen.
Einschüchtern ließ sie sich dadurch nicht. Zum Einstieg brachte sie einen frechen Gag. Thomas Böck, der Vorstandsvorsitzende von Festo und einer der Referenten des Abends, hatte Probleme mit einem etwas quietschenden Mikro vor seinem Mund. Es müsse an der Technik liegen, witzelte Hayali. Keinesfalls aber am Referenten: „Er ist ja glatt rasiert.“
Keinen Bart hatte auch die Talkrunde im Esslinger Bankgebäude. Durch eine glückliche Referentenwahl nahm das etwas ausgelutschte Thema, die stockende deutsche Wirtschaft, rasant Fahrt auf. Kai Scholze, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Geldinstituts, hatte in einem Impulsreferat kurz die Ausgangsbedingungen skizziert: zwei Rezessionsjahre in Folge, 2025 ein minimales Wachstum von geschätzten 0,2 Prozent, Entlassungen in der Autoindustrie, geringe Investitionen großer Firmen im Inland, schwierige Bedingungen auch durch hohe Energiepreise, Kriege oder US-Zölle: „Derzeit herrscht Flaute“. Für das kommende Jahr werde verhalten optimistischer ein Wachstum von etwa 1,3 Prozent erwartet. Reformen durch die Politik seien nötig.
Es galt, sich immer wieder Herausforderungen zu stellen
Wird es Festo mit Stammsitz in Esslingen auch in 100 Jahren noch geben?
Ein schwieriges Umfeld. Dennoch hatte Festo seinen 100. Geburtstag im Sommer mit einem großen Fest begangen. Wird es das Esslinger Familienunternehmen angesichts der vielen Herausforderungen auch in 100 Jahren noch geben, fragte Hayali provokant. Er sei überzeugt davon, antwortete Vorstandsvorsitzender Thomas Böck erwartungsgemäß. Vor allem in den Folgejahren nach der Gründung 1925 seien die Bedingungen zwischen den beiden Weltkriegen mit politischen Instabilitäten und hoher Arbeitslosigkeit auch nicht optimal gewesen. Doch man habe sich in der Festo-Firmengeschichte immer wieder Herausforderungen gestellt – so auch aktuell. 17 Prozent des Umsatzes würden durch die Autoindustrie generiert. Eine Zahl, die angesichts der Schwierigkeiten der Branche zunächst eine trügerische Sicherheit vorgegaukelt habe.
Doch man sei schnell eines Besseren belehrt worden. Denn sehr viele Zuliefererbetriebe seien auf dem ganzen Globus von der Krise mitbetroffen – das würde auch Festo merken. Ein Viertel des Umsatzes mache das Unternehmen in Deutschland. Doch in der Bundesrepublik sei das Umfeld schwieriger als in manchen anderen europäischen Ländern. Denn es werde eher im Ausland investiert. In diesen Zeiten sei auch unternehmerische Risikobereitschaft gefragt. Die scheint Adrian Thoma zu haben. Der Managing Director von NXTGN Management, einer Innovations- und Transformationsplattform zur Unterstützung von Unternehmen und Start-ups, hatte beim Unternehmerforum einen dynamisch-erfrischenden Auftritt. Trotz stockender Wirtschaft habe sich das Klima für Start-ups in den letzten Jahren professionalisiert und verbessert. Charakterisiert seien diese jungen Unternehmen durch ein hochinnovatives, oft digitales Geschäftsmodell und eine starke Skalierung, also ein hohes Wachstumspotenzial.
Verteidigungsfähigkeit ist laut Thoma vor allem Sache der Startups
Beide Referenten outeten sich als überzeugte Optimisten. Der von der Merz-Regierung angekündigte „Herbst der Reformen“ müsse rasch zumindest greifbare Impulse bringen, meinte Thomas Böck. Weniger Bürokratie und einfachere Prozesse seien gefragt. Mit der Verfolgung und der Dokumentation der Lieferketten, nannte er ein Beispiel für möglichen Handlungsbedarf, seien bei Festo 15 Mitarbeitende beschäftigt. Die Kosten dafür könnten nicht auf die Kunden umgelegt werden: „Wir fühlen uns manchmal vom Staat leicht überreguliert.“ Politik könne die Rahmenbedingungen schaffen, doch es müsse auch Raum für Unternehmergeist sein. Für die Start-ups sieht Adrian Thoma die politische Rolle anders: Der Staat müsse für diese jungen Unternehmen da sein – etwa durch finanzielle Hilfen in einer sehr frühen Phase der Gründung, wenn der Markt noch nicht greife.
Diese staatlichen Gelder gingen nicht ins Leere. Denn Start-ups sieht Adrian Thoma gerade mit Blick auf die Verteidigungsfähigkeit auf dem Vormarsch. In Bereichen wie Robotik, Weiterentwicklung von Drohnen oder Luftaufklärung seien sie unverzichtbar. Auf sich schnell wandelnde geopolitische Situationen müsse rasch reagiert werden, zehn- bis 15-jährige Entwicklungszyklen dürfe es in dieser Sparte nicht geben. Solche Geschwindigkeiten aber könnten vor allem die Start-ups liefern.
Der Gründerpreis
Sport
Im Rahmen des Unternehmerforums verlieh die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen auch zwei Gründerpreise. Die erste Auszeichnung ging an das Ohemia Studio mit Valerie und Sebastian Mack, das mit einem besonderen sportwissenschaftlichen Konzept verschiedene Elemente wie Yoga oder Pilates miteinander kombiniert.
Medizin
Als eine „Revolution“ bezeichnete Moderatorin Dunja Hayali die Erfindung der Träger des zweiten Gründerpreises. Anna Herrmann und Heinrich Jehle von FlareON Biotech in Frickenhausen haben ein Verfahren zur raschen Erkennung von Krebszellen direkt im Operationssaal entwickelt. Zeitaufwendige Untersuchungen seien damit hinfällig, die OP könne zügig fortgeführt werden. Das bisherige Feedback ist laut den Preisträgern sehr gut. In der medizinischen Praxis käme ihre Erfindung aber noch nicht zum Einsatz.