Die Aktien des Fintech Wirecard haben binnen eines Jahres um 42,7 Prozent an Wert zugelegt. Foto: dpa

Trotz deutlicher Verluste zum Schluss: Im Gesamtjahr 2018 ist Wirecard das erfolgreichste Papier im deutschen Leitindex.

München - Wenn eine im Dax notierte Aktie binnen weniger Wochen ein Drittel ihres Werts verliert, ist das normalerweise kein Grund zum Feiern. Der Anteilsschein von Wirecard hat seit Anfang Oktober einen solchen Absturz hinter sich. Dennoch können Eigner des Dax-Neulings an Silvester wohl die Korken knallen lassen. Voraussetzung ist, dass sie schon mindestens seit Anfang 2018 Aktionäre sind. Denn auf zwölf Monate hat das Papier trotz jüngster Talfahrt um 42,7 Prozent zugelegt und damit mehr als jeder andere Anteilsschein eines Dax-Konzerns. Vor allem Spekulationen um eine Übernahme haben die Wirecard-Aktien am Freitag an die Dax-Spitze getrieben. Für 132,80 Euro ging das Papier aus dem Handel. Seit der Dax-Zugehörigkeit seit Ende September sieht die Bilanz aber ganz anders aus.

LBBW-Analyst erklärt das Phänomen

Ein derartiges Auf und Ab war im Dax bislang unbekannt. Mirko Maier versucht, es zu erklären. Der Analyst ist bei der Landesbank Baden-Württemberg für Technologieaktien zuständig und als solche gilt das Papier. „Als Wirecard in den Dax gekommen ist, sind Technologiewerte kurz darauf stark unter Druck geraten“, sagt er. Dazu kommt, dass Ausschläge bei Technologiewerten grundsätzlich heftiger ausfallen als in traditionellen Branchen. Gleichzeitig ist eine bevorstehende Aufnahme in den Dax kurstreibend, weil Fondsmanager so ein Papier unbedingt haben müssen.

Bei Wirecard sind also binnen kurzer Zeit zwei gegensätzliche Kurstreiber zum Tragen gekommen. Aber das sind nicht die einzigen Einflussfaktoren, weshalb die Achterbahnfahrt der Dax-Aktie eine stetige war. Um das zu verstehen, muss man das Geschäftsmodell des hochinnovativen Finanzdienstleisters kennen. Das erst 16 Jahre alte Vorzeige-Fintech mit Sitz in Aschheim bei München wickelt zwischen Banken, Händlern und deren Kunden online Zahlungen ab. Dabei ist es egal, ob Letztere im Internet vom heimischen PC aus oder mobil per Smartphone an der Ladenkasse bezahlen. Über 90 Milliarden Euro wurden von Wirecard voriges Jahr bewegt, was 1,5 Milliarden Euro an Gebühren und damit entsprechend Umsatz gebracht hat.

Es wird immer weniger bar bezahlt

Weil im globalen Maßstab immer weniger bar bezahlt und statt dessen immer mehr online oder mobil abgewickelt wird, operiert das Unternehmen in einem ausgesprochenen Wachstumsmarkt wie es nur wenige gibt, erklärt Maier. Bis 2025 rechnet Wirecard mit einer Vervielfachung des Geschäfts und das bei hohen Margen. Läuft die allgemeine Konjunktur, wird viel bezahlt und Wirecard profitiert extra. Zeichnet sich eine Flaute ab, geht es für das Unternehmen ohne eigenes Zutun in die andere Richtung. Gleiches gilt, wenn das Smartphone mit Bezahlfunktion eines großen Herstellers nicht ankommt. Als dagegen jüngst das von Wirecard unterstützte Apple Pay eingeführt worden ist, kletterte die Aktie um einige Prozent.

Sie reagiert also bei weitem nicht nur bei eigenen Unternehmensnachrichten. „Das bleibt eine volatile Geschichte“, schätzt Maier auch deshalb die weitere Entwicklung ein. Grundsätzlich zweifelt auch er nicht an einem verlässlichen Trend zum Online-Bezahlen. Anderseits stecke in der Wirecard-Aktie einiges an Erwartungen. Sie müsse erst in ihre hohe Bewertung hineinwachsen, hat der LBBW-Analyst Mitte November geurteilt und die Aktie auf Halten gestuft. Seitdem ist das Papier weiter verfallen und langsam könne man sich wieder überlegen, es zu kaufen, findet er.

27 Kaufempfehlungen stehen zwei Verkaufsempfehlungen gegenüber

Viele seiner Kollegen sind da optimistischer. Aktuell stehen 27 Kaufempfehlungen, bei vier Halten nur zwei Verkaufsempfehlungen gegenüber. Experten der Investmentbank Morgan Stanley haben die Wirecard-Aktie für 2019 als nur eines von zwei Papieren zum „Top Pick“ erklärt. Sie trauen der Aktie einen Kurs von 225 Euro zu. Das wären zwei Drittel mehr als heute. Zweimal hintereinander beste Dax-Aktie zu werden, ist zuletzt Adidas 2015 und 2016 gelungen. Maier schätzt die Chancen auf 50 zu 50, dass auch Wirecard dieses Kunststück gelingt. Aber ohne heftige Schwankungen werde das wohl auch 2019 kaum ablaufen.

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