Die Stuttgarter Wirtin Laura Halding- Foto: Lichtgut/Kovalenko

Es wird eine Premiere mit politischer Brisanz: In Samara, der Partnerstadt von Stuttgart, wird erstmals in Russland der Film „Laura – Das Juwel von Stuttgart“ gezeigt, mit dem Rosa von Praunheim das Engagement der Wirtin gegen Homophobie und für Toleranz würdigt.

Stuttgart - Die Wirtin und Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit ist am Mittwoch nach Samara geflogen, in die russische Partnerstadt von Stuttgart. Dort wird der Film „Laura – Das Juwel von Stuttgart“ gezeigt, mit dem der Berliner Regisseur Rosa von Praunheim der „Mutter der Schwulen“ und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes ein cineastisches Denkmal gesetzt hat. Die Vorstellung des Dokumentarfilms, die zum Programm zählt, mit dem in Samara der 25. Geburtstag der Städte-Ehe mit Stuttgart gefeiert wird, ist als Signal für Toleranz zu verstehen. Gerade erst hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Russland wegen des Umgangs mit Homosexuellen verurteilt und der Putin-Regierung vorgeworfen, Gesetze beschlossen zu haben, die „unvereinbar mit den Werten einer demokratischen Gesellschaft“ seien. Vor dem Abflug sagte die Wirtin scherzhaft, man möge sich für sie einsetzen, falls sie in Samara verhaftet werde.

Verärgert über die Stuttgarter Polizei

„Wir zwei sind Dinos.“ So beschreibt Laura Halding-Hoppenheit den Regisseur Rosa von Praunheim und sich. Seit den 1980er Jahren sind die beiden befreundet, die Chefin des Stuttgarter Kings Club, eines der ältesten Schwulenclubs der Republik, und der Berliner Filmemacher, der 1991 für einen Skandal der Fernsehgeschichte sorgte, als er Promis wie Hape Kerkeling und Alfred Biolek zwangsgeoutet hat. Dafür hatte die Wirtin ihn damals kritisiert. Längst sind die alten Meinungsverschiedenheiten vergessen. In Stuttgart feierte der Kinofilm „Laura – Das Juwel von Stuttgart“ über das Engagement der gebürtigen Rumänin, der nun erstmals in Russland gezeigt wird, im Dezember 2014 Premiere.

Über die Stuttgarter Polizei ist Laura Halding-Hoppenheit noch immer verärgert. Bei der Räumung ihres Kings Clubs am vergangenen Wochenende fühlte sie sich an „dunkle Zeiten“ erinnert. Die Beamten hätten sich „chaotisch“ verhalten, so ihr Vorwurf. Vor Ort habe sie der Kripo inzwischen aber zeigen können, dass die Örtlichkeiten auf der Damentoilette ihres Clubs gegen die Annahme sprächen, hier sei eine Frau vergewaltigt worden. Der Zugang sei nur über die Garderobe möglich, wo die Gaderobefrau streng darüber wache, wer dort hineingehen könne.

Beschwerdebrief an den Polizeipräsidenten

Möglicherweise sei der Tatort außerhalb des Clubs in einem Hinterhof gewesen. Natürlich wolle auch sie alles tun, um einen möglichen Vergewaltiger zu überführen. Aber das Verhalten der Polizei sei „unprofessionell“ gewesen, kritisiert sie. Man habe nicht mal gesagt, warum alle Gäste den Club verlassen musste. „So etwas habe ich vor 40 Jahren erlebt, dass die Polizei den Kings Club stürmt und die Schwulen einschüchtert“, sagte Wirtin. Sie sei jederzeit bereit, sinnvoll mit der Polizei zu kooperieren. „Aber dafür verlange ich geschultes Polizeipersonal, welches sensibel mit den Menschen umgeht“, erklärte die Stadträtin der Linken. Sie fühle sich und ihre „Gayfamilie“ persönlich angegriffen und erklärte, sie werde „dagegen mit allen Mitteln und Konsequenzen vorgehen“. In einem Brief an den Polizeipräsidenten hat sie sich offiziell beschwert.

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