Gerhard Gruber richtet den Horst auf dem Dach der Winzerhäuser Kelter. Sein Kollege Horst Linder bereitet derweil auf dem Boden weiteres Gehölz vor. Foto: Dominik Thewes

Die vier Nester auf Großbottwarer Gemarkung sind gerichtet. Jetzt muss Adebar nur noch einziehen.

Winzerhausen - Eine Sorge treibt den Winzerhäuser Ortsvorsteher Friedrich Link schon etwas um. „Wenn sich wieder kein Storch ansiedelt, könnte die Euphorie in der Bevölkerung etwas verloren gehen.“ Immerhin ist es das sechste Mal, dass Mitarbeiter des Bauhofes auf der historischen Kelter den imposanten Vögeln ein Bett aus Weiden, Obstgehölzen und Legustern richten. Obwohl sie damit eine Unterkunft in einem vom herzoglichen Baumeister höchstpersönlich entworfenen Gebäude beziehen könnten – wie der zufällig des Weges kommende Gerfried Wegner, Vorsitzender des Historischen Vereins Bottwartal zu berichten weiß –, haben die Störche bislang keine Brutstätte auf Großbottwarer Gemarkung errichtet.

 

Doch so etwas braucht Zeit. „30 Jahre habe ich in Tripsdrill dafür gebraucht“, berichtet der ehemalige Chef des Freizeitparks, der Winzerhäuser Dieter Fischer. Sicher ist er sich, dass es „mit einem Gehegestorch schneller ginge“. Dennoch wolle man es weiterhin ohne einen solchen probieren. Nicht nur, weil dieses Vorgehen Tierschützer auf den Plan ruft, die dagegen sind, Störche in Gefangenschaft zu halten. Auch stellen sich ohne ein solches Hilfsmittel erste Erfolge ein. So sind im vergangenen Jahr 15 Störche über den Sauserhof gezogen, einer hatte sich kurzfristig niedergelassen, ist dann aber weitergezogen. „Auf jeden Fall waren wir in Alarmbereitschaft“, erinnert sich der Storchenfachmann.

Während also in Großbottwar die Nester gerichtet werden, sind die ersten Störche bereits da, etwa in Horrheim. „Aber es ist noch nicht zu spät für uns“, sagt der Experte. Auch wenn es durchaus überraschend sei, dass Tiere, die in Spanien überwintert hätten, wieder zurück sind. Der Storchenzug könne sich bedenkenlos noch bis Anfang Mai hinziehen.

Für die Reisenden soll neben dem Dach der Winzerhäuser Kelter auch das auf dem Großbottwarer Rathaus hübsch gemacht werden, die Nester beim Holzweiler Hof und beim Sauserhof seien noch in Ordnung, so Fischer. Lediglich die potenzielle Brutstätte auf dem Rathausdach hat etwas gelitten, sodass dort nachgekalkt werden muss. Damit soll den Tieren die Anwesenheit weiterer Störche vorgekaukelt werden. Vier mögliche Anlaufstellen gibt es damit in der Stadt mit dem Storch im Wappen.

Dort ist er nicht zu unrecht angebracht, wie der heute 66-jährige Friedrich Link zu berichten weiß. In seiner Schulzeit habe es Störche auf dem Kirchendach gegeben, erinnert er sich. Erst in den 1950er- und 60er-Jahren, als die Flüße, Bäche und Sümpfe trocken gelegt wurden, habe der Vogel nicht mehr genug zu fressen gefunden. Den ironischen Seitenhieb verkneift sich der Orstvorsteher nicht: „Es scheint heute leichter zu sein, auf unserer Gemarkung Wasserbüffel anzusiedeln als Störche.“ Wobei, das sieht Friedrlich Link ganz pragmatisch, die Büffel den Störchen optimalerweise den Tisch bereiten. „Die beiden Arten bilden eine gute Symbiose“, so Link.